Kakerlakenbewegung: Indiens Bildungsminister tritt nach Protesten zurück
In Indien ist Bildungsminister Dharmendra Pradhan nach wochenlangen Protesten zurückgetreten. Er habe »großen Respekt« vor den berechtigten Erwartungen der Jugend dieses Landes, schrieb Pradhan auf X. Er habe Premierminister Narendra Modi sein Rücktrittsgesuch vorgelegt. Pradhan beugte sich damit dem Druck der überwiegend jungen Demonstrierenden. Sie wollten, dass er die politische Verantwortung für einen Skandal um geleakte Prüfungsaufgaben für den Medizinertest übernimmt. In den vergangenen Jahren gab es in Indien immer wieder Fälle solcher geleakter Tests. Die Proteste spiegeln deswegen eine tiefe Wut über Arbeitsplatzmangel, Korruption und mangelnde Rechenschaftspflicht der Regierung wider. In den vergangenen Wochen ging die Polizei wiederholt mit Gewalt gegen die Demonstrierenden vor. Am Montag setzten Einsatzkräfte Schlagstöcke und Tränengas gegen Menschen ein, die versuchten, zum Parlament zu marschieren. Auch im Moment von Pradhans Rücktrittserklärung – als Jubel am Protestort Jantar Mantar in Neu-Delhi ausbrach – setzte die Polizei Tränengas ein. Den Zugang zum Internet und zu 18 U-Bahn-Stationen in der Hauptstadt schränkten die Behörden ebenfalls erneut ein, um die Proteste einzudämmen. Proteste sollen beendet werden »Wir haben es geschafft«, sagte Abhijeet Dipke, der Gründer der Kakerlakenpartei, die die Proteste anführt, nach Pradhans Rücktritt. Zwei weitere Forderungen der Bewegung müssten aber ebenfalls erfüllt werden, bevor die Proteste enden könnten. So müssten Familien von Kindern, die nach dem Leak der Testaufgaben Suizid begingen, entschädigt werden. Außerdem müsste gegen Polizisten vorgegangen werden, die an der Niederschlagung der Proteste am Montag beteiligt gewesen seien. Parteisprecher Ashutosh Ranka sagte kurz darauf nach einem Treffen mit Regierungsvertretern, diese hätten alle Forderungen akzeptiert. Man fordere die Demonstrantinnen und Demonstranten auf, sich zurückzuziehen und »friedlich nach Hause zu gehen«. Das Bekanntwerden der Prüfungsaufgaben stürzte viele Familien in Indien deswegen in eine solch existenzielle Krise, weil sie viel Geld für Vorbereitungskurse und Nachhilfelehrer ausgegeben, Land verkauft oder Kredite aufgenommen hatten. Nach dem Leak ordnete der Bildungsminister einen neuen, schwierigeren Test an. Mindestens zwölf der Bewerber sollen daraufhin Suizid begangen haben.