Kandidat „gefährlichsten Mann Deutschlands“
Gießener Allgemeine Politik Spiegel kürt AfD-Mann Siegmund zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ – Wirbel um Titelcover Von: Clara Dzemla Uns auf Google folgen Der Spiegel macht den AfD-Spitzenkandidaten für Sachsen-Anhalt zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“. Kommentatoren von rechts bis links sehen darin Wahlwerbung. Hamburg/Magdeburg – Der Spiegel hat den Spitzenkandidaten der AfD für die Wahl in Sachsen-Anhalt auf seinem Titelcover zur Ausgabe vom Freitag, 14. August, zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ erklärt. Das Motiv zeigt Ulrich Siegmund im Passbild-Format vor schwarzem Hintergrund. Der Titel prangt in dicken roten Buchstaben darunter. Die Aufmachung erinnert an ein Fahndungsplakat. Im politischen Deutschland tobt seitdem die Debatte um das Cover – dem Spiegel wird sogar Wahlwerbung vorgeworfen. Und Siegmund? Der spricht von einem „Ritterschlag“. Bei einem Wahlkampfauftritt am Donnerstag (13. August) wurde Siegmund auf das Titelbild angesprochen. „Das muss man sich mal überlegen. Also ein Terrorist ist nicht gefährlich, ein Straftäter ist nicht gefährlich, irgendwelche Attentäter sind nicht gefährlich, aber jemand, der sein Land liebt, der für eine bessere Zukunft kämpft und der die Demokratie wirklich zum Leben erwecken möchte, der ist der Gefährlichste bei uns in Deutschland?“, antwortete Siegmund. „Bessere Wahlwerbung kann man für uns gar nicht machen.“ Spiegel-Cover stellt Siegmund als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ dar – der spricht von „Ritterschlag“ Die Betreiberin des YouTube-Kanals Utopia TV fragte ihn daraufhin, wie es denn sei, Björn Höcke als gefährlichsten Mann Deutschlands „vom Thron gestoßen“ zu haben. Siegmunds Antwort: „Das zeigt ja, dass wir alles richtig machen. Das ist ein riesengroßer Ritterschlag.“ Der Kanal Utopia-TV hat sich auf Videos von Demonstrationen spezialisiert, dabei fokussiert sich der Kanal insbesondere auf AfD-Kundgebungen und Wahlkampfauftritte von Ulrich Siegmunds. Auch Siegmunds Parteikollege Rüdiger Lucassen hat nur Spott für den Spiegel übrig. Die Welt zitiert den AfD-Verteidigungspolitiker mit den Worten: „Bei allem Verständnis für die Panik im linken Lager: Die Verantwortlichen beim Spiegel haben doch nicht mehr alle Tassen im Schrank.“ Auch von liberalen und progressiven Stimmen wird der Spiegel für sein Titelbild kritisiert. Thomas Mayer, Gründungsmitglied der österreichischen Tageszeitung Der Standard, sieht darin laut Welt Wahlwerbung für die Rechten. „Der Spiegel macht einen Politiker der extrem Rechten groß, zum Titelbildhelden. Wird sich die AfD freuen.“ Der Moderator und Podcaster Micky Beisenherz verglich das Cover auf X ironisch mit einem Warnhinweis für Eltern. Es halte die Zielgruppe „genauso effektiv vom Produkt ab“. Die Leute beim Spiegel seien „ja nicht dumm. Sie sind auch mindestens schamlos, wenn sie so etwas zum Titel machen und so tun, als würden sie sich für ‚den Erhalt der Demokratie‘ einsetzen.“ Die Frankfurter Allgemeine Zeitung analysiert, warum die Titelwahl nach hinten losgehen könnte. Das Cover hänge an diesem Wochenende an jedem Kiosk – auch in Sachsen-Anhalt. Denjenigen, die den Artikel nicht lesen, könnte der Titel wie ein Werbeplakat entgegenkommen. Jemanden, den der Spiegel zum „gefährlichsten Mann Deutschlands“ küre, würden manche Wähler erst recht wählen wollen. Zudem bilde das Cover nicht ab, dass Siegmund – wie auch der Spiegel selbst schreibt – nahbar und scheinbar harmlos auftritt. Potenzielle Wähler könnten die Fahndungsfoto-Inszenierung als Witz empfinden.