Kandidatin wird angefeindet
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CDU-Kandidatin trägt MILF-Kette auf Wahlplakat – und wird angefeindet
Von: Ove Bornholt
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Corinna Jodeit kandidiert für den Wildeshauser Stadtrat. Auf ihrem Wahlplakat posiert sie mit einer Goldkette mit der Aufschrift MILF – die Abkürzung steht für „Mom I'd like to fuck“. Dafür wird die 38-Jährige angefeindet.
Wildeshausen – „Es ist doch nur ein Schmuckstück und hat mit Kompetenz nichts zu tun.“ Das sagt Corinna Jodeit und sieht sich als Opfer rechter Hetze. Die CDU-Frau kandidiert bei der Kommunalwahl am 13. September für den Wildeshauser Stadtrat. Auf ihren Wahlplakaten posiert die 38-Jährige mit einer Goldkette, die einen Schriftzug beinhaltet: MILF. Das ist eine aus dem Englischen in den deutschen Sprachschatz übernommene Abkürzung, die sich mittlerweile auch im Duden wiederfindet. Sie steht für „Mom I’d like to fuck“, drückt also das sexuelle Begehren in Bezug auf eine Mutter aus. Laut Duden wird die Bezeichnung MILF für eine „attraktive reifere, erfahrene Frau“ verwendet.
Melissa Timke, eine Content-Creatorin des rechtspopulistischen Portals „Nius“, hat das Wahlplakat in einem ihrer Instagram-Posts aufgegriffen und hinterfragt. In den Kommentaren zu dem Video wird Jodeit zum Teil heftig für die Kette angegriffen – wobei nicht klar ist, ob alle Aussagen auch von echten Menschen stammen, denn gerade auf Facebook sind auch viele Bots unterwegs.
„Natürlich provokant“: CDU-Kandidatin steht zu ihrer Art und ihrem Erscheinungsbild
Die Wildeshauserin sagt im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung, die Abkürzung sei „natürlich provokant“. Und weiter: „Ich kann verstehen, dass nicht jeder diese Kette befürwortet.“ Sie habe sich das Schmuckstück vor rund zehn Jahren gekauft. Für sie drückt MILF Selbstständigkeit und Stärke aus. „Ich bin gerne eine Mutti. Aber nicht nur das“, sagt die Unternehmerin. Die Kette für das Wahlplakat abzulegen, hätte für sie bedeutet, nicht authentisch zu sein. Dabei ist ihr klar, dass ihr Erscheinungsbild mit Tattoos, auffälligen Nägeln und eben der Kette nicht dem entspricht, was sich manche unter einer konservativen Kandidatin vorstellen. „Ich sehe nicht unbedingt wie CDU aus“, sagt Jodeit.
Die durch das Instagram-Video ausgelöste Kritik „geht nicht spurlos an mir vorbei“, so die 38‑Jährige. Sie habe das Thema mit ihrem 13-jährigen Sohn besprochen, damit er es nicht von anderer Seite erfährt. Von ihren CDU-Kollegen erhalte sie Rückendeckung. Auch der Kreisvorsitzende Bastian Ernst habe sich hinter sie gestellt.
Von ihrer Kandidatur abzurücken, ist für Jodeit aber kein Thema. „Es geht bei der Kritik doch gar nicht um die Kette, sondern darum, dass es mir schwerer gemacht werden soll.“ Das gelte auch für andere Frauen, denn manche würden es sich jetzt vielleicht noch einmal überlegen, sich zu engagieren.