Kai Wegner vor dem Ende: Die Bilanz eines Spielers
Diesen einen Termin macht er noch, alle anderen hatte er abgesagt. Aber dieses Zeichen will Kai Wegner setzen. Er, der früher als rechtskonservativ galt und im Amt zum Liberalen geworden ist. Stück für Stück zieht Kai Wegner also die Regenbogenfahne hoch, bis sie vor strahlend blauem Himmel am Mast hängt. Davor hat er einige programmatische Worte gesprochen. „In diesen Zeiten, wo Hass und Hetze immer stärker werden, ist die beste Antwort Zusammenhalt“, sagt Wegner. Er habe keine Angst vor der Vielfalt. „Ich sorge mich vor der Einfalt mancher. Das würde Berlin schwächen.“ Seine Worte klingen wie ein Vermächtnis. Anschließend gibt es an diesem Freitagmittag vor einer Woche nur noch ein Thema: Wie steht es um die Zukunft des Regierenden Bürgermeisters und hält er trotz des wachsenden Drucks aus seiner Partei an seiner Spitzenkandidatur für die Abgeordnetenhauswahl fest? „Warten Sie doch ab“, sagt er auf dem Weg zurück ins Rote Rathaus. Am Abend sei die Runde mit den CDU-Kreisvorsitzenden. „Dann schauen wir mal.“ Die Zeit läuft ab Doch abgewartet wird bei der Berliner CDU an diesem Tag nicht mehr. Gut zwanzig Minuten später verschickt der Landesverband die Einladung für einen kurzfristigen Termin. In weniger als einer Stunde wolle Wegner vor die Presse treten. Noch vor dem Start sickert durch: Der Regierende Bürgermeister und CDU-Landesvorsitzende zieht sich von der Spitzenkandidatur zurück.