Jeden Tag Sonnencreme im Gesicht? Dermatologe warnt vor häufigem Fehler
KI-Stimme. Info Ist die Haut zu lange ungeschützt in der Sonne, können UV-Strahlen Zellen angreifen. Sonnencreme verhindert Hautschäden und kann langfristig das Risiko für Hautkrebs senken. Jeden Tag Sonnencreme zu verwenden, kann jedoch auch gesundheitliche Nachteile haben. Das Gesicht ist der UV-Strahlung aus der Sonne so ausgesetzt wie wenige andere Körperteile. Die Haut altert hier oft schneller und das Risiko für Hautkrebs ist erhöht. Eine bestimmte Art von Tumor, das Plattenepithelkarzinom, wächst sogar häufig nur an Ohren, im Gesicht oder am Handrücken. Um sich vor den Folgen von UV-Strahlung zu schützen, tragen viele Menschen jeden Tag Sonnencreme im Gesicht auf. Doch ist das wirklich sinnvoll? Ja, sagt der Hautarzt und ärztliche Leiter des Dermatologikums Eppendorf, Rupert Schulz. Der Mediziner warnt allerdings vor Anwendungsfehlern, die nicht nur den Schutz reduzieren, sondern auch Risiken bergen können. Sollte man jeden Tag Sonnencreme im Gesicht auftragen? Die Sonne gibt verschiedene Formen von ultravioletter Strahlung (kurz UV) ab. Für die Hautgesundheit ist die UVA- und UVB-Strahlung relevant: Sie greifen die DNA an und können zu Fehlern im Erbgut führen. Die Haut altert schneller und im schlimmsten Fall entsteht Hautkrebs. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft UV-Strahlung daher in die höchste Risikogruppe und als definitiv krebserregend für Menschen ein. Vor allem Sonnenbrände im Kindesalter erhöhen das Risiko, später im Leben an Hautkrebs zu erkranken. Auch interessant: Sonnencreme für Kinder: „Öko-Test“ stößt auf verbotene Weichmacher Sonnenschutzmittel gehört zu den wirksamsten Methoden, um die Risiken der UV-Strahlen zu minimieren: „Regelmäßiges Auftragen von Sonnencreme schützt nachweislich vor den drei häufigsten Formen von Hautkrebs“, sagt Rupert Schulz. Die gefährlichste Form sei das Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs, weil dieser schnell streue. Laut Zahlen des aktuellen Barmer-Arztreports sind die Fälle hierzulande von 188.603 im Jahr 2005 auf 417.400 im Jahr 2023 gestiegen. In Langzeitstudien habe Sonnencreme das Auftreten von bösartigen Tumoren und dessen Vorstufen deutlich reduzieren können, so Schulz. Auch bei bewölktem Wetter jeden Tag Sonnencreme? Arzt warnt Das Risiko für Hautschäden steigt mit einem höheren UV-Index. Dieser gibt an, wie stark die UV-Strahlung maximal ausfallen wird. Wetterdienste zeigen ihn aktuell und für den jeweiligen Standort an. Faktoren wie die Jahres- und Tageszeit, die Wetterlage und die Entfernung zum Äquator beeinflussen die Stärke der UV-Strahlen. Im Hochsommer ist die Mittagssonne beispielsweise besonders aggressiv, im Winter ist die UV-Strahlung hierzulande eher schwach. Für jeden UV-Index empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestimmte Schutzmaßnahmen: 0–2 (niedrig): kein Schutz nötig (Sonnencreme optional) 3–5 (mittel): Sonnencreme (LSF 20–30), Hut, Schatten mittags 6–7 (hoch): LSF 30–50, lange Kleidung, Mittagssonne meiden 8–10 (sehr hoch): freien Aufenthalt in der Mittagszeit minimieren, LSF 50+ 11+ (extrem): vollständiger Schutz, Außenaufenthalt am besten nur im Schatten Schulz rät allerdings davon ab, den Sonnenschutz allein nach dem UV-Index auszurichten. Die WHO-Empfehlung könne „irreführend“ sein und ließe einen wichtigen Aspekt unberücksichtigt, sagt er: „Studien zeigen, dass Menschen mit heller Haut, Typ 1 und 2, bei mehr als eineinhalb Stunden Aufenthalt im Freien auch bei einem niedrigen UV-Index von 2 Hautschäden erleiden können.“ Menschen mit empfindlicher und heller Haut werden seltener braun und entwickeln schneller Sonnenbrand. Auch die Wetterlage sollte nach Rat des Experten nicht der ausschlaggebende Faktor für oder gegen Sonnencreme sein, denn sie könne über die tatsächliche UV-Stärke hinwegtäuschen: „UVA-Strahlung dringt auch bei bewölktem Himmel durch“, warnt Schulz. Auch das Bundeinstitut für Strahlenschutz erklärt, dass leichte Wolken den UV-Index kaum beeinflussten. Eine starke Bewölkung könne den UV-Index durch Streustrahlung sogar erhöhen. In diesen Fällen kann jeden Tag Sonnencreme schädlich sein Die Prävention von Hautschäden ist das stärkste Argument für eine regelmäßige Anwendung von Sonnencreme. Doch das Gesicht jeden Tag einzucremen, kann auch Nachteile mit sich bringen. Schulz warnt von einem falschen Sicherheitsgefühl: „Wer sich eingecremt fühlt, bleibt manchmal länger in der Sonne als geplant und hebt damit den Schutz teilweise wieder auf“, erklärt der Experte. Damit der Schutz aufrechterhalten bleibt, muss mehrmals täglich nachgecremt werden. Wichtig ist auch die Art des Sonnenschutzes: Beim UV-Schutz haben Sonnensprays im Vergleich zu Sonnencremes entscheidende Nachteile. Zudem könnten bestimmte UV-Filter und Duftstoffe bei manchen Menschen zu allergischen Reaktionen, Hautrötungen und Juckreiz führen, so Schulz. Nicht zuletzt stünden einige chemische UV-Filter aufgrund ihrer möglichen Wirkung auf den Hormonhaushalt in der Kritik. Lesen Sie auch: Wie lange hält sich Sonnencreme – und wann muss ich sie entsorgen? Mitunter kann Sonnencreme zudem die Vitamin-D-Versorgung des Körpers beeinflussen, denn die Haut kann das Vitamin nur unter Einfluss von UVB-Strahlung bilden. Wissenschaftliche Untersuchungen wiesen darauf hin, dass ein sehr hoher Lichtschutzfaktor von 50+ bei täglicher Anwendung häufiger eine Unterversorgung verursache, so der Mediziner. Allerdings kommt die Hauptproduktion über Arme und Beine, das Gesicht macht nur etwa ein Zehntel der Hautfläche aus. Vitamin-D-Tabletten oder -tropfen, können einem Mangel zudem vorbeugen. Mehr dazu: Blockiert Sonnencreme die Vitamin-D-Bildung? Klare Antwort vom Arzt Jeden Tag Sonnencreme sinnvoll? Klare Antwort vom Hautarzt Schulz rät dazu, täglich Sonnencreme auf das Gesicht aufzutragen. „Der Nutzen von Sonnencreme für die Hautkrebsvorbeugung ist wissenschaftlich gut belegt und überwiegt die möglichen Nachteile deutlich“, betont der Hautarzt. Selbst bei einem niedrigem UV-Index empfiehlt er eine Sonnencreme mit mindestens LSF 30. Wer eine Sonnencreme mit hohem LSF und ohne bedenkliche Substanzen nutzt und dazu seinen Vitamin-D-Spiegel im Blick behält, kann mit täglichem Sonnenschutz im Gesicht nichts falsch machen. Im Gegenteil: Auf diese Weise lassen sich Hautschäden und negative Folgen oft gut abwenden. Lesen Sie auch Sonnencreme für empfindliche Haut – zu diesen rät „Öko-Test“ Ein guter Sonnenschutz verursacht keine Hautreaktionen und beinhaltet keine bedenklichen UV-Filter. Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hat 21 Sonnencremes für empfindliche Haut getestet und kann unter anderem die Lavera „Sonnenlotion Sensitiv“ mit LSF 30* und die Alverde „Sonnenmilch Sensitiv“ von DM empfehlen. Beide kommen ohne Problemstoffe aus und bieten nach Urteil der Tester hautverträgliche Formulierungen. Auch Sonnencremes mit hohem LSF von 50 (+) hat „Öko-Test“ im Labor geprüft. Einige der untersuchten Produkte enthielten umstrittene Weichmacher oder zeigten deutliche Mängel beim angegebenen Lichtschutzfaktor. Mit Bestnote abgeschnitten haben nur zwei, die Sundance Sonnenmilch* und die Sun d’Or Sonnenmilch. Quellen Barmer Arztreport. Fokus: Hautkrebs – Häufigkeit und Risikofaktoren, in: bifg.de. Zuletzt aufgerufen am 31.03.2026 Brar, G. [u.a.]: A Comprehensive Review of the Role of UV Radiation in Photoaging Processes Between Different Types of Skin, in: The Cureus Journal of Medical Science, Mar. 2025. Radiation: Protecting against skin cancer, in: who.int. Zuletzt aufgerufen am 31.03.2026 Was ist der UV-Index?, in: bfs.de. Zuletzt aufgerufen am 31.03.2026