Job-Studie: KI drückt Ihr Gehalt um bis zu 3400 Euro
Schlechte Nachrichten für Arbeitnehmer. Nach einer Umfrage des Ifo-Instituts erwarten rund 40 bis 50 Prozent von rund 3000 befragten Unternehmen in Deutschland, dass die Löhne durch den stärkeren Einsatz von KI in den kommenden Jahren sinken werden. Der Anteil ist am höchsten bei Berufseinsteigern mit weniger als fünf Jahren Erfahrung. Hier liegt er bei denen mit Fach- oder Hochschulabschluss bei 50,8 Prozent. Bei Menschen ohne solchen Abschluss sind es 48,3 Prozent. Wer fünf oder mehr Jahre Berufserfahrung hat, ist aber nur wenig besser dran. 40,4 Prozent der Unternehmen erwarten sinkende Löhne für diejenigen ohne Hochschulabschluss und 37,5 Prozent für diejenigen mit. Deutlich häufiger erwarten Unternehmen steigende Löhne bei Beschäftigten mit Hochschulabschluss. Für Berufsanfänger erwarten das 16,3 Prozent der Unternehmen. Bei fünf oder mehr Jahren Berufserfahrung sind es 26 Prozent. Hingegen sind die Werte für Beschäftigte ohne Hochschulabschluss mit 5,9 Prozent für Berufseinsteiger und 9,7 Prozent für erfahrene Beschäftigte deutlich geringer. Köche sicher, Programmierer nicht Wichtig dabei: Das ifo-Institut befragte nur Unternehmen, die heute schon KI einsetzen. Das schließt etwa viele Berufsfelder ganz oder größtenteils aus. Betriebe in der Gastronomie, im Bau und im Verkehr nutzen KI bislang besonders selten. Köche, Kellner, Maurer, Dachdecker und Lkw-Fahrer sind also weitgehend sicher vor KI-bedingten Gehaltskürzungen. ANZEIGE ANZEIGE Für Deutschland gibt es die BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024. Demnach nutzten vor zwei Jahren bereits rund ein Drittel aller Beschäftigten in IT- und naturwissenschaftlichen Berufe KI regelmäßig. Dahinter folgten Unternehmensführung und -organisation sowie unternehmensbezogene Dienstleistungsberufe. In diese Felder fallen etwa Softwareentwickler und Programmierer, Mathematiker, Biologen, Geschäftsführer, Vorstände, Personaler, Recruiter, Projektmanager, Bank- und Versicherungskaufleute, Steuerberater, Buchhalter, Journalisten, Rechtsanwälte und Notare. Die Umfrage sagt aber nichts darüber aus, welche konkreten Berufe in diesen Feldern am ehesten von Gehaltskürzungen betroffen wären. Gehälter könnten um mehr als 3000 Euro sinken Dafür gibt es andere Studien, die versuchen, herauszufinden, wie stark solche Gehaltskürzungen wären. Forscher aus Luxemburg und der Universität Nürnberg-Erlangen kamen in einer Studie 2021 zu dem Schluss, dass die Gehälter in Berufen um rund 1,2 Prozent im Schnitt sanken, die stärker KI-Nutzung ausgesetzt waren. Bei Beschäftigten ohne Hochschulabschluss waren es sogar 2,5 Prozent weniger. Um das in Zahlen zu übersetzen: Für einen Beschäftigten mit mittlerem Einkommen von 54.000 Euro brutto pro Jahr wäre das ein Minus von 650 bis 1350 Euro im Jahr je nach Qualifikationsniveau. In den 2,3 Prozent der Berufe, in denen KI am meisten eingesetzt wird, wäre es sogar doppelt so viel. Allerdings stammt diese Analyse noch aus einer Zeit vor der neuen Chatbot-Generation wie ChatGPT und Claude. Neuere Zahlen gibt es aus den USA. Eine spanische Forschergruppe der Universität Navarra analysierte dort im vergangenen Jahr die Daten von 138 Millionen Beschäftigten. Demnach sanken die Gehälter bei Neueinstellungen in stärker automatisierten und damit KI-nahen Berufen nach der Einführung von ChatGPT um durchschnittlich 4,5 Prozent. In Juniorpositionen waren es 6,3 Prozent, in der mittleren Ebene 5,9 Prozent. Lediglich bei Senior-Positionen konnten die Forscher keinen signifikanten Rückgang feststellen. Übertragen auf das deutsche Mediangehalt wären das im Schnitt 2430 Euro weniger für neue Beschäftigte. Berufseinsteiger müssten mit rund 3400 Euro weniger rechnen, Beschäftigte in der mittleren Ebene mit 3200 Euro weniger. Zwei Dinge sind dabei wichtig: Erstens, es geht nur um Neueinstellungen. Unternehmen planen nicht, Gehälter von Angestellten zu senken. Zweitens, die spanische Studie ist bisher nur ein Arbeitspapier, das noch nicht den Peer-Review-Prozess durchlaufen hat. Die Ergebnisse sind also mit Vorsicht zu genießen. Folgen Sie dem Autor auf Facebook