Jürgen Vorhölter (77) wird beinahe Opfer von Online
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Virenschutz rettet ihn – Jürgen Vorhölter (77) fällt fast auf Betrüger herein: „Ich war wie paralysiert“
Von: Karin Hillebrand
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Eigentlich fühlt sich Jürgen Vorhölter (77) digital gewappnet – bis er auf Online-Betrüger trifft. Nur sein Virenschutz verhindert Schlimmeres.
Oestinghausen – „Ich war wie paralysiert in meiner ersten Euphorie über den Kauf“, erzählt Jürgen Vorhölter. Beinahe wäre er Opfer eines Online-Betruges geworden. Dass er seine Kreditkartendaten schließlich doch nicht an Betrüger aushändigte, hat er seinem Virenschutzprogramm zu verdanken.
Info-Broschüre
Die Broschüre „Im Alltag sicher leben“ für Senioren informiert auf fast 80 Seiten über Gefahren an der Haustür, am Telefon, im Internet, unterwegs und bei Vollmachten sowie Gefahren und Gewalt in der Pflege. Des Weiteren geht es um Rat und Hilfe sowie den Kontakt zum Weißen Ring, der Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität und ihre Angehörigen, und zu Ansprechstellen der polizeilichen Kriminalprävention.
Dabei fühlt sich der 77-Jährige eigentlich ganz fit im Umgang mit der neuen Technik, die er samt notwendiger Software immer auf dem neuesten Stand hält. Und auch den Kleinanzeigen-Account, ehemals eBay-Kleinanzeigen, über den er zuletzt ein Damen-Hollandrad verkaufen wollte, habe er bereits seit zehn Jahren.
Warnzeichen nicht wahrgenommen
Nachdem der Oestinghausener das Rad fotografiert und die Anzeige mit aussagekräftigem Bild eingestellt hatte, musste er keine 24 Stunden warten. „Noch am selben Tag bekam ich drei Mails“, erinnert er sich. Emma, Katharina und Maria mit den alltäglichen Nachnamen Müller, Meier und Becker – alle drei zeigten Interesse an dem Fahrrad.
Und plötzlich ploppte auf seinem Smartphonedisplay die Nachricht „Ein Verkauf wurde abgeschlossen“ auf. Verbunden mit dem Hinweis, die Bestellung zu prüfen. Ein großer grüner Button verlangte zudem: „Bestellung bestätigen“. Eigentlich unüblich, denn Jürgen Vorhölter verkauft normalerweise nur mit Abholung und Barzahlung. Das hatte er auch bei dem Damenrad so angegeben.
Was ihm im ersten Moment nicht auffiel. Auch nicht, dass er eigentlich immer eine Nachricht von dem Kleinanzeigenportal bekommt: „Die hatte ich nicht erhalten.“ Im ersten Überraschungsmoment tippte er also den Button und wurde zu einer Seite weitergeleitet, in die er seine Daten eintrug. „Doch als ich das bestätigte, gingen die Daten nicht raus. Mein Virenschutz war die ganze Zeit am Arbeiten“, erzählt Vorhölter.
Schlagartig sei ihm klar geworden, dass etwas nicht stimmt, woraufhin er den gesamten Vorgang abgebrochen habe.
Nach einer Testbestellung durch den Nachbarn kam wieder die gewohnte Nachricht über das Kleinanzeigen-Portal, die bei den Betrugsversuchen nicht erschienen war – es hatte sich am bekannten System also nichts geändert.
Betrüger bleiben hartnäckig
„Ich habe mich an den Portalbetreiber gewandt, aber keine Antwort erhalten“, sagt Vorhölter. Dafür erhielt er weitere Mails von den mutmaßlichen Betrügern: Bei näherer Betrachtung hätten die E-Mail-Adressen doch merkwürdig gewirkt. Als er antworten wollte, wären diese auf andere Adressen umgelenkt worden. Zwei der Frauen hätten sogar dieselbe E-Mail-Adresse gehabt.
Es hat mich einfach so geärgert. Ich bin doch schon immer so vorsichtig.
Dann wandte sich „Katharina“ an ihn: „Die Zahlung ist bereits über die sichere Bezahlung von Kleinanzeigen gelaufen, daher ist der Kauf abgeschlossen. Schau bitte in deine E-Mails und den Spam-Ordner, dort müsste die Bestätigung von Kleinanzeigen liegen. Sobald du den Auftrag bestätigst, ist alles erledigt.“
Vorhölters Antwort, der den Verkaufsprozess längst abgebrochen hatte, lautete: „Sagt Ihnen der Norton Virenscanner etwas? Bitte keinen Kontakt mehr!“ und auf eine andere E-Mail: „Wie gesagt, ich verkaufe nicht.“ Sein nächster Schritt führte dann zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.
Fälle bei der Polizei anzeigen
„Ich habe so etwas noch nie gehabt. Es hat mich einfach so geärgert. Ich bin doch schon immer so vorsichtig“, macht Jürgen Vorhölter auch im Nachhinein seinem Unmut Luft. „Bei der Polizei sagten sie, das passiere häufig und sei wahrscheinlich aussichtslos.“ Trotzdem sollen sich Betroffene bei der Polizei melden, erklärt Sprecher Marco Baffa Scinelli: „Die Täter sitzen oft im Ausland. Aber wenn eine Bande hochgeht, kann man ihr nur das vorwerfen, was angezeigt wurde. Werden Nummern zu Geschädigten gefunden, dann kann man den Tätern statt drei vielleicht 3000 Taten anlasten.“
Jürgen Vorhölter bekam die Broschüre „Im Alltag sicher leben“ des Weißen Rings mit Informationen der Polizei (siehe Infokasten). Seine Erfahrungen möchte er teilen: „Es ist ja bekannt, aber ich möchte doch darauf hinweisen, wie schnell man in die Falle tappen kann.“