Kanada baut seine Armee um. Eine neue Division und Millionen Drohnen sollen das Land auf „große Kriege“ vorbereiten
Kanada wappnet seine Armee für einen möglichen Krieg. Mit einer neuen Division für groß angelegte Kampfeinsätze und dem geplanten Kauf von Millionen Drohnen reagiert die Regierung auf die veränderte Bedrohungslage, berichtet der kanadische Sender CBC.
Premierminister Mark Carney will die Streitkräfte dafür massiv aufrüsten. Nach Angaben der Zeitung „Toronto Star“ soll Kanada aus dem Krieg in der Ukraine lernen und seinen Bestand von bisher 2000 Drohnen drastisch ausbauen. „In den kommenden Jahren werden wir Millionen brauchen“, sagte Carney nach dem Abschluss eines neuen Partnerschaftsabkommens mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Kanada stellt neue Division in Edmonton auf
Am Donnerstag stellte die Armee in Edmonton offiziell die 1. Kanadische Division auf. Sie ersetzt das bisherige Modell mit regional gegliederten Divisionen nicht allein, sondern bildet künftig den Kern für große Gefechtseinsätze. In ihr werden Panzer, andere gepanzerte Fahrzeuge, Artillerie, leichte Infanterie, Fallschirmjäger und Pioniere zusammengeführt.
Generalmajor Wade Rutland sieht in dem Schritt einen tiefen Einschnitt. „Das ist eine große Veränderung“, sagte er. Es gehe nicht darum, Strukturen nur neu zu sortieren. „Wir tun das, um beweglicher, schlagkräftiger und für die Verteidigung Kanadas relevanter zu werden.“
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Nach seinen Worten hat sich die Bedrohungslage verändert. Die Armee bereite sich wieder auf „große Kriege“ mit Hunderttausenden Soldaten vor, wie sie in der Ukraine zu sehen seien. Die neue Division solle Tausende Soldaten zusammenführen und Kräfte aus Luft, Cyberraum und Weltraum einbinden.
Schutz für Kanada und die Arktis
Neben der 1. Division entstehen zwei weitere Großverbände. In Kingston in Ontario baut die Armee eine Unterstützungsdivision auf. In Montreal entsteht die 2. Kanadische Division für die Landesverteidigung und nationale Notlagen. Dort dienen vor allem Teilzeitsoldaten. Die bisherige 3. Kanadische Division wird in den Ruhestatus versetzt, bleibt aber auf dem Papier bestehen und könnte später reaktiviert werden.
Laut „Toronto Star“ arbeitet das Canadian Joint Operations Command bereits an einem neuen Plan zur Verteidigung des Landes. Rutland sagte: „Unser vorrangiger Einsatzraum ist zu 100 Prozent Kanada.“ Das gelte besonders für die Arktis. Sorgen über Russlands militärische Fähigkeiten, neue Raketentechnik und ein mögliches Interesse Chinas an der Region treiben den Ausbau im Norden an.
Milliarden für Waffen und Ausrüstung
Die Regierung will dafür viel Geld ausgeben. Im Haushalt 2025 sind laut „Toronto Star“ mehr als 82 Milliarden Kanadische Dollar (rund 50 Milliarden Euro) für fünf Jahre vorgesehen. Für das folgende Jahrzehnt sind weitere Milliarden versprochen.
Rutland sieht vor allem diese Lücken:
neue Artillerie und Mörser
bodengebundene Luftabwehr gegen Drohnen, Jets und Hubschrauber
mobile Fahrzeuge für den Einsatz in der Arktis
bessere Helme, Schutzwesten und Nachtsichtgeräte
Drohnen aller Art, auch unbemannte Bodenfahrzeuge für Nachschub und Verwundete
„Wir versuchen, das so schnell zu schaffen, wie wir können“, sagte Rutland. Der frühere Schwerpunkt der Armee habe lange auf kleineren Einsätzen mit Verbündeten gelegen, etwa in Afghanistan. Nun richtet sie sich wieder auf einen langen und intensiven Krieg gegen einen technologisch ebenbürtigen Gegner aus.