Kanadier entwickeln 350-Euro-Rucksackturbine, die Camper stromautark macht
Photovoltaik ist eine tragende Säule der Energiewende – aber sie hat einen blinden Fleck. Fällt kein Licht auf die Zelle, fließt kein Strom. Für alle, die abseits der Steckdose unterwegs sind, etwa campend, wandernd oder bei einem Stromausfall zuhause, kann diese Lücke zum Problem werden. Hier will das Start-up Aurea Technologies aus Dartmouth in Kanada ansetzen. Seine Idee: Wo die Sonne fehlt, weht oft Wind. Also baute das 2017 gegründete Unternehmen eine Turbine, die klein genug ist, um in einen Rucksack zu passen. Und die schon bei mäßiger Brise Strom für Handy, Laptop oder Powerbank liefert. Das neueste Modell heißt Shine 2.0. „Wir haben eine wirklich großartige Resonanz auf das Originalprodukt erhalten, aber unsere ersten Kunden wünschten sich immer wieder bestimmte Verbesserungen und Änderungen“, sagte Firmengründerin und Geschäftsführerin Cat Adalay dem kanadischen Wirtschaftsportal „Entrevestor“. Zu den Neuerungen von Shine 2.0 gehören ein USB-C-Ladeanschluss, eine App zur Anzeige von Echtzeit-Telemetriedaten der Turbine via Bluetooth sowie eine Erhöhung der Leistung von 40 auf 50 Watt. Wie aus Wind Strom im Rucksack wird Die Shine 2.0 ist kaum größer als eine Trinkflasche und wiegt etwas mehr als ein Kilogramm. Aufgebaut entfalten sich drei Rotorblätter, die sich automatisch im Wind drehen. Im Inneren sitzt ein Generator mit einer Leistung von 50 Watt, der einen fest verbauten 12.000-mAh-Akku speist. ANZEIGE ANZEIGE Das Prinzip dahinter: Windenergie wächst nicht linear, sondern mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Das bedeutet: Verdoppelt sich der Wind, verachtfacht sich die Leistung – ein Effekt, den auch Aurea Technologies für seine Werbung nutzt. Sprecherin Vanessa Ferguson von Aurea Technologies erklärt gegenüber dem Outdoor-Magazin „GearJunkie“: „Im Gegensatz zur Solarenergie kann sie Tag und Nacht, bei Regen oder Sonnenschein Strom erzeugen.“ Laut Herstellerangaben funktioniert die Shine 2.0 bei Windgeschwindigkeiten zwischen etwa 13 und 45 Stundenkilometern. Laptop und Smartphone laden Mehrere unabhängige Tests, etwa des Outdoor-Portals „Tech Indulger“ bestätigen, dass das Gerät bei wirklich schwachem Wind kaum etwas bringt – für die volle Leistung braucht es schon kräftigen Wind. Bei optimalen 45 Kilometern pro Stunde lädt die Turbine laut Herstellerangaben und dem Testportal „Notebookcheck“ einen Laptop in knapp zwei Stunden vollständig auf. Bei nur leichtem Wind um 13 km/h sinkt die Leistung dagegen unter 5 Watt, wodurch ein Smartphone laut mehreren Quellen bis zu elf Stunden zum vollständigen Laden benötigen kann. Das Technikmagazin „Engadget“ berichtete dagegen von einer Bestzeit von etwa 17 Minuten für eine Handyladung unter optimalen Bedingungen. Anders als ein Solarpanel, das entweder funktioniert oder eben nicht, liefert die Turbine dadurch aber auch fast immer etwas – nur eben mit stark schwankender Intensität. Investoren und Verkaufszahlen Adalay bezifferte gegenüber „Entrevestor“ die bisherige Eigenkapitalfinanzierung des Unternehmens auf rund 5 Millionen US-Dollar seit der Gründung 2017. Beim Vorgängermodell aus dem Jahr 2021 wurden rund 2300 Geräte tatsächlich gefertigt und an Kunden in Nordamerika und Europa ausgeliefert. Bei der aktuellen Shine 2.0 sieht es anders aus. Seit dem Start der Kampagne im September 2024 haben sich zwar mehrere Tausend Menschen als Unterstützer auf Kickstarter und Indiegogo eingetragen und das Projekt mit rund 900.000 US-Dollar vorfinanziert. Tatsächlich gebaut wurde davon aber bislang nichts. Der reguläre Verkaufspreis der Shine 2.0 soll bei 571 US-Dollar liegen. Im laufenden Vorbestellungs-Rabatt kostet das Set rund 399 US-Dollar, ungefähr 350 Euro. Für windärmere Standorte bietet Aurea gegen Aufpreis von etwa 138 US-Dollar ein Stativ an, das die Turbine über störende Bodenturbulenzen hinaushebt. Nach dem jüngsten Update aus dem Frühsommer 2026 arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit einem Fertigungspartner in Vietnam noch daran, die eigentliche Produktionslinie erst aufzubauen. Belastungstests zeigten, dass der verbaute Motor nicht die erwartete Leistung erbringt. Dadurch ist mehr Entwicklungsarbeit nötig, bevor die Produktion starten kann. Doch Aurea denkt bereits über die aktuelle Turbine hinaus und plant größere, leistungsstärkere Versionen für Fahrzeuge und irgendwann sogar für Häuser. +++ Keine Klima-News mehr verpassen – abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++