Jobverlust wegen KI? Vor allem eine Berufsgruppe macht sich kaum Sorgen
Künstliche Intelligenz verändert den Arbeitsalltag in vielen Branchen spürbar. Doch wie groß ist die Sorge der Erwerbstätigen in Deutschland, aufgrund dieser Technologie ihren Arbeitsplatz sogar zu verlieren? Das hat unsere Redaktion in zwei exklusiven Umfragen ermittelt.
Künstliche Intelligenz (KI) prägt mittlerweile den Alltag vieler Menschen – auch ihren Arbeitsalltag: Wer etwa E-Mails schreiben, Texte zusammenfassen oder Präsentationen erstellen muss, findet bei KI-Modellen Unterstützung.
Gleichzeitig wird darüber diskutiert, dass KI den Arbeitsmarkt nicht nur verändert, sondern komplett umkrempelt – verbunden mit der Sorge, dass dadurch zahlreiche Tätigkeiten automatisiert und somit Arbeitsplätze wegfallen werden. Doch wie sehr sorgen sich Erwerbstätige in Deutschland tatsächlich, aufgrund des Einsatzes von KI den Arbeitsplatz zu verlieren? Und wie schätzen Berufstätige ihre zukünftigen Chancen auf dem Arbeitsmarkt ein?
Antworten darauf liefern zwei repräsentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Civey, die unsere Redaktion in Auftrag gegeben hat. Dafür wurden zwischen dem 14. August und dem 30. September jeweils 5.000 Erwerbstätige ab 18 Jahren online befragt.
Mehrheit nicht in Sorge um den aktuellen Arbeitsplatz
Das Ergebnis: Bei den meisten Erwerbstätigen löst der Einsatz von KI keine akute Angst vor einem Arbeitsplatzverlust aus. Auf die Frage "Wie groß ist Ihre Sorge, Ihren aktuellen Arbeitsplatz aufgrund des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz zu verlieren?" gaben rund drei Viertel (73 Prozent) an, sich geringe Sorgen zu machen; 26 Prozent antworteten mit "eher gering", 47 Prozent sogar mit "sehr gering". Dagegen zeigte sich nur etwa jeder Siebte (14 Prozent) besorgt, seinen Job zu verlieren.
Jobangst wegen KI betrifft vor allem junge Berufseinsteiger
Betrachtet man die verschiedenen Altersgruppen, zeigt sich: Je jünger die Beschäftigten sind, desto größer ist die Sorge vor einem Arbeitsplatzverlust durch KI. Unter den 18- bis 29-Jährigen gibt rund ein Drittel (32 Prozent) an, große Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz zu haben. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es 24 Prozent.
In den älteren Jahrgängen sinken die Werte deutlich: Bei den 40- bis 49-Jährigen liegt der Anteil bei 13 Prozent, bei den 50- bis 64-Jährigen bei acht Prozent und bei den über 65-Jährigen bei nur noch sieben Prozent.
Beamte fühlen sich sicher
Der Blick auf die berufliche Stellung offenbart ebenfalls Unterschiede bei der Einschätzung der eigenen Jobsicherheit. Vor allem im öffentlichen Dienst herrscht Gelassenheit: Beamtinnen und Beamte machen sich am wenigsten Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Lediglich vier Prozent gaben in dieser Gruppe an, große Sorgen zu haben, während sich 90 Prozent nur geringe Sorgen machen.
Am stärksten besorgt sind Arbeiterinnen und Arbeiter: 29 Prozent von ihnen geben an, dass ihre Sorge vor Jobverlust groß ist. Angestellte und Führungskräfte liegen mit zwölf beziehungsweise 15 Prozent, die ihren Job stark gefährdet sehen, nahe am Gesamtdurchschnitt.
Blick auf die berufliche Zukunft sorgt für höhere Unsicherheit
Beim Blick auf eine mögliche künftige Jobsuche nimmt die Sorge angesichts des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz allerdings zu. Auf die Frage "Wie groß ist Ihre Sorge, aufgrund des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in Ihrem Berufsfeld in Zukunft keine neue Anstellung zu finden?" antwortete fast jeder fünfte Befragte (19 Prozent) mit "groß", rund zwei Drittel (64 Prozent) mit "gering".
Jüngere Erwerbstätige deutlich besorgter
Auch bei dieser Frage haben vor allem die jüngeren Berufstätigen Angst vor den Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf ihre berufliche Zukunft. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) macht sich große Sorgen darum, künftig keine neue Anstellung im eigenen Berufsfeld zu finden.
Mit zunehmendem Alter nimmt diese Sorge kontinuierlich ab: In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen teilen noch 29 Prozent diese Angst, bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 21 Prozent. In den älteren Jahrgängen sinkt der Wert weiter auf 13 Prozent (50 bis 64 Jahre) und zehn Prozent (über 65-Jährige).
Fast jeder zweite Azubi sorgt sich um die berufliche Zukunft
Die Verunsicherung ist besonders bei denjenigen groß, die sich aktuell noch in der Ausbildung befinden. Hier gehen die Einschätzungen deutlich auseinander: So hat fast jeder zweite Auszubildende (45 Prozent) große Sorgen wegen künftiger Jobchancen durch KI, während sich ebenso viele (44 Prozent) nur gering besorgt zeigen.
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Bei den bereits im Berufsleben Stehenden zeigt sich ein konstanteres Bild: Hier blicken jeweils zwischen 17 und 21 Prozent mit großer Sorge in die berufliche Zukunft – unabhängig davon, ob sie eine Berufsausbildung, einen akademischen Abschluss oder gar keinen Abschluss haben.
Arbeiter am besorgtesten, Beamte am entspanntesten
Während Beamtinnen und Beamte der künftigen Jobsuche mit großer Mehrheit (84 Prozent) gelassen entgegensehen, sind es bei den Arbeitern 47 Prozent. Etwas entspannter sind Angestellte (61 Prozent) und Führungskräfte, von denen sich rund zwei Drittel (65 Prozent) nur geringe Sorgen machen, aufgrund des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz in ihrem Berufsfeld in Zukunft keine neue Anstellung zu finden.