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Kampf gegen die Berliner Mauer - für Achim Neumann ein Lebensthema

Nation

Semesterferien - Achim Neumann, Student aus Berlin, ist mit seiner Clique zum Zelten an die Ostsee gefahren. Es ist der 13. August 1961. Typisch norddeutsches Wetter, 18 Grad, Wolken. Morgens wird als erstens das kleine Kofferradio angeschaltet. Und plötzlich heißt es in den Nachrichten, dass in West-Berlin die Grenze dicht gemacht wurde - über Nacht. Tausende bewaffnete Kräfte der Volksarmee und Volkspolizei haben in dieser Augustnacht die Sektorengrenze abgesperrt, Straßen aufgerissen und Stacheldraht gespannt. In den Monaten und Jahren danach folgen Betonmauern, Wachtürme und ein bis zu 160 Meter breiter Todesstreifen. Berlin abriegeln? "Geht doch technisch gar nicht" Das Entsetzen ist groß, Familien werden getrennt. Wer im Osten wohnt und im Westen arbeitet, kann nicht mehr zur Arbeit kommen und verliert seinen Job. Junge Leute, die in Ost-Berlin wohnen, aber im Westen studieren, können nicht mehr an ihre Uni. Während in Berlin der Ausnahmezustand herrscht, sehen Achim und seine Freunde das Thema in ihrem Urlaub eher locker: "Es geht ja technisch gar nicht, so eine Stadt wie Berlin so abzuriegeln, dass da keiner mehr durchkommt. Wir haben uns da ganz stark gefühlt: Wenn wir nach West-Berlin wollen, schaffen wir das auch", erzählt der heute 86-jährige Achim in der neuen Staffel des Podcasts "Zeitkapsel" von NDR Kultur. Aber bei ihrer Rückkehr kommt das böse Erwachen. Als er sich die Mauer angucken will, wird Achim schon 200 Meter vorher von einer Polizeistreife angehalten und nach Hause geschickt. "Das war für uns ein ziemlicher Schock. Jetzt darfst Du noch nicht mal in deiner Heimatstadt da langgehen, wo Du sonst immer langgegangen bist." Ein Freund von Achim hat daraufhin den Satz gesagt: "Jungs, jetzt haben wir alle lebenslänglich DDR." "Niemand hat die Absicht ..." Erst sechs Wochen zuvor hatte eine westdeutsche Journalistin den DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht bei einer Pressekonferenz gefragt: Soll an der Berliner Grenze eine Mauer gebaut werden? Seine Antwort ging in die Geschichte ein: "Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." Offiziell heißt die Mauer in Ost-Berlin "antifaschistischer Schutzwall". Ab jetzt soll sie die Massenflucht der Menschen aus der DDR in den Westen verhindern. Verhaftung auf einer Party als Zäsur für Achim Von September 1949 bis zum Mauerbau im August 1961 hatten mehrere Millionen Menschen die DDR verlassen, viele davon im erwerbstätigen Alter, was die DDR in ökonomischer Hinsicht schwächt. Mit der Mauer will die DDR-Regierung verhindern, dass noch mehr gut ausgebildete und arbeitende Bürger und Bürgerinnen fliehen. Kurz nach dem Mauerbau passiert etwas, das Achim einen weiteren Schock versetzt: Bei einer Party wird verbotene "Westmusik" gespielt und dazu getanzt. Die Polizei rückt an, greift wahllos Menschen heraus und verhaftet sie. Einer davon ist ein Freund von Achim, der mit der Party gar nichts zu tun hatte. Er wird als "Rädelsführer" zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. "Er hat buchstäblich nichts gemacht. Und da habe ich gesagt: Jetzt reicht es mir, ich will weg", erzählt Achim. Flucht mit geliehenem Schweizer Pass Doch raus aus der DDR? Wie soll das jetzt gehen? Seit dem verschärften Passgesetz von 1957 ist jede unerlaubte Ausreise aus der DDR strafbar, gilt als sogenannte "Republikflucht". Es drohen Stasi-Gefängnis oder sogar der Tod. Dennoch gelingt mehr als 5.000 DDR-Bürgern zwischen 1961 und 1989 die Flucht von Ost- nach West-Berlin. Unter den Flüchtlingen ist auch Achim. Schon vier Monate nach dem Mauerbau gelingt ihm die Flucht. Dabei hilft ihm der geliehene Pass eines Schweizers, der ihm auf dem Passbild erstaunlich ähnlich sieht. Im Pulk einer Touristengruppe wird Achim am Grenzübergang Friedrichstraße nach West-Berlin durchgelassen. Die Mauer unterwandern Danach gehört Achim zu einer Gruppe junger Männer, die Freunde und Familie zu sich holen wollen. Sie beginnen damit, Tunnel unter der Mauer zu graben, von West- nach Ost-Berlin. Einige Versuche scheitern. Es gibt einen Wassereinbruch, und ein Tunnel wird verraten - doch viele Menschen können tatsächlich durch die Tunnel aus der DDR fliehen. Achim geht es dabei vor allem um seine große Liebe Christa, die er zu sich in den Westen holen will. Doch als der Tunnel fertig ist, sitzt sie noch im Gefängnis, verurteilt wegen versuchter Republikflucht. "Die Stasi hat sich im Keller auf die Lauer gelegt" Mehr als 70 Tunnel wurden in Berlin gegraben, aber nur 19 waren erfolgreich. Auch Tunnelbauer, zu denen Achim Neumann gehörte, werden getötet: "Zweimal sind Tunnelbauer erschossen worden", erinnert sich Achim. "Die Stasi hat sich im Keller auf die Lauer gelegt. Als sie aus dem Loch gekrabbelt sind, haben sie sie erschossen." Willy Brandt, der damalige Regierende Bürgermeister in West-Berlin, wendet sich 1961 in einer dramatischen Rede direkt an die Grenzsoldaten der DDR: "Lasst euch nicht zu Lumpen machen! Zeigt menschliches Verhalten, wo immer es möglich ist, und vor allem: Schießt vor allem nicht auf eure eigenen Landsleute!" Doch dieser Aufruf verhallt in der DDR ungehört. Die Mauer bleibt deutsch-deutsche Realität - für mehr als 28 Jahre.

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