„Kamala Harris hat es total vermasselt“: Harte Kritik an der Favoritin für die Präsidentschaftswahl 2028
Auch wenn alle Augen in den USA derzeit auf die Zwischenwahlen am 3. November gerichtet sind, blicken einige Mitglieder und Unterstützer der Demokraten bereits darüber hinaus.
Denn: Die Partei will bei der Präsidentschaftswahl 2028 das Weiße Haus von den Republikanern zurückerobern. Die Frage ist nur, wer dabei die besten Chancen hat?
Bei den Republikanern scheint die Sache relativ klar zu sein. US-Präsident Donald Trump kann laut Verfassung nicht noch ein drittes Mal zur Wahl antreten. Als Favoriten für dessen Nachfolge gelten Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio.
Im Gegensatz dazu ist das Feld der Kandidaten bei den Demokraten unübersichtlich. Mehrere Gouverneure wie Gavin Newsom aus Kalifornien oder JB Pritzker aus Illinois gelten als potenzielle Kandidaten genauso wie einige Senatoren.
Und noch ein weiterer Name fällt immer wieder: Kamala Harris. Sie selbst lässt bislang offen, ob sie sich noch einmal zur Wahl stellt. Dass die ehemalige Vizepräsidentin noch einmal zur Wahl antritt, gilt jedoch vielen Beobachtern als sicher. Und das, obwohl sie 2024 das Rennen gegen Donald Trump verlor.
Das US-Medium „Politico“ hat nun mit mehreren demokratischen Spendern und Strategen über eine erneute Kandidatur von Harris gesprochen. Das Gefühl bei vielen ist, dass Harris im vergangenen Jahr zu wenig getan habe, um sich als Kandidatin und Parteianführerin zu positionieren, an der kein Weg vorbeiführt.
„Sie hat es total vermasselt“, sagte Doug Herman, der in Barack Obamas Wahlkämpfen 2008 und 2012 als Stratege gearbeitet hat, gegenüber „Politico“. „Sie hat bisher nicht wirklich mitgemischt.“
Harris macht sich rar
Tatsächlich hat sich Harris mit einigen Ausnahmen in der Öffentlichkeit eher rar gemacht. Vor allem das sehen viele als Problem. Harris, die 2024 die Wahl gegen Donald Trump verlor, ging mit dem Ballast der damals unbeliebten Biden-Regierung in das Rennen gegen den Republikaner. Harris war vier Jahre als Vize an Bidens Seite. Seitdem hat sie zwar ein Buch mit dem Titel „107 Days“ veröffentlicht, in dem sie sich unter anderem an Biden abarbeitet.
Doch abgesehen von ihrem Buch fand die 61-Jährige nur selten in der Öffentlichkeit statt und trat vor allem vor ausgewähltem Publikum und in etablierten Medien auf. Mit großen politischen Konzepten oder Äußerungen zu aktuellen Themen fiel sie nicht auf. Vielmehr würde sie sich wie eine „Parteiälteste“ verhalten, die sich aus den aktuellen Debatten heraushält und ruhig an der Seitenlinie steht, schreibt „Politico“.
Viele wissen nicht genau, wo Harris politisch steht
Harris gilt zudem als Politikerin der Mitte, beziehungsweise als eine, von der man nicht genau weiß, wo sie bei bestimmten Themen steht. Gerade mit Blick auf eine Verschiebung innerhalb der Demokratischen Partei hin zu eher linken, charismatischen Politikern wie etwa Abdul El-Sayed, der in Michigan bei den Zwischenwahlen um den Senatssitz kämpft, ist das auffällig.
Das sieht auch der ehemalige Gouverneur von South Carolina, Jim Hodges, als Problem. Das Amt hatte er von 1999 bis 2003 inne. Die Wähler der Demokraten seien besorgt, „dass 2028 ein Trump-Gefolgsmann im Weißen Haus sitzen könnte“, sagte er „Politico“. Deshalb wollten sie jemanden wählen, von dem sie glauben, „dass er die besten Gewinnchancen hat, der aber auch frisch und neu ist.“ Deshalb bekomme er öfter zu hören, dass man „keine recycelten Kandidaten“ brauche.
Harris, die vor ihrer Karriere in der Politik Generalstaatsanwältin in Kalifornien war, kann sich allerdings immer noch auf sehr gute Umfragewerte berufen. In den meisten Erhebungen führt sie das Feld vor ihren parteiinternen Konkurrenten zum Teil deutlich an. Zudem kann sie auf Regierungserfahrung verweisen.
Doch die Konkurrenz ist groß – und zum Teil deutlich lauter. Als einer ihrer größten Konkurrenten gilt der kalifornische Gouverneur Gavin Newsom. Im vergangenen Jahr fiel dieser vor allem dadurch auf, dass er Trumps aggressive Art in den sozialen Medien kopierte und sich so über ihn lustig machte.
Zudem hat er einen Podcast und bringt sich bei verschiedenen großen Themen immer wieder ins Gespräch. Zuletzt verabschiedete er ein Gesetz, das Arbeitnehmer in Kalifornien vor Künstlicher Intelligenz schützen soll, vor allem mit Blick auf den Verlust von Arbeitsplätzen und der Überwachung am Arbeitsplatz.
Newsom findet also, im Gegensatz zu Harris, in der Öffentlichkeit statt – und doch verkündete er vor wenigen Wochen auf CNN, dass er sich nicht als Präsidentschaftskandidat aufstellen lassen wolle, wenn Harris kandidiere.
Ein aussichtsreicher Konkurrent würde also sogar verzichten, wenn Harris antreten würde. Der Druck auf die ehemalige Vizepräsidentin, sich zu positionieren und eine inspirierende Kampagne zu starten, wird größer.