Jeder Dritte trägt ihn in sich: Dieser Magenkeim ist der häufigste Krebs-Erreger
Bei Krebs denken die meisten an schlechte Gene, Rauchen oder das Alter. Doch etwa jede achte Neuerkrankung weltweit beginnt mit einer Infektion, wie eine neue Analyse zeigt. Zum Glück erkrankt nur ein kleiner Teil der Infizierten. Viele der Krebsfälle ließen sich durch Impfungen, Tests und Behandlungen verhindern. Ganz vorn liegt ein Keim, den in Deutschland etwa jeder Dritte in sich trägt.
Welche Erreger lösen Krebs aus?
Die Studie der zur WHO gehörenden Krebsforschungsagentur IARC ist im Fachjournal „The Lancet Oncology“ erschienen. Das Team um Harriet Rumgay untersuchte zwölf als sicher krebserregend eingestufte Erreger. Ergebnis: Rund 2,3 Millionen Krebsfälle im Jahr 2024 gehen auf sie zurück, etwa zwölf Prozent aller Neuerkrankungen.
Fast alle infektionsbedingten Krebsfälle gehen auf fünf Erreger zurück:
1. Helicobacter pylori (rund 760.000 Fälle): Das Bakterium nistet sich in der Magenschleimhaut ein und kann sie über Jahre entzünden. Laut Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums hängen etwa neun von zehn Magenkrebsfällen damit zusammen. In Deutschland sind rund 35 Prozent der Menschen infiziert, die meisten unbemerkt.
2. Humane Papillomviren, kurz HPV (750.000): Die sexuell übertragenen Viren lösen vor allem Gebärmutterhalskrebs aus, außerdem Tumoren an Penis und After sowie im Mund- und Rachenraum.
3. Hepatitis-B-Virus (360.000): Bleibt die Infektion chronisch, kann sie die Leber über Jahre schädigen. Die meisten dieser Krebsfälle sind Leberkrebs.
4. Epstein-Barr-Virus (260.000): Der Erreger des Pfeifferschen Drüsenfiebers begünstigt bestimmte Lymphome und Nasen-Rachen-Krebs. Neuere Belege zeigen, dass er auch einen Teil der Magentumoren mitverursacht.
5. Hepatitis-C-Virus (160.000): Auch dieses Virus greift die Leber an. Einen Impfstoff gibt es nicht, moderne Medikamente heilen laut WHO aber mehr als 95 Prozent der Infizierten.
Wichtig zu wissen: Eine Infektion heißt nicht, dass Krebs folgt. Mit HPV etwa steckt sich laut Robert Koch-Institut fast jeder sexuell aktive Mensch mindestens einmal an, meist heilt die Infektion unbemerkt aus. Riskant wird es vor allem, wenn sich ein Erreger über Jahre festsetzt. Ob dann ein Tumor entsteht, hängt auch vom Lebensstil ab, etwa von Rauchen, Alkohol und Ernährung, sowie von familiärer Veranlagung.
In welchen Ländern Krebs durch Infektionen am häufigsten ist
Mehr als drei Viertel der infektionsbedingten Krebsfälle treten in ärmeren Ländern auf. Allein Ostasien kommt auf 42 Prozent, vor allem wegen Helicobacter und Hepatitis B. In Afrika südlich der Sahara dominieren HPV und das Kaposi-Sarkom-Herpesvirus, verstärkt durch HIV. Auch Mittel- und Osteuropa liegt über dem weltweiten Schnitt. In Deutschland ist der Anteil deutlich kleiner: Laut Krebsinformationsdienst gehen hier nur etwa vier von hundert Krebsfällen auf Infektionen zurück.
Wie lässt sich Krebs durch Infektionen vorbeugen?
Die meisten infektionsbedingten Krebsfälle ließen sich laut IARC schon heute verhindern. Gegen HPV und Hepatitis B gibt es Impfungen. Helicobacter lässt sich nachweisen und mit Antibiotika behandeln, Hepatitis C mit Medikamenten heilen. Hinzu kommen der Schutz vor HIV und die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs. Für das Epstein-Barr-Virus gibt es bislang keinen Impfstoff, hier sehen die Forschenden Bedarf an neuen Mitteln.