Kaffee kann den Schlaf stören, obwohl Sie gut einschlafen
Koffein kann Merkmale des Tiefschlafs abschwächen
Wer nach einem Kaffee leicht einschläft, kann dessen Wirkung auf den Schlaf unterschätzen. Eine Übersichtsarbeit im Fachjournal “Nutrients” fasst 32 Studien zusammen, die unter anderem die elektrische Hirnaktivität im Schlaf untersuchten. Ein wiederkehrender Befund war, dass Koffein die Aktivität langsamer Hirnwellen verringern kann. Diese Wellen sind ein wichtiges Merkmal des Tiefschlafs.
Solche Veränderungen lassen sich mit einem Elektroenzephalogramm, kurz EEG, erfassen. Sie können auch dann auftreten, wenn sich die Schlafdauer oder die üblichen Schlafstadien nur wenig verändern. Wie stark sich die gemessenen Unterschiede auf die Erholung und das Befinden am nächsten Tag auswirken, muss weitere Forschung klären.
Warum Veränderungen im Schlaf unbemerkt bleiben können
Das eigene Schlafgefühl erfasst solche Veränderungen nicht immer. „Das subjektive Gefühl, gut geschlafen zu haben, stimmt nicht immer mit dem überein, was wir in neurophysiologischen Aufzeichnungen beobachten“, erklärt Mitautorin Prof. Donata Kurpas von der Medizinischen Universität Breslau in einer Mitteilung ihrer Universität.
Man könne ohne größere Schwierigkeiten einschlafen und sich morgens an kein Aufwachen erinnern, während das Gehirn weniger Merkmale des Tiefschlafs zeige. Allein daran, wie leicht jemand einschläft, lässt sich die Wirkung von Koffein auf seinen Schlaf deshalb nicht zuverlässig beurteilen.
Auch früher Kaffee kann eine Rolle spielen
Wie Menschen auf Koffein reagieren, unterscheidet sich deutlich. Neben der Menge und dem Zeitpunkt spielen unter anderem die Gewöhnung an Koffein und die individuelle Empfindlichkeit eine Rolle.
Nach Einschätzung von Kurpas könnte bei manchen Menschen selbst Kaffee am Morgen noch den Nachtschlaf beeinflussen. Entscheidend sei auch, wie viel Koffein jemand insgesamt über den Tag aufnimmt und ob der Körper bis zum Abend genügend Zeit hat, es abzubauen.
Was Kaffeetrinker ausprobieren können
Wer einen Zusammenhang zwischen seinem Kaffeekonsum und wenig erholsamem Schlaf vermutet, kann probeweise weniger Kaffee trinken oder die letzte Tasse früher einplanen. Dabei lohnt es sich, auf das Einschlafen und das Befinden am nächsten Morgen zu achten. Auch andere Koffeinquellen sollten in die Beobachtung einfließen, etwa schwarzer und grüner Tee, Cola oder Energydrinks.