Josef Settele ist tot: Was der Biodiversitäts-Experte für Natur- und Klimaschutz bewirkt hat
Topwissenschaftler aus Sachsen-Anhalt
Biodiversitätsforscher Josef Settele ist gestorben
Stand: 12.10.2026 16:40 Uhr
Der Biodiversitätsforscher Josef Settele ist überraschend gestorben. Als prägende Stimme in IPBES und IPCC prägte er den globalen Natur- und Klimaschutz – und wurde mit einer eigenen Schmetterlingsgattung geehrt.
von MDR WISSEN/ IZ
Der Biodiversitätsforscher Prof. Josef Settele ist am 9. Oktober 2026 unerwartet früh gestorben. Darüber berichtet das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ in Halle, wo Settele das Department für Naturschutzforschung leitete. Der Biologe war Mitglied des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) und auch im Weltklimarat IPCC als Leitautor tätig. Außerdem war er außerplanmäßiger Professor an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Geboren wurde Settele im Allgäu.
Der promovierte Agrarwissenschaftler hatte seine Forschungsschwerpunkte u.a. in der Ökologie von Insekten in Kulturlandschaften, Biodiversität, Landnutzung und sozial-ökologischen Systemen. Er leitete das Tagfalter-Monitoring in Deutschland, das einzige deutschlandweite Langzeitmonitoring für Insekten. 2021 wurde sogar eine Schmetterlingsgattung nach ihm benannt: Setteleia. Sie besteht aus vier Nachtfalterarten, die zu den Flechtenbären gehören und auf den Philippinen vorkommen.
Engagiertes Eintreten für den Artenschutz auch in den Medien
Settele war nicht nur Forscher, sondern auch ein umtriebiger Vermittler von Biodiversitätsthemen. Über die Jahre stand er in unzähligen Interviews Rede und Antwort, ordnete beispielsweise mögliche Kipp-Punkte der Ökosysteme im Zuge der UN-Biodiversitätskonferenz ein. Für MDR WISSEN verfasste Josef Settele etwa einen Gastbeitrag zum IPCC-Bericht 2022. Damals plädierte er dafür, Biodiversität und Klimawandel stärker gemeinsam zu denken. Eine Herausforderung sei, dass die Bevölkerung sich für den Erhalt der Biodiversität einsetzen und eine Veränderung herbeiführen müsse, deren Gelingen sie selbst nicht mehr mitbekommen werde – ein Grunddilemma präventiver Vorgehensweisen. Setteles Forderung damals: "Es muss gelingen, Natur- und Klimaschutz als gemeinsames Leitbild des politischen Handelns zu verankern – und die Erkenntnisse umzusetzen!"
Wie wichtig die Artenvielfalt für den Menschen ist, hatte Josef Settele erst vor wenigen Monaten in einem Interview mit MDR-Wissen-Autor Max Fallert betont. Seine griffige Aussage damals: "Wir essen ja Biodiversität!" Damit verwies er auf die enorme Relevanz von Tieren und Pflanzen bei der Nahrungsmittelproduktion. Eine von vielen "Ökosystemdienstleistungen", also Dingen, die die Natur für uns Menschen quasi erledigt.