Journalistin Amann bei Lanz: Merz sieht Minister als seine Mitarbeiter
Kanzleramts-Talk bei "Lanz" Amann: Merz sieht Minister als seine Mitarbeiter Von Peter Luley Aktualisiert am 15.07.2026 - 07:43 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Mit zwei ehemaligen Kanzleramtschefs und einer Journalistin analysiert Markus Lanz die Schwierigkeiten des Kabinetts Merz – und hofft auf Steigerung. Über "das Kanzleramt als Maschinenraum der Macht" wollte Markus Lanz in seiner gestrigen Sendung sprechen – und hatte dazu zwei ehemalige Chefs dieser obersten Bundesbehörde eingeladen: den CDU-Politiker Peter Altmaier, der die Leitung zeitweise unter Angela Merkel innehatte, sowie den SPD-Mann Wolfgang Schmidt, der den Job für Olaf Scholz versah. Fürs Brückenschlagen in die Gegenwart der schwarz-roten Koalition unter Friedrich Merz war die Journalistin Melanie Amann im Studio. Ob er froh sei, dass Merz seinen Amtsvorgänger Scholz in puncto Unbeliebtheit schon überholt habe, fragte der Moderator Wolfgang Schmidt und blendete die entsprechenden Zustimmungs-Tiefstwerte ein: Scholz 18 Prozent, Merz 13 Prozent. Die Gäste Peter Altmaier (CDU), ehemaliger Umwelt-, Kanzleramts- und Wirtschaftsminister Wolfgang Schmidt (SPD), ehemaliger Kanzleramtschef Melanie Amann, Journalistin (Funke-Mediengruppe) Nein, erklärte Schmidt, darüber sei er nicht froh. Er machte die "Reibungen in lagerübergreifenden Koalitionen" für die schlechte Außenwirkung verantwortlich, musste sich allerdings von Peter Altmaier daran erinnern lassen, dass zwölf der 16 Regierungsjahre Angela Merkels ebenfalls schwarz-rote Koalitionen waren. Der CDU-Politiker sah einen Grund für die herrschende Unzufriedenheit darin, dass im Wahlkampf Erwartungen geweckt worden seien, die anschließend nicht eingelöst werden konnten – etwa die Einhaltung der Schuldenbremse. Merz habe der "Heilsbringer" sein sollen nach dem als "Klempner der Macht" geschmähten Olaf Scholz, doch er sei dieser Rolle nicht gerecht geworden, analysierte Melanie Amann. Altmaier: Scholz zerbrach an Verfassungsgerichtsurteil Als Markus Lanz noch den Zustimmungs-Tiefstwert von Angela Merkel nachreichte (40 Prozent), versuchte sich Schmidt an einer weiteren Erklärung: "Das Parteiensystem hat sich ausdifferenziert", so der SPD-Politiker. Anders als heute hätten große Koalitionen früher rund 80 Prozent der Wählerschaft hinter sich vereint. Melanie Amann arbeitete noch einen anderen Unterschied heraus: Zwar hätten sowohl Merkel als auch Scholz "reduzierte Kommunikation" betrieben. Die christdemokratische Langzeitregentin habe sich dabei ihre Autorität bewahrt. Ihrem Nachfolger Scholz hingegen habe man dies als Schwäche ausgelegt. Scholz habe bei seiner "Zeitenwende"-Rede zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durchaus einen starken Moment gehabt, steuerte Peter Altmaier bei, aber dann sei seine Koalition am Verfassungsgerichtsurteil über die Umwidmung von Corona-Krediten zerbrochen. Um auf die teils umstrittene Rhetorik des aktuellen Regierungschefs zu kommen, spielte Markus Lanz nun einen Ausschnitt aus einer Merz-Rede vor der NRW-CDU ein: "Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte Berufskritiker: Wegtreten!", hatte der Kanzler dort gefordert. Das Zitat finde sie "nicht so schlimm", entgegnete Melanie Amann. Die Digitalchefin der Funke-Zentralredaktion sah ein Problem eher darin, dass der CDU-Vorsitzende die Ministerpräsidenten der Länder nicht ausreichend einbinde. Ihnen habe Merkel besser zugehört. Das habe im Mai zu der Abstimmungsniederlage im Bundesrat geführt, als die Länderkammer die geplante steuerfreie Entlastungsprämie für Angestellte von bis zu 1.000 Euro stoppte. "Einfach war’s mit den Ministerpräsidenten auch unter Merkel nicht", ergänzte Peter Altmaier. Man habe damals aber gewusst, dass das Kanzleramt der Ort sei, wo Lösungen für das gesamte Land gefunden werden müssten. Zum Thema "Kommunikative Schwächen" des Kanzlers wusste Melanie Amann aber noch etwas anderes beizutragen: Der SPD in der Talkshow "Caren Miosga" rote Linien aufzuzeigen, sei etwa keine gute Idee von Merz gewesen. "Den Partner öffentlich unter Druck zu setzen" sei "immer schwierig", pflichtete Peter Altmaier bei, weil der Partner dann "übers Stöckchen springen" müsse. Lanz: Irgendwo ist immer irgendwas Zum aus dem Ruder gelaufenen Spitzentreffen der schwarz-roten Koalition in der Berliner Villa Borsig entwickelte die Runde ebenfalls Theorien. Die Teilnehmer seien mit einer Liste von Vorschlägen konfrontiert gewesen, die aber zuvor "nicht zu Kompromissen zusammengebunden" worden seien, vermutete Altmaier. Den Einwand Melanie Amanns "zur Ehrenrettung des Villa-Borsig-Teams", es habe bei der Zusammenkunft ja auch "das chaotisierende Element" des Irankriegs und der gestiegenen Spritpreise gegeben, ließ Markus Lanz nur bedingt gelten ("irgendwo ist immer irgendwas"). Der Moderator wollte nun noch das engere Umfeld des Kanzlers inklusive des aktuellen Kanzleramtschefs Thorsten Frei abklopfen. Ob Merz seinem Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn vertraue, fragte er Melanie Amann. "Nein", antwortete die Journalistin, dies sei im Falle Spahns "aber vielleicht auch besser so". Lanz hakte nach: Und seinem Generalsekretär Carsten Linnemann? In diesem sehe er einen "loyalen Mitarbeiter", so die Journalistin. Als "Mitarbeiter" betrachte und behandle Merz im Übrigen auch seine Minister, was ebenfalls ein Problem darstelle. Generell vertraue der Regierungschef "sehr wenigen Leuten". Während Peter Altmaier und Wolfgang Schmidt nichts auf ihren Amtsnachfolger Thorsten Frei kommen lassen wollten (Schmidt: "eine plausible und gute Wahl"), übte Amann Kritik an dessen Arbeit. Frei sei in der ersten Phase der Regierung "seiner Aufgabe nicht gerecht geworden". Doch die Journalistin konzedierte eine Steigerung. Immerhin habe der jüngste Koalitionsausschuss mit der Präsentation des Reformpakets "erstmals funktioniert".