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"Jenseits der Brandmauer": Punk-Sänger "Monchi" stellt neues Buch vor

Unterhaltung

Stand: 14.08.2026 10:23 Uhr Die Band "Feine Sahne Fischfilet" und ihr Frontmann waren einst ein Fall für den Verfassungsschutz. Mittlerweile blickt "Monchi" differenziert auf Menschen mit einer anderen politischen Meinung. von Susann Moll Nervös läuft Jan Gorkow alias "Monchi" auf und ab. Dann ist es 19 Uhr und er tritt vor die Leute. Er steht nicht wie sonst zusammen mit seiner Band "Feine Sahne Fischfilet" auf einer Bühne. Er nimmt auf einem Sessel Platz. Der steht mitten auf dem Skatepark in Jarmen, der Heimatstadt von "Monchi". Um ihn herum sitzen mehr als 250 Menschen auf Bänken, mitgebrachten Klappstühle oder einfach auf den Rampen der Skaterbahn. Hier liest er zum ersten Mal aus seinem neuen Buch "Jenseits der Brandmauer. Mein Leben in der ostdeutschen Provinz". Wie der Titel es schon verrät, setzt er sich mit den Menschen in seiner Heimat auseinander. Gut die Hälfte in Jarmen hat die AfD gewählt "Monchi" hat schon immer in Mecklenburg-Vorpommern gelebt. Vor drei Jahren ist er wieder nach Jarmen gezogen - dorthin, wo er aufgewachsen ist. Hauptgrund war, dass er Vater geworden ist und wieder näher bei seiner Familie wohnen wollte. Er liebt es aber auch in Jarmen. "Zwei Minuten bis zum See, zwei Minuten bis zur Peene, zwei Minuten bis zum Arzt, zwei Minuten bis zu meinen Eltern", zählt er die Vorteile auf. Doch nach der Bundestagswahl 2025 kamen ihm Zweifel. 54 Prozent der Jarmenerinnen und Jarmenern haben ihr Kreuz bei der AfD gemacht - bei einer Partei, deren Ansichten seinen Grundwerten entgegenstehen. Er schreibt im Buch: "Heute, am 24. Februar 2025, da habe ich das erste Mal diesen Gedanken. Ist es noch richtig, hier zu bleiben?" "Monchi" hat seinen Blick geweitet Er beschreibt, wie er in den folgenden Wochen immer wieder das Gespräch sucht. Der Punkrocker versucht zu verstehen, warum die Leute die AfD gewählt haben. Er sagt: Früher hätte er einfach alle über einen Kamm geschoren. Heute kann er das nicht mehr. "Umso näher ich den Menschen bin, umso schwerer kann ich sie hassen", sagt er im Interview. Bei manchen tue es ihm weh - wie etwa bei einer Bekannten, von der er nie gedacht hätte, dass sie ihr Kreuz bei der AfD machen würde. "Monchi" erzählt seinen Zuhörerinnen und Zuhörern in Jarmen, warum die oft erwähnte Brandmauer für ihn ein Politikkonzept ist, das auf dem Land aktuell völlig weltfremd wirkt. Damit meint er in erster Linie zwischenmenschliche Begegnungen. Er wolle mit allen im Gespräch bleiben. Die Grenze sieht er jedoch bei überzeugten Nazis. Ein Plädoyer fürs Bleiben und Anpacken Im Buch "Jenseits der Brandmauer" geht Jan Gorkow auch auf seine eigene Vergangenheit ein. Er beschreibt den jungen "Monchi", der immer auf Krawall aus war und straffällig geworden ist. Er beschreibt das Ereignis, dass ihn zum Antifaschisten gemacht hat. Er geht auf Menschen ein, die ihn geprägt haben - wie etwa den verstorbenen Pastor aus Jena, Lothar König. Am Ende lautet sein Fazit: "Bleiben. Ich glaube, dass ist einer der wichtigsten Punkte. Wenn man zeigt, dass man es ernst meint, dass man nicht nur leere Phrasen drischt, sondern wirklich etwas macht." Das beeindruckt die Zuhörerinnen und Zuhörer der Lesung. Sie applaudieren. "Wir brauchen mehr solcher Typen wie Monchi", sagt eine Jarmenerin im Anschluss. Ein anderer aus dem Ort fasst es so zusammen: "Er polarisiert als Mensch, aber er gehört hierhin. Und ich habe absoluten Respekt vor dem, was er hier aufzieht." Damit meint er das Festival "Wasted in Jarmen", welches Jahr für Jahr um die 5.000 Besucherinnen und Besucher in die Kleinstadt zieht.

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