Journalist Georg Restle verbreitet Theorie einer US
Nachdem innerhalb kurzer Zeit nach Regierungsangaben 72.000 Migranten aus Marokko an der spanischen Enklave Ceuta an Land gegangen waren, sind die konkreten Hintergründe für den plötzlichen Massenansturm weiter unklar. Die marokkanische Regierung hat die schockierenden Ereignisse auf Ceuta unter anderem mit Falschinformationen im Internet erklärt. Der Andrang der Migranten sei demnach nicht organisiert gewesen, sondern spontan zustande gekommen. Das marokkanische Innenministerium machte die Verbreitung falscher Informationen im Netz, Aktivitäten von Schleusern und eine Falschinterpretation eines spanischen Gerichtsurteils verantwortlich, das die Rückführung bestimmter Migranten begrenzt. Zudem würden laut des Berichts amerikanische Politiker, die Trump nahe stünden, offen die Idee unterstützen, dass Marokko die Kontrolle über die beiden spanischen Enklaven Ceuta und Melilla übernimmt. Israel würde die „irredentistischen“ Ansprüche Marokkos ebenfalls unterstützen. Als Belege für die steile Theorie liefert der Politikprofessor Aussagen von amerikanischen oder israelischen Politikern, die aber in keinerlei Kontext zu den aktuellen Vorgängen in Ceuta stehen. Am Ende des Artikels heißt es, dass die jüngsten Grenzübertritte daher weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes gewesen sein können, sondern „Teil der Bemühungen des wachsenden US-israelisch-marokkanischen Bündnisses – kodifiziert und gestärkt durch die sogenannten Abraham-Abkommen –, um eine fortschrittliche europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht und die Menschenrechte zu untergraben“. Prominente Nutzer kritisieren Antisemitismus und das Verbreiten von Verschwörungstheorien Restle betonte in seinem Beitrag vor allem diesen letzten Schlusssatz. Die Kritik am früheren „Monitor“-Chef ließ nicht lange auf sich warten. Viele warfen Restle Antisemitismus und das Verbreiten von Verschwörungstheorien vor. „Der Jude ist an allem schuld. Georg Restle ist einer ganz großen Sache auf der Spur. Wirklich“, schrieb die FDP-Politikerin Caroline Preisler. Autorin Marie von den Benken antwortete mit einem Zitat von Adorno: „Antisemitismus, das ist das Gerücht über Juden!“ Joana Cotar, ehemaliges Bundestagsmitglied, schrieb: „Da hätten Sie jetzt auch einen Beitrag von der AfD teilen können. Hufeisen in Reinform.“ Volker Beck, Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, fragte den Journalisten, ob er recherchiert habe und irgendeinen Beweis für „diese wilde Behauptung vorzuweisen“ habe. „Oder sind Fakten mittlerweile veraltet?“, fragte Beck. Der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Potsdam, Jan Jacobi, attestierte Restle, sollte er seinen Beitrag tatsächlich ernst meinen, „eine bedenkliche funktionelle kognitive Fehlleistung“. Er fragte: „Was sagt der Rundfunkrat dazu?“