Kamineffekt im PC: 19 °C geringere CPU
Warme Luft steigt nach oben - das ist auch ohne Physikstudium bekannt. Aber nutzt ein PC-Gehäuse tatsächlich den sogenannten "Kamineffekt", wenn Lüfter entsprechend ausgerichtet sind? Genau dieser Frage ist der bekannte Tech-Youtuber der8auer in einem neuen Video nachgegangen. Sein Ergebnis überrascht: Mit einem 3D-gedruckten Kamin auf einem Wasserkühlungs-Radiator sanken die CPU-Temperaturen eines Ryzen 7 9800X3D laut eigenen Messungen um rund 19 Grad Celsius - komplett ohne einen einzigen Lüfter. Der große Turm: 110 Zentimeter für satte 19 Grad Celsius Für den Test setzte der8auer auf ein simples Wasserkühlungssystem, nur mit Pumpe, Radiator und einem Temperaturfühler an der Verschraubung; auf Lüfter wurde verzichtet. Über AMDs Precision Boost Overdrive (PBO) hielt er die CPU konstant auf 100 Watt Verlustleistung, damit über den gesamten Test die gleiche Wärmemenge anfiel. Auf den offenstehenden Radiator setzte er nacheinander mehrere 3D-gedruckte Elemente à 20 Zentimeter, um einen Kamin zu simulieren. Schon ein zehn Zentimeter hohes Element senkte die Wassertemperatur laut der8auer leicht; bei 30 Zentimetern Gesamthöhe waren es bereits rund sechs Grad Celsius Unterschied zum lüfterlosen Aufbau ohne Kamin. Richtig deutlich wurde der Effekt erst beim großen Aufbau: Ein 80 Zentimeter hoher Kamin aus vier Elementen brachte die Gesamthöhe auf 110 Zentimeter. Die CPU-Temperatur fiel dadurch laut Auslesung des Tools HWInfo von zuvor 90 auf rund 71 bis 72 Grad Celsius - eine Differenz von etwa 19 Grad Celsius, wie der8auer im Video zeigt. Mit einer Nebelmaschine machte er den Effekt zusätzlich sichtbar: Der Nebel wurde am unteren Radiatorende regelrecht eingesaugt und strömte durch die aufgesetzten Rohre nach oben ab. Kamin gegen Lüfter Ganz ohne Einschränkung bleibt der Effekt allerdings nicht. der8auer betont selbst, dass ein "gewöhnliches" PC-Gehäuse weder einen geschlossenen Kamin noch eine derart große Bauhöhe bietet - im Inneren sorgen hier zusätzliche Lüfter, die Grafikkarte und andere Luftströmungen für ein deutlich chaotischeres Strömungsbild als im Testaufbau. Schon ein einzelner 120-Millimeter-Lüfter auf niedrigster Drehzahl dürfte laut der8auer so einen stärkeren Druckunterschied erzeugen als der komplette Kaminaufbau. Der Kamineffekt in PC-Gehäusen ist demnach zwar real, aber kein Ersatz für aktive Belüftung - aber immerhin: Wer seine Lüfter clever ausrichtet, unterstützt einen physikalischen Prozess, der ohnehin schon abläuft. Mitmachen und kommentieren