Jutta Speidel: Frauen können sich in jedem Alter befreien
Von Anja Reichelt und Marion Brandl
Die Liebe in all ihren Facetten – Jutta Speidel (72) hat sie durchlebt. Sie war Ehefrau, Partnerin, Geliebte. In ihrem neuen Buch „Elf Frauen“ hat sie sich die spannendsten Spielarten dieses allumfassenden Gefühls herausgepickt: Leidenschaft, Eifersucht, Betrug, Gleichgültigkeit und großes Glück. BUNTE sagt sie: „Es sind Geschichten, die überall auf der Welt existieren. Sie sollen Mut machen, aus dem Hamsterrad herauszutreten, zu riskieren, dass es mir allein vielleicht erst mal nicht gut geht. Und trotzdem zu sagen, es reicht, das will ich so nicht mehr, ich werde jetzt mein Leben selbstbestimmt leben. Und die Hoffnung zu haben, dass hinter dem Horizont wunderbare Facetten warten.“
Jutta Speidel: „Man kann auch als Mann etwas dazulernen“
Sie will Menschen anregen, sich zu fragen: „Was ist denn alles in mir? Was wurde 20 Jahre lang verschüttet, wurde nicht gesehen von meinem Partner, und kann jetzt wieder herauskommen? Es ist ein Buch für Neuanfänge. Auch mit über 80 kann man aus einer schrecklichen Beziehung herauskommen und sich in einem Flirt wieder lebendig fühlen.“ Auch an die Männer appelliert sie. „Man kann auch als Mann etwas dazulernen. Ein bisschen sensibler, feinfühliger sein, den seelischen Grobmotoriker mal im Keller lassen.“ Viele Menschen seien in Sicherheitsdenken gefangen. „Und dabei vergessen sie vollkommen, wie vielfältig dieses Leben ist und wie bunt und wie sehr du es auskosten kannst, wenn du nur ein bisschen risikofreudig bist.“
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Jutta Speidel: „Ich habe einen Freundeskreis, in dem ich eine der wenigen Single-Frauen bin“
Das heißt nicht, dass lange Beziehungen nicht auch glücklich machen könnten. „Ich habe einen Freundeskreis, in dem ich eine der wenigen Single-Frauen bin. Die Paare haben sich nicht verloren, sondern da gibt es Respekt und Achtung und Unterstützung.“ Sie kann neidfrei auf diese Paare blicken. „Ich glaube, dass ich meinen Weg richtig gegangen bin.“
Ihre letzte Beziehung zu dem italienischen Regisseur Bruno Maccallini (66) liegt mehr als zehn Jahre zurück. „Es war eine große Liebe, wir hatten eine tolle Zeit, die irgendwann ausgereizt war.“
In einer toxischen Beziehung, die ihr schadet, habe sie es nie lange ausgehalten. „Ich habe Gott sei Dank einen Selbsterhaltungstrieb. Ich habe immer gekämpft, aber wenn ich gespürt habe, dass es wirklich wehtut und sich nichts verändert, dann war es für mich vorbei.“
Knackpunkte im gemeinsamen Leben von Frauen und Männern gebe es viele, zum Beispiel bei der Familiengründung. „Zieht man das gemeinsam als Paar durch oder merkst du irgendwann, dass du selbst am Rande deiner Kräfte bist und der andere das überhaupt nicht mitkriegt?“ Dann gehe es einem alleine vielleicht besser, glaubt die Schauspielerin. Oder wenn jemand die Beziehung als Hängematte benutzt. „Ich bin jemand, der immer sehr gerne alles organisiert. Aber wenn der andere einfach faul ist und sagt: ‚Mach du mal‘, hat meine Toleranz Grenzen. Solange ich noch darüber lachen kann, wie unfähig jemand ist, funktioniert es, aber irgendwann kippt das dann.“
Jutta Speidel: „Ich schaffe es nicht einmal, einen festen Tag für meine Enkel zu reservieren“
Für die Liebe ist es auch für sie nie zu spät. „Wenn mir ein Mann begegnen würde, wo es wirklich Boom macht, dann wäre ich offen dafür. Aber es gibt sicherlich Dinge, die ich nicht mehr haben möchte. Ich bin keine Pflegerin, Putzfrau oder Versorgerin.“
Doch auch ohne festen Partner ist in Jutta Speidels Haus im Münchner Westen, in dem sie seit 37 Jahren wohnt, kein Platz für Einsamkeit. „Am Wochenende kommen wieder Freunde zu Besuch, ich habe ständig das Haus voll.“ Beruflich ist sie ohnehin gefragt, hat in den vergangenen zwölf Monaten sieben Rollen gespielt. „Ich schaffe es nicht einmal, einen festen Tag für meine Enkel zu reservieren“, klagt sie.
Und wenn sie doch mal fünf ruhige Minuten hat und in ihrem paradiesischen Garten Tee trinkt, denkt sie schon wieder über Geschichten nach, die sie noch unbedingt erzählen muss.
Das Schreiben ist die große Leidenschaft ihres Alters. Die Liebe wird dabei (fast) zur Nebensache.
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