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Kanadas Premier Carney setzt Zeichen gegen Trump

Welt

Startseite Politik Trump provoziert Kanada – Premier setzt bei Pride-Parade Zeichen Von: Max Nebel Uns auf Google folgen Kanadas Premier Mark Carney feiert bei der Pride-Parade in Toronto. Sein Auftritt wirkt auch wie ein Signal an Donald Trump. Toronto – Regenbogenflaggen, Konfetti und Wasserpistolen: Kanadas Premierminister Mark Carney hat sich bei der Pride-Parade in Toronto demonstrativ unter die Feiernden gemischt. Er schüttelte Hände, machte Selfies und ließ sich lachend von Besuchern mit Wasserpistolen durchnässen. Der ungewöhnlich lockere Auftritt des Regierungschefs blieb jedoch nicht nur ein sommerliches Fotomotiv. Denn Carneys Teilnahme fügt sich in eine politische Linie ein, die seit Monaten immer deutlicher wird. Während US-Präsident Donald Trump Kanada wiederholt provoziert und das Land zuletzt erneut als möglichen 51. Bundesstaat bezeichnete, präsentiert sich der Premier demonstrativ als Gegenentwurf – offen, vielfältig und selbstbewusst. Premier von Kanada als Gegenentwurf zu Trump: Wasserpistolen, Selfies und tausende Zuschauer Nach Angaben von CBC und dem Toronto Star marschierte Carney am Sonntag (28. Juni) gemeinsam mit Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow ein Stück der Parade über die Yonge Street. Er begrüßte Besucher, posierte für Selfies und forderte Menschen am Straßenrand sogar dazu auf, ihn mit Wasserpistolen nasszuspritzen. Als ihn mehrere Wasserstrahlen trafen, taumelte er scherzhaft zurück und setzte den Weg mit durchnässtem Hemd fort. Es war die erste Teilnahme Carneys an der Toronto Pride seit seinem Amtsantritt als Premierminister. Die Veranstaltung stand in diesem Jahr unter dem Motto „We Won‘t Stop“ („Wir hören nicht auf“). Tausende Menschen säumten die Straßen der Millionenmetropole und feierten gemeinsam mit den Teilnehmern. Pride in Toronto wird auch zur politischen Bühne für Carney Offiziell stand die Parade im Zeichen von Vielfalt, Sichtbarkeit und den Rechten der LGBTQ-Gemeinschaft. Doch der Auftritt des Premierministers hatte auch eine politische Dimension. Bereits Anfang Juni hatte Carney beim Hissen der Pride-Flagge auf dem Parliament Hill in Ottawa erklärt, die Rechte von LGBTQ-Menschen gerieten weltweit zunehmend unter Druck. „Die Pride-Saison kommt und geht, doch unser Einsatz für Sicherheit und Würde endet nicht“, erklärte Carney damals laut der Canadian Press. Das Hissen der Pride-Flagge nannte er ein Symbol der Zugehörigkeit und zugleich einen Akt der Wachsamkeit. Damit knüpfte sein Auftritt in Toronto an eine Botschaft an, die der Premier bereits zuvor gesetzt hatte. Bürgermeisterin Chow setzt Zeichen für Vielfalt Auch Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow nutzte die Parade für eine klare Botschaft. „Wir werden nicht aufhören, unsere Vielfalt zu feiern“, sagte sie laut CBC. „Egal, wer du bist, wen du liebst und woher du kommst: Du gehörst dazu.“ Die Pride in Toronto steht trotz der großen Bilder auch unter finanziellem Druck. Festivaldirektor Kojo Modeste hatte gemäß Informationen des Toronto Stars bereits im Frühjahr auf eine Finanzierungslücke von 700.000 kanadischen Dollar (ca. 430.000 Euro) hingewiesen. Hintergrund seien unter anderem Sponsorenverluste, nachdem sich manche Unternehmen von Diversity-, Equity- und Inclusion-Initiativen zurückgezogen hätten. Trump-Kontext sorgt für zusätzliche Schärfe Der Pride-Auftritt fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen Ottawa und Washington. Donald Trump hatte Kanada in den vergangenen Monaten mehrfach als möglichen 51. Bundesstaat der USA bezeichnet und Premier Carney nach dessen Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos öffentlich kritisiert. Der politische Kontrast zwischen beiden Regierungschefs ist dadurch besonders sichtbar. Trump drückte es damals laut Reuters wie folgt aus: „Kanada sollte uns dankbar sein. Kanada lebt wegen der Vereinigten Staaten. Denk daran, Mark, wenn du das nächste Mal deine Erklärungen abgibst.“ Carney hatte in Davos weder Trump noch die USA direkt genannt, aber von einem weltweiten „Bruch“ der bisherigen Ordnung gesprochen. Internationale Beobachter werteten die Rede als ungewöhnlich deutliche Distanzierung eines engen Verbündeten der Vereinigten Staaten. Distanz zu Donald Trump: Kanada sucht unter Carney eine neue Rolle Seit seinem Amtsantritt setzt Carney außenpolitisch auf eine deutlich selbstbewusstere Linie. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte er im Januar, die Welt befinde sich „mitten in einem Bruch, nicht in einem Übergang“. Kanada müsse seine internationalen Partnerschaften ausbauen, weil wirtschaftliche Abhängigkeiten zunehmend als politisches Druckmittel genutzt würden. Analysten der Carnegie Endowment sahen in Carneys Davos-Rede eine ungewöhnlich deutliche Positionierung eines engen US-Verbündeten gegenüber Donald Trump. Vor diesem Hintergrund wirkt auch der Auftritt bei der Pride-Parade wie mehr als ein freundlicher Termin im Kalender. Direkt angegriffen hat der Premier den US-Präsidenten in Toronto nicht. Sein Auftritt passt jedoch zu einer politischen Linie, mit der Kanada unter Carney eigene Akzente setzt – im Inland ebenso wie gegenüber dem großen Nachbarn im Süden. (Quellen: Reuters, CBC, Toronto Star, The Canadian Press, Carnegie Endowment for International Peace) (chnnn)

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