DAX -1,18 % 26.128,36 Pkt 18:00:00 MDAX -1,92 % 31.839,83 Pkt 18:00:00 Euro Stoxx 50 -0,95 % 6.468,17 Pkt 18:00:00 Dow Jones -0,66 % 53.376,51 Pkt 21:02:39 S&P 500 -1,12 % 7.698,32 Pkt 21:02:41 Nasdaq -1,61 % 26.298,76 Pkt 21:02:37 Nikkei -2,54 % 67.460,73 Pkt 08:45:03 Gold -0,19 % 4.409,40 USD 20:52:34 Silber -3,38 % 63,89 USD 20:52:10 Brent +0,18 % 91,03 USD 20:51:34 WTI -0,45 % 84,12 USD 20:52:36 Bitcoin +0,34 % 64.722,44 USD 21:02:38 EUR/USD +0,03 % 1,15780 USD 21:01:53 EUR/GBP +0,11 % 0,85530 GBP 21:02:40 EUR/CHF 0,00 % 0,94050 CHF 21:02:41 EUR/JPY +0,25 % 184,743 JPY 21:02:41

Jetzt sollen sogar Mietwohnungen zum Kraftwerk werden

Technologie

Das Gerät, das die Energie-Revolution in alle deutschen Haushalte bringen soll, sieht ein bisschen aus wie ein Powerbank-Akkuladegerät fürs Smartphone, nur in größer. Und im Prinzip handelt es sich bei der am Mittwoch angekündigten Marstek E Venus des Hamburger Versorgers Rabot Energy um genau das: Eine große Powerbank – nur für den gesamten Haushalt. Bislang lohnten sich Batteriespeicher für den Hausgebrauch nur, wenn gleichzeitig eine PV-Anlage auf dem Dach installiert war. In sonnigen Stunden, wenn ohnehin schon viel Solarstrom in den deutschen Netzen ist, lässt sich überschüssig produzierter Strom in die Batterie speichern. Der Strom kann sich dann entweder später zum Eigenverbrauch nutzen lassen – oder ins Netz eingespeist werden. Strom speichern, wenn er billig ist, und verkaufen, wenn er teuer ist: Ein Geschäft, das sich schnell lohnt. Mini-Speicher für Millionen Wer in einer Mietwohnung lebte, war mangels Solaranlage auf dem Dach von dieser neuen Energiewelt bislang ausgeschlossen. Bis jetzt: Denn die Preise für Batterien sind mittlerweile so stark gesunken, dass sie sich nach Vorstellung der ersten Energieversorger auch ohne eigene Stromerzeugung lohnen sollen. Mit einem sogenannten dynamischen Stromtarif lässt sich auch der Strom aus der Steckdose einspeichern, wenn er gerade billig ist – und abends wieder ins Netz einspeisen. ANZEIGE ANZEIGE Kleines Kraftwerk Man wolle „jede Mietwohnung zum kleinen Kraftwerk“ machen, heißt es beim britischen Versorger Octopus Energy, der mit der „Powerbank“ unlängst ebenfalls einen Mini-Speicher angekündigt hat. Und auch Konrad Schade, Managing Director von Rabot Energy, spricht davon, „Millionen Menschen in Mehrfamilienhäusern“ den Zugang zu Batteriespeichern öffnen zu wollen. Ein eigener Algorithmus steuert den An- und Verkauf des Stroms, Kostenpunkt: Ab 400 Euro für einen Speicher mit Kapazität von zwei Kilowattstunden. Innerhalb von drei bis vier Jahren soll sich die Investition bereits amortisiert haben, heißt es bei Rabot Energy. Viermal so groß wie alles andere Abseits der großen Wohnblocks und Metropolen, im 2000-Einwohner-Ort Klostermansfeld in Sachsen-Anhalt, denkt man derweil ungleich größer. Auf einer Fläche von 15 Hektar will der Schweizer Entwickler BW ESS den mit Abstand größten Batteriespeicher Deutschlands bauen. Am Mittwoch, als Rabot Energy seine Mini-Speicher für den Hausgebrauch enthüllt hatte, erfolgte hier der Spatenstich für das Giga-Projekt. Die Zahlen lesen sich beeindruckend: Eine Leistung von 1000 Megawatt soll die Anlage nach Fertigstellung aufweisen, bis zu 5700 Megawattstunden Strom sollen gespeichert werden können. Rund drei Millionen Haushalte könnten so mindestens vier Stunden lang mit Strom versorgt werden, teilte das Unternehmen mit. Den bisherigen deutschen Speicher-Rekord würde das Schweizer Mega-Projekt in Sachsen-Anhalt mit einem Schlag pulverisieren. Als bislang größter Speicher Deutschlands gilt eine im Juni 2025 in Betrieb genommene Anlage im schleswig-holsteinischen Bollingstedt, mit „nur“ 238 Megawattstunden Leistung – ein Viertel dessen, was der Speicher in Klostermansfeld einmal leisten können soll. Tsunami über Deutschland Tatsächlich boomt derzeit in Deutschland der Bau von großen Speicherprojekten. Derzeit sind in Deutschland 545 Großspeicher mit einer Gesamtkapazität von 5,9 Gigawattstunden Betrieb, wie aus der Datenbank „Battery Charts“ der RWTH Aachen hervorgeht. Weitere Großspeicher mit insgesamt über 30 Gigawattstunden sollen bis Herbst 2029 ans Netz gehen – in der Branche spricht man schon lange vom „Batterie-Tsunami“. Ihr Geld verdienen die Riesenspeicher auf dieselbe Art, wie auch Käufer der Mini-Geräte für Mietwohnungen profitieren sollen. „Für uns bedeutet das konkret, dass wir in der Regel dann laden, wenn zu viel Strom im Netz ist“, sagte Erik Strømsø, Vorstandschef von BW ESS, beim Spatenstich am Mittwoch. Das helfe auch Erzeugern, die zu Tageszeiten Strom produzierten, an denen die Nachfrage nicht ausreiche. „Den geladenen Strom geben wir dann am Abend wieder ab, was wiederum dazu beiträgt, die Preise für die Verbraucher zu senken.“ Zwei Fliegen mit einer Klappe Im Idealfall sind Batteriespeicher also nicht nur ein gutes Geschäft – sondern ein wichtiger Stützpfeiler der Energiewende. Weil Solar- und Windkraftanlagen wetterabhängig produzieren, kommt es immer öfter zu Situationen, in denen mehr Strom erzeugt wird, als gebraucht wird. Die Strompreise an den Börsen krachen ins Negative, die Netze werden schwer belastet. In anderen Stunden ist wiederum zu wenig Strom im Netz, teure Gaskraftwerke müssen einspringen. Batterien können diese Belastung „glätten“, indem sie überschüssigen Strom einspeichern und später wieder freigeben. Eine zusätzliche Speicherleistung von 20 Gigawatt hätte dem deutschen Stromsystem im letzten Jahr knapp vier Milliarden Euro gespart, heißt es in einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) vom Mittwoch, die im Auftrag mehrerer Energieverbände angefertigt wurde. Manchmal könne man eben zwei Dinge gleichzeitig tun, sagt Strømsø, der Vorstandschef von BW ESS: „Während man sein Handelsgeschäft betreibt, erbringt man gleichzeitig Unterstützungsleistungen für das Netz.“ „Unser Ziel ist es, in Deutschland zu investieren“ Für die Entwickler von Projektentwicklern gilt der deutsche Markt dank fortgeschrittener Energiewende als besonders attraktiv. „Unser Ziel ist es, mehr in den deutschen Markt zu investieren, weil uns der Markt gefällt“, sagt Strømsø. „Viele Projektierer und Investoren sind am Markteintritt in Deutschland interessiert“, beobachtet auch Marie-Sophie Braun, Politikchefin beim Münchner Speicherentwickler Kyon Energy. „Dieses Interesse beruht vor allem auf der in Deutschland vermuteten Investitionssicherheit.“ Eine Sicherheit, die schon bald jedoch abnehmen könnte, befürchtet man in der Branche. Denn derzeit hängen viele geplante Energie-Vorhaben der Bundesregierung in Berlin in der Schwebe – von denen viele auch Batterien betreffen würden. Der Grund, warum Batteriespeicher in Deutschland so attraktiv sind, droht für die Branche zum Bumerang zu werden. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will die notorisch am Limit stehenden deutschen Netze entlasten – aber wie genau das geschehen soll, ist noch unklar. Welche Netzentgelte sollen Speicher künftig zahlen? Wie lange wird man künftig auf einen Anschluss ans Netz warten müssen? Wie soll netzdienliches Verhalten belohnt werden? Und, ganz wichtig: Wie geht es weiter mit der Wind- und Solarindustrie? Denn nicht selten werden Batteriespeicher mittlerweile gleich zusammen mit größeren Wind- oder Solarparks gebaut. „Eine Diskussion über Einschränkungen kann die Finanzierbarkeit von Neuanlagen unmöglich machen“, warnt Braun. „Das schwächt nicht nur die Branche, sondern auch das Vertrauen von Kapitalgebern in deutsche Investitionsvorhaben.“ Zumindest momentan scheint das Vertrauen jedoch ungebrochen. Das nächste Projekt stehe zwar noch nicht fest, sagt Strømsø von BW ESS. Die Summe aber schon: Mehr als eine Milliarde Euro wolle man in den kommenden Jahren in Deutschland investieren.

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