Jugendgewalt in Potsdam: Polizei nimmt mutmaßliche Hauptakteure fest
Die Polizei hat auf die steigende Zahl von Gewalt- und Raubstraftaten in Potsdam reagiert und eine Ermittlungsgruppe gegründet. Das teilte die Behörde am Donnerstag dem rbb auf Nachfrage mit. "Durch gezielte Maßnahmen" seien auch schon einzelne "mutmaßliche Hauptakteure" identifiziert und bereits festgenommen worden, hieß es weiter. Weitere Angaben dazu machte die Polizei nicht.
In der Brandenburger Landeshauptstadt gibt es seit Monaten vermehrt Ärger mit Jugendgangs und Jugendgewalt. Die Polizei bestätigte das nun: Sie habe in bestimmten Bereichen der Potsdamer Innenstadt und in einigen Stadtteilen bei Einsätzen festgestellt, dass vermehrt Jugendliche als Tatverdächtige von Gewaltstraftaten beschrieben werden, wie es hieß. Dabei gehe es unter anderem auch um Körperverletzungs- und Raubdelikte.
Ermittlungen zeigten aber, dass dafür keine feststrukturierte "Jugendbande" verantwortlich sei, "sondern die Taten meist von losen Gruppen Jugendlicher und Heranwachsender begangen wurden, die mehrheitlich aus der Landeshauptstadt stammen". Inwiefern einzelne Vorfälle zusammenhängen, wird den Angaben zufolge geprüft.
Am Dienstagabend sind bei einer Gewaltattacke im Potsdamer Stadtteil Schlaatz erneut drei junge Menschen verletzt worden. Ein 19-Jähriger habe bei der Auseinandersetzung Verletzungen am Kopf und kam ins Krankenhaus erlitten, wie die Polizei mitteilte. Nach ersten Erkenntnissen sollen etwa zehn Unbekannte den jungen Mann umringt, geschlagen und getreten haben, so dass er verletzt wurde und auf den Boden fiel. Im Krankenhaus trafen die Beamten auf zwei 19 und 21 Jahre alte Bekannte des Opfers, die bei demselben Angriff leichte Verletzungen erlitten. Angaben zu den Hintergründen der Auseinandersetzung machten die Verletzten nicht, wie die Polizei mitteilte. Nach den Angreifern werde noch gesucht. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung.
Zuvor gab es auch einen Vorfall am Wannsee in Berlin. Eine Gruppe von etwa 15 Personen soll andere junge Leute mit Faustschlägen und massiver Gewalt angegriffen haben. Ein 18-Jähriger kam mit Kopfverletzungen ins Krankenhaus. Die Täter flüchteten und werden noch immer gesucht. Sie sollen laut Polizei aus Potsdam stammen.
Die Potsdamer Stadtverwaltung teilte dem rbb am Anfang der Woche auf Anfrage mit, dass das Thema Jugendgewalt - unabhängig von aktuellen Fällen - in den vergangenen Monaten an Bedeutung gewonnen habe.
Die Stadt will daher nachsteuern. Auf rbb-Nachfrage teilte die Verwaltung mit, es sei der Aufbau verbindlicher Melde- und Informationsketten für Gewaltvorfälle geplant. Zudem soll es künftig eine Arbeitsgruppe für den Behörden-Austausch geben. Auch eine Sicherheitsbefragung und eine fachliche Stärkung der Schulsozialarbeit seien in Vorbereitung bzw. Umsetzung.