Kampagnen von Lamine Yamal und Kylian Mbappe vor dem Ballon d'Or: Völlig albern und überheblich
Das waren noch Zeiten, vor 25 Jahren. Damals, 2001, gewann der 21-jährige Michael Owen den Ballon d'Or - die prestigeträchtigste und bedeutendste Einzelauszeichnung im Weltfußball. Der Angreifer hatte zuvor mit dem FC Liverpool den UEFA Cup, den FA Cup sowie den englischen Ligapokal gewonnen und auf dem Weg dorthin 24 Tore erzielt.
"Ich wusste überhaupt nicht, was das ist. Damals war das in der Presse gar kein Thema", hat Owen im vergangenen Jahr verraten. Von seinem Erfolg habe er am Telefon vom damaligen Reds-Trainer erfahren. "Als Gerard Houllier mich anrief und mir sagte, ich hätte den Ballon d'Or gewonnen, fragte ich: Was ist das, Trainer?"
Ich will nicht eisern behaupten, dass es diese Zeiten sind, die ich mir zurückwünsche. Begeistern kann ich mich für den Ballon d'Or zwar seit jeher kaum, doch es ist freilich vollkommen in Ordnung, dass seine Bedeutung in den vergangenen Jahren bei den Spielern wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung spürbar gestiegen ist.
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Lamine Yamal und Kylian Mbappe vor dem Ballon d'Or: Fragwürdige Selbstbeweihräucherung
Was ich dagegen hochnotpeinlich, unangemessen und arrogant finde, ist die fragwürdige Selbstbeweihräucherung der potenziellen Gewinner unter den 30 Nominierten. Zugleich noch unterstützt von regelrechten Kampagnen ihrer Vereine, die keine Gelegenheit auslassen, ihren Spieler über den grünen Klee zu loben oder gar deutlich zu äußern, er habe es mehr verdient als die Konkurrenz.
"Warum sollten wir uns nicht für ihn einsetzen?", fragte Barcelonas Trainer Hansi Flick zuletzt in Bezug auf seinen Schützling Lamine Yamal, einem der Favoriten für den Gewinn bei der diesjährigen Verleihung am 26. Oktober in London. Meine Antwort: Weil das nichts mit Demut und Vorbildfunktion zu tun hat. Weil, wie unzählige Trainer auf der Welt stets betonen, die Wahrheit auf dem Platz liegt und es keine leicht zu durchschauenden Wortmeldungen benötigt, um den eigenen Spieler über andere zu erheben. Und weil es schlicht unsympathisch ist.
Völlig albern, dass sich wie zuletzt ein 18-jähriger Yamal hinsetzt und behauptet: "Um ehrlich zu sein: Ich glaube, dieses Jahr verdiene ich diesen Preis - aufgrund dessen, was ich gewonnen habe." Völlig überheblich, wie sich Real Madrids Kylian Mbappe als den "Auserwählten" bezeichnet und meint, "kein Spieler war letzte Saison besser als ich". Stellen Sie sich mal vor, im Jugendbereich des Mannschaftssports Fußball würde jemand so über sich sprechen.
Ballon d'Or: Die vergangenen zehn Sieger
Jahr
Sieger
2025
Ousmane Dembele
2024
Rodri
2023
Lionel Messi
2022
Karim Benzema
2021
Lionel Messi
2020
nicht vergeben
2019
Lionel Messi
2018
Luka Modric
2017
Cristiano Ronaldo
2016
Cristiano Ronaldo
2015
Lionel Messi
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Kampagnen vor Ballon-d'Or-Vergabe: Jose Mourinho stellt sich selbst bloß
Gewiss, diese gezielten Kampagnen im Vorfeld der Preisverleihung sind längst keine Neuigkeit mehr. Sie haben in diesem Jahr in einem Sport, in dem zurecht stets die Wichtigkeit des Kollektivs betont wird, vielleicht etwas an zur Schau gestellten Egoismus hinzugewonnen. Doch bereits 2013 trommelte etwa Real eine Truppe aus Alfredo Di Stefano, Emilio Butragueno, Carlo Ancelotti, Iker Casillas und Sergio Ramos zusammen, um massig Werbung für Cristiano Ronaldo im Rennen mit Lionel Messi und Franck Ribery zu machen - und das leider, wie ich finde, auch mit Erfolg.
Vor zwei Jahren sorgten die Königlichen gar für einen Eklat, als sie die Reise nach Paris kurzerhand absagten und die Verleihung boykottierten. Zuvor war durchgesickert, dass Rodri und nicht Vinicius Junior gewinnen wird. Stattdessen gab man folgendes Statement ab: "Wenn die Kriterien für die Preisverleihung Vinicius nicht zum Sieger erklären, sollten die gleichen Kriterien Carvajal zum Sieger erklären. Da dies nicht der Fall war, ist es offensichtlich, dass der Ballon d'Or und die UEFA Real Madrid nicht respektieren. Und Real Madrid ist nicht dort, wo es nicht respektiert wird."
Und erst jüngst hat kein Geringerer als der aktuelle Real-Coach Jose Mourinho den ganzen politischen Irrsinn hinter dem Ballon d'Or offenbart und sich selbst bloßgestellt. 2012 behauptete der Portugiese noch: "Wie kann man den Ballon d'Or gewinnen, ohne Titel zu holen, ohne etwas Bedeutendes zu gewinnen? Kommt mir nicht mit dem Weltpokal oder dem Supercup - das sind Kleinigkeiten. Erzählt mir von den großen Titeln." Vor wenigen Wochen sagte er dann: "Man kann den Ballon d'Or nicht an einen Spieler vergeben, nur weil er die Champions League oder die Weltmeisterschaft gewonnen hat. Der beste Spieler der Welt sind zwei, drei oder vier, und wir wissen, wer sie sind und wo sie sind. Wir wissen, wer individuell diesen Sommer Geschichte geschrieben hat."
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Ballon d'Or: Geltungsbedürfnis und Hybris sollten nicht belohnt werden
Natürlich hat Mbappe "Argumente dafür, den Ballon d'Or zu gewinnen", wie er sagte. Natürlich darf und muss es vielleicht sogar für solche Ausnahmespieler ein individuelles Ziel sein, diese Trophäe zu jagen. Doch sie könnten sie niemals ohne ihre Teamkollegen gewinnen, auch wenn manche davon weniger talentiert als sie selbst sein mögen.
Offensichtliche Wichtigtuerei, Geltungsbedürfnis sowie Hybris blasierter Profis und Vereine, die auch mit einem solchen Gehabe einen Beitrag leisten, dass sich der moderne Fußball immer weiter von der Basis entfernt, sollten nicht belohnt werden.
Bevor hier der letzte Satz geschrieben steht, möchte ich noch einmal betonen: Es könnte mir nicht egaler sein, wer 2026 den Ballon d'Or gewinnt. Die Tatsache jedoch, dass sich in Harry Kane ein heißer Anwärter auf den Sieg angeblich bewusst dazu entschied, im Vorfeld der Vergabe keine Werbung in eigener Sache zu betreiben, lässt mich wünschen, dass gerade ein solches Verhalten honoriert wird.
Ballon d'Or 2026: Die 30-köpfige Shortlist