Jordanien fliegt nach Anschlag auf Kirche Luftangriffe in Syrien
Nach dem mutmaßlich dschihadistischen Anschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche in Jordanien mit neun Todesopfern hat die jordanische Luftwaffe Ziele im benachbarten Syrien angegriffen. Das teilte die jordanische Armee am Montagabend mit und sprach von einer Vergeltungsaktion für den Anschlag vom Freitag. Nach Angaben der syrischen Staatsagentur Sana wurden bei den Luftangriffen acht Menschen getötet, darunter drei Kinder und ein älterer Mann.
Die jordanische Armee erklärte, ihre Kampfflugzeuge hätten im Süden Syriens mehrere Stellungen von »Terrororganisationen« zerstört, die mit den Attentätern in Verbindung stünden. Dabei seien zahlreiche Mitglieder dieser Gruppen getötet oder verletzt worden. Die syrische Nachrichtenagentur Sana berichtete von Angriffen in der südlichen Provinz Daraa. Die Angaben zu den Opfern und den getroffenen Zielen ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die syrische Regierung erklärte unterdessen, Jordanien habe die Luftangriffe nicht mit ihr abgestimmt. Es habe »keine vorherige Koordinierung mit der syrischen Seite« gegeben, hieß es in einer von Sana verbreiteten Erklärung. Die syrischen Behörden hätten Ermittlungen zu den Angriffen eingeleitet und Kontakt zu Jordanien aufgenommen, um die Lage zu erörtern. Damaskus betonte die Bedeutung einer gemeinsamen Abstimmung bei Sicherheitsmaßnahmen in den Grenzgebieten.
Grenzübergang wird geschlossen
Syrien reagierte auf den jordanischen Luftangriff mit der Ankündigung, den wichtigsten Grenzübergang zwischen beiden Ländern zu schließen. Sie erklärte, der gesamte Personen- und Warenverkehr in Nassib werde »in beide Richtungen« ausgesetzt. Als Grund nannte sie »aktuelle Umstände«.
Bei dem Anschlag auf die griechisch-orthodoxe St.-Georgs-Kirche in Hammud in der südjordanischen Provinz Karak hatten bewaffnete Männer während einer Trauerfeier neun Menschen getötet. Am Montag nahmen jordanische Sicherheitskräfte drei Tatverdächtige fest. Die Männer hatten sich nach Polizeiangaben in einem verlassenen Haus verschanzt und auf die Einsatzkräfte geschossen. Alle drei wurden verletzt und kamen ins Krankenhaus. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten Waffen und große Mengen Munition.
Jordaniens Innenminister Mazen al-Faraya erklärte, alle drei Verdächtigen seien Jordanier. Es gebe keine Hinweise auf Kontakte oder eine Zusammenarbeit mit ausländischen Gruppierungen. Die jordanische Armee erklärte später allerdings, sie habe in Syrien Stellungen von Gruppen angegriffen, die mit den Attentätern in Verbindung stünden.
König Abdullah II. hatte den Tätern Vergeltung angedroht. Am Montag besuchte er Verletzte des Kirchenanschlags im Krankenhaus. Angriffe auf Gotteshäuser sind in Jordanien selten. Christen machen in dem überwiegend muslimischen Königreich etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung aus. In der Provinz Karak lebt eine größere christliche Gemeinschaft. Bei Angriffen auf Sicherheitskräfte in Karak waren 2016 zehn Menschen getötet worden.