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Kältetechnologie gefragt: US-Konzern übernimmt deutschen Ventilatorenspezialist EBM-Papst

Wirtschaft

Vom deutschen Familienbetrieb zum US-Konzern: Der Ventilatoren-Hersteller EBM-Papst wechselt für knapp fünf Milliarden den Besitzer. Hinter dem Deal steckt ein strategischer Schulterschluss. Das Unternehmen will vom Boom bei Rechenzentren profitieren und zugleich seine Position in den USA massiv ausbauen. Der württembergische Ventilatoren- und Lüfter-Hersteller ebm-papst wird für gut fünf Milliarden Euro in die USA verkauft. Die drei Eigentümerfamilien Sturm, Ziehl und Philippiak übertragen ihre Anteile für 4,78 Milliarden Euro an den US-Konzern Madison Air, der zu den Kunden des Unternehmens aus Mulfingen zwischen Heilbronn und Würzburg gehört. Insgesamt werde EBM-Papst dabei mit 5,1 Milliarden Euro bewertet. "Mit dem Zusammenschluss können wir aus eins plus eins drei machen", sagte Firmenchef Klaus Geißdörfer. EBM-Papst erhofft sich von Madison vor allem einen besseren und schnelleren Zugang zum US-Markt, wo das Geschäft mit Rechenzentren besonders boomt. Die Hochleistungsrechner und -chips müssen ständig und zuverlässig gekühlt werden. EBM-Papst bekommt mit Madison einen langfristig orientierten Eigentümer, der helfen könne, das Wachstum zu beschleunigen. Dazu gehöre auch ein schnellerer Aufbau der Produktion und des Servicenetzes in den USA. "Wir bekommen damit auch Zugang zum US-Kapitalmarkt, was uns bei strategischen Optionen helfen kann", sagte Geißdörfer. Madison Air erwirtschaftet 95 Prozent seines Umsatzes von 3,5 Milliarden Dollar (2025) bisher in Nordamerika und kann mit EBM-Papst wiederum nach Europa und Asien expandieren. Madison Air, die zum Industriekonzern Madison Industries des Milliardärs Larry Gies gehört, ist auf die Qualität von Raumluft spezialisiert und produziert Lüftungsgeräte für Reinräume oder Rechenzentren, aber auch die klassischen Deckenventilatoren für Privatwohnungen. EBM-Papst erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025/26 (per Ende März) einen Umsatz von 2,24 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 will Geißdörfer das Kerngeschäft auf 3,4 Milliarden Euro ausbauen. Im laufenden Jahr soll der Umsatz von EBM-Papst laut dem neuen Eigentümer auf 2,4 Milliarden Euro steigen, bei einem bereinigten operativen Gewinn (Ebitda) von knapp 300 Millionen Euro. Das 1963 gegründete Familienunternehmen beschäftigt mehr als 13.000 Mitarbeiter, davon 5800 in Deutschland. "Mit Madison haben wir einen Partner gefunden, der genau versteht, was ebm-papst ausmacht und was wir brauchen, um unsere Marktführerschaft weiter auszubauen", sagte Geißdörfer. "Nachfrage nach Kältetechnologie wächst rasant" Madison sei dafür bekannt, seine Beteiligungen an der langen Leine zu lassen, sagte der EBM-Papst-Chef . "Wir können eigenständig weiterarbeiten, profitieren aber von möglichen Skalierungseffekten mit anderen Madison-Gesellschaften." Die Firmenzentrale bleibe ebenso in Mulfingen wie die Produktion und Entwicklung. Er selbst habe seinen Vertrag kürzlich verlängert und werde an Bord bleiben. "Die Kultur und das Erbe, das die Gesellschafterfamilien in Mulfingen und darüber hinaus aufgebaut haben, gehören zu den größten Stärken der Gruppe, und wir werden beides bewahren", sagte Gies, der bei Madison Air dem Verwaltungsrat vorsitzt. "Die Nachfrage nach hochwertiger Kältetechnologie wächst weltweit rasant, und ebm-papst hat das Know-how und die Kapazitäten, die der Markt heute braucht." Madison Air bezifferte den effektiven Kaufpreis nach Abzug von Steuervorteilen auf 5,0 Milliarden Dollar (4,3 Milliarden Euro). Finanzieren will Madison Air die Übernahme mit Eigen- und Fremdkapital, UniCredit und Wells Fargo stellen Kredite dafür bereit. Wenn die Übernahme doch noch scheitern sollte, bekommen die EBM-Eigentümerfamilien 250 Millionen Euro Entschädigung, wie aus einer Mitteilung an die US-Wertpapieraufsicht SEC hervorgeht.

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