Journalist: "Friedrich Merz hat einen großen Vorteil"
Aktualisiert am 24.09.2026, 05:27 Uhr
Daniel Friedrich Sturm (politischer Chefkorrespondent des "Tagesspiegel") glaubt, dass "die Parteien der Mitte sind zu technokratisch" geworden sind. © WDR/Oliver Ziebe
Lesedauer:3 Min.
Bei "Maischberger" waren die BSW-Chefin Amira Mohamed Ali und die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zu Gast. Sie stritten über den richtigen Umgang mit der AfD, insbesondere bei der anstehenden Wahl des Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt. Für den Moment des Abends sorgte ein Journalist, als er "einen großen Vorteil" von Kanzler Friedrich Merz erkannt haben wollte.
Eine TV-Nachlese
von Marie Illner
Diese TV-Nachlese gibt die persönliche Sicht von Marie Illner auf die Sendung wieder. Sie basiert auf eigenen Eindrücken und ordnet das Geschehen journalistisch ein. Informiere dich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.
Bei "Maischberger" ging es am Mittwochabend (23. September) um eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der AfD und dem BSW. Weitere Themen im Studio: Die Ukraine-Politik, ein mögliches Comeback der FDP, die Zukunft von Kanzler Merz und die Wirksamkeit des Tankrabatts.
Das sind die Gäste bei "Maischberger"
Amira Mohamed Ali (BSW): Die Co-Vorsitzende des "Bündnis Sahra Wagenknecht" bestritt, dass es eine Absprache mit der AfD über einen Posten-Pakt in Sachsen-Anhalt gibt: "Es gibt keinen solchen Deal", beteuerte sie. Das BSW werde den Kandidaten der AfD "nicht aus Prinzip ablehnen" und auch "keinen Kandidaten aufstellen für einen Landtagsvizepräsidenten".
Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP): Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament sagte: "Wir sehen die Wahl in Berlin – eine linksradikale Partei, die da abgeräumt hat." Es sei ein großer Sozialdemokrat gewesen, der gesagt habe: "'Schaut auf diese Stadt'. Jetzt schaut ganz Europa auf diese Bundeshauptstadt", so die FDP-Politikerin.
Hajo Schumacher: Der Kolumnist und Podcaster befand: "Die CDU ist kopflos auf eine Art." Parteien hätten ein Leben und das dauere nicht ewig. Sie würden kommen und gehen. "Die SPD hat das ja schon ein bisschen durch", erinnerte er. Nun würden also die anderen kommen.
Daniel Friedrich Sturm: Der Journalist vom "Tagesspiegel" meinte: "Die Parteien der Mitte sind zu technokratisch geworden. Ich verstehe auch den Frust vieler, die sagen: 'Es muss ganz anders werden' und dann die AfD wählen ohne sich der Konsequenzen bewusst zu werden."
Pinar Atalay: Die Moderatorin kommentierte die Lage der FDP: "Jetzt hat man wirklich den Eindruck: Was soll da noch gerettet werden? Man hat es versucht mit einem Wolfgang Kubicki, dort sich nochmal anders aufzustellen und hat gesagt: 'Wir stellen da jetzt einen hin, der auch ein bisschen lauter ist' – doch das scheint auch nicht so richtig zu verfangen."
Der Schlagabtausch
Strack-Zimmermann kritisierte in Richtung Mohamed Ali: "Wenn Sie sagen, Sie wollen der AfD letztlich nicht in den Sattel helfen, dann frage ich mich, warum das Bett bereits bezogen ist." Das BSW sei dafür verantwortlich, wenn Ulrich Siegmund in Sachsen-Anhalt Ministerpräsident werde.
Die BSW-Chefin reagierte scharf: Ihre Partei werde Siegmund nicht zum Ministerpräsidenten wählen. "Das BSW ist nicht verantwortlich für die Stärke der AfD. Für die Stärke der AfD ist die sehr schlechte Politik der herrschenden Parteien der letzten Jahre und Jahrzehnte verantwortlich." Die Politik, die AfD bei allem auszugrenzen, habe nicht dazu geführt, die Partei zu schwächen. Das BSW wolle aus der Logik aussteigen, bei der die AfD sich permanent als Opfer inszenieren könne.
Der besondere Moment
Journalist Sturm analysierte: "Friedrich Merz hat einen großen Vorteil: Niemand in der CDU will gerade Kanzler werden." Das sei eine historisch sehr ungewöhnliche Situation. "Es rüttelt keiner am Zaun des Kanzleramtes", sagte er. Das sei unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel ganz anders gewesen, da habe es etwa Jürgen Rüttgers und Roland Koch gegeben. "Das ist jetzt die große Chance für Friedrich Merz, aber das ist natürlich nichts aus eigener Stärke heraus."
Der Special Guest
Prominenter Gast war gegen Ende der Sendung der Rapper Smudo von der Hip-Hop-Gruppe Die Fantastischen Vier. Zunächst sprach Sandra Maischberger ihn auf eine Gemeinsamkeit mit Kanzler Merz an: Beide sind Privatflieger. Smudo reagierte gelassen: "Ich bin Grünen-Wähler und habe ein Flugzeug. Verrückt, oder?" Er habe Merz nicht gewählt, der habe den "Charme eines Faxgerätes", witzelte er weiter.
Empfehlungen der Redaktion
AfD-Politiker Holm kann Frage nicht beantworten
"Lassen Sie mich ausreden": Lanz bringt Linken-Politiker in Bedrängnis
"Würde ich mir noch einmal gut überlegen": Bentele kritisiert Merz-Kurs
Dann ließ der Musiker sich aber zu einer Gesellschaftskritik und -analyse hinreißen. "Es ist woke geworden, zu sagen: 'Die da oben bauen alle Kacke, wir müssen was Neues machen'", sagte er. Man müsse das Gefühl vieler Wählerinnen und Wähler ernst nehmen, dass sich etwas ändern müsse. Die Landtagswahlen, zuletzt in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, seien eine "Zäsur". Engagement gegen rechte Gewalt und Faschismus sei für ihn "immer noch erste Bürgerpflicht", bekräftigte er.