Kader: "Nicht so, wie ich ihn mir vorstelle"
Bei der Frankfurter Eintracht gibt es derzeit keinen Grund, warum beim hessischen Bundesligisten schlechte Laune herrschen sollte. Erst recht nicht nach dem vierten Sieg im vierten Testspiel. 7:1 gegen den FC Gießen, 3:0 gegen Trabzonspor, 1:0 gegen die Freunde von Waldhof Mannheim und 2:0 gegen Hull City am gestrigen Samstag. Damit kassierten die Hessen bisher insgesamt nur einen Gegentreffer und fanden 13-mal den Weg ins Tor. Doch bei Cheftrainer Adi Hütter hielt sich die Freude in Grenzen. „Ich will, dass wir öfters und schneller nach vorne spielen. Das machen wir noch nicht so, wie ich es mir vorstelle“, dämpfte der Österreicher die Euphorie gegenüber Medienvertretern auf Frage von SGE4EVER.de, was ihm abgesehen vom Resultat besonders gefiel. Hütter lässt Zukunft von Theate und Wahi offen Positiv war aus Sicht des Fußballlehrers der Start in beide Halbzeiten. „Der Beginn beider Halbzeiten habe ich absolut okay gefunden.“ Dann habe aber die Mannschaft aus seiner Sicht nachgelassen. Unter dem Strich war es für Hütter deshalb ein „ordentlicher Test gegen einen Gegner, die sehr physisch und groß sind. Grundsätzlich war der Test absolut okay.“ Besonders über den Kader, den Hütter und die Führungsetage um Markus Krösche und Axel Hellmann erheblich reduzieren möchten, äußerte der Coach seine Unzufriedenheit. „Der Kader ist noch nicht so, wie ich ihn mir vorstelle. Daran arbeiten wir intern, hinter den Kulissen, damit wir eine ordentliche Mannschaft zusammenbringen.“ Klare Forderung an die Verantwortlichen, die somit noch einiges zu tun haben. Die Eintracht will die aussortierten Spieler Noel Futkeu, Michy Batshuayi und Ellyes Skhiri von der Payroll kriegen. Zudem könnten die beiden WM-Teilnehmer Elye Wahi und Arthur Theate, die beim gestrigen Test gegen Hull City zum Einsatz kamen, den Verein verlassen. Mit dem Duo gehe man in der nächsten Zeit so um, „wie es sich gehört. Sie sind noch Kaderspieler. Mit den Jungs wurde gesprochen. Sie sind vorerst dabei und wir werden schauen, wie es schlussendlich ausschaut“, ließ Hütter die Zukunft beider Personalien offen. Coach schiebt Arrhov-Leihe einen Riegel vor Bei Love Arrhov, der eine gute Leistung zeigte und das 2:0 erzielte, ist die Angelegenheit dagegen klar. „Es gibt überhaupt keinen Grund, dass wir Love Arrhov irgendwo ausleihen“, stellte sein Coach klar. Trotz der hohen Konkurrenz im offensiven Mittelfeld stellt der 18-jährige Schwede für Hütter eine echte Alternative dar. „Wir haben mit Can Uzun und Ritsu Doan zwei Zehner, die das gut spielen. Auch Love kann das spielen. Wir haben mehrere Spieler, die diese Position bekleiden können. Jupp (Amaimouni-Echghouyab, Anm. d. Red.) auch noch. Deswegen machen wir uns keine Gedanken.“ Hütter sieht den Torschützen auf einem guten Weg. „Er ist ein guter junger Spieler. Ich habe das Gefühl, er kommt schon langsam. Er wird spritziger. Das Tor hat er super gemacht. Er hatte viele gute Aktionen.“ Hütter ist insgesamt mit allen jungen Spielern zufrieden, vor allem für die Nachwuchsspieler Jeremiah Maluze und Julian Etse gab es Lobeshymnen. „Es ist gut zu sehen, dass die jungen Spieler in so einem Testspiel sehen, was noch fehlt, wie weit weg sie noch sind. Trotzdem sollen sie weiterspielen und mutig sein.“ Appell an den Nachwuchs: „Fans lechzen danach“ Auch Keita Kosugi, der seit seiner Verpflichtung auf seinen ersten Pflichtspieleinsatz für Frankfurt wartet und nach dem Abgang von Nathaniel Brown auf seine Chance lauert, hinterließ bei seinem Trainer einen bleibenden Eindruck. „Ich finde, dass er etwas zu gut begonnen hat und sehr überzeugend war. Man sieht einfach auch, dass es junge Spieler sind, die auch mal durchhängen. Ich finde, in der Entwicklung kann sowas sein. Dafür muss man Geduld haben. Das muss man ihnen zugestehen. Er hat schon besser gespielt. Wir müssen natürlich auf der Position schauen – beide Außenverteidiger, beide jung – was wir machen.“ Gemeint ist Elias Baum auf der anderen Seite, der als großer Gewinner unter Hütter gilt und nach schwierigen Jahren verspätet die große Chance kriegt, bei seinem Heimatverein durchzustarten. „Für mich kann jeder gewinnen. Jeder darf sich in den Vordergrund spielen“, betonte Hütter das Leistungsprinzip und appellierte an die eigene Jugend. „Ich finde es richtig gut, dass wir so einen Spieler aus dem eigenen Nachwuchs haben. Fans lechzen danach, dass wir wieder junge Spieler aus dem Nachwuchs hochziehen.“ Doch ausschlaggebend für einen Verbleib des gebürtigen Frankfurters sind seine Leistungen. „Aber nicht nur weil er aus dem eigenen Nachwuchs kommt, sondern weil er auch Qualität hat. Er hat es überall im Nachwuchs gezeigt. Er wurde nach Elversberg ausgeliehen und war einer der Topspieler. Er kommt zurück, kämpft um seine Position. Ich habe ihn mir angeschaut und er gefällt mir gut“, schwärmte Hütter, der auch bei der Personalie zur Geduld mahnte. „Trotzdem müssen wir mit Elias Geduld haben, aber er macht es definitiv sehr gut.“ Trotz weißer Weste: Trainer moniert „dumme, naive Fehler“ In die Gunst des Trainers konnte sich auch Kaua Santos spielen. Viel gab es für den Schlussmann nicht zu halten, aber die Bälle, die auf seinen Kasten kamen, parierte er gut, kommunizierte viel mit seinen Vorderleuten und bereitete den Treffer von Jonathan Burkardt vor. Den Auftritt des Brasilianers empfand Hütter als „Gut. Die Reaktionen waren sehr sehr gut. Das Tor hat er natürlich super vorbereitet. Er hat eine sehr ordentliche Leistung gebracht.“ Ob sich Santos damit den Platz zwischen den Pfosten beim ersten Pflichtspiel im DFB-Pokal gegen den SC St. Tönis gesichert hat, wollte Hütter nicht verraten. „Über das Spiel habe ich mir keine Gedanken gemacht. Wichtig ist, dass wir zu Null gespielt haben“, freute sich der Coach, wollte sich aber davon nicht vernebeln lassen. „Wobei wir uns bei paar Dingen nicht gut angestellt haben. Dumme, naive Fehler, die auf dem Niveau nicht gehen und bestraft werden. Darüber machen wir uns mehr Gedanken.“ Gedanken machen sich der Trainerstab sowie die Führungsebene über einen weiteren Mittelstürmer. Hütter setzt auf eine 4-2-2-2-Formation und damit auf Doppelsturm bestehend aus Burkardt und Younes Ebnoutalib. Burkardt überzeugte nicht nur gestern mit seinem Führungstreffer. „Jonny ist gesetzt, das muss man klar sagen. Er ist der Stürmer, der für die Tore sorgen soll.“ Ob ein dritter Spieler für die Position, etwa Arnaud Kalimuendo, verpflichtet wird, ließ Hütter unbeantwortet. „Wir müssen schauen, wen wir noch dazu holen. Ob wir mit dem zufrieden sind, was wir haben, werden wir in den nächsten Wochen sehen.“ Dann bleibt nur eines: Abwarten und Tee trinken.