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Kann die Einnahme von Vitamin D Kinder vor Atemwegsinfekten schützen?

Gesundheit

Wenn die Erkältungswelle durch Kitas und Grundschulen rollt, folgt für viele Familien ein Klassiker: Kaum ist ein Infekt überstanden, kündigt sich schon der nächste an. Husten, Schnupfen, manchmal Fieber – Atemwegsinfekte gehören bei Kindern zu den häufigsten Gründen für Arztbesuche, verpasste Arbeitstage der Eltern und schlaflose Nächte. Entsprechend groß ist der Wunsch nach einem möglichst einfachen Schutz, der über Händewaschen und frische Luft hinausgeht. Wer sich viel mit Nährstoffen und Supplementierung auseinandersetzt, könnte sich fragen, ob Vitamin-D-Präparate vielleicht so ein möglicher Schutz sein könnten. Förderlich ist das Vitamin laut Apotheken-Umschau vor allem für starke Knochen und Zähne sowie die Muskelkraft. Zudem trägt es zu einem funktionierenden Immunsystem bei. Einige Studien deuten demnach sogar darauf hin, dass niedrige Vitamin-D-Werte mit einem höheren Risiko für Atemwegsinfektionen verbunden sein könnten. Könnte eine zusätzliche Einnahme also helfen, Atemwegsinfekte bei Kindern seltener oder milder zu machen? Dieser Frage ist nun eine neue Übersichtsarbeit nachgegangen. Warum sind Atemwegsinfekte gerade für Kinder gefährlich? Zu den akuten Atemwegsinfektionen, auch akute respiratorische Erkrankungen (ARE) genannt, gehören laut dem Robert Koch-Institut (RKI) etwa Erkältung, Covid-19 und die Grippe. Sie werden oft durch unterschiedliche Viren ausgelöst, die anfangs ähnliche Symptome wie Husten, Schnupfen und Fieber hervorrufen, aber sehr unterschiedlich verlaufen können. Bei immungeschwächten Menschen und Klein­kindern kann eine Infektion zu schweren Komplikationen führen. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören akute Atemwegsinfektionen weltweit zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern unter fünf Jahren. Das kindliche Immunsystem befindet sich anfangs noch im Aufbau und muss gegen diese leicht übertragbaren, unterschiedlichen Erreger erst einmal Abwehrstoffe bilden, informiert das Portal kindergesundheit-info.de des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit. Außerdem sind laut der Website der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) die Lungen und Atemwege von Kleinkindern noch kleiner, weshalb Viren, die die Atemwege angreifen, für sie ein höheres Risiko darstellen. Acht bis zwölf Atemwegsinfekte pro Jahr bis zur Einschulung sind laut kindergesundheit-info.de durchaus normal und erst einmal kein Anlass zur Sorge. Jedoch können sich aus einem harmlosen grippalen Infekt auch weitere, schwerwiegendere Erkrankungen entwickeln, etwa Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung, Bronchitis oder Mandelentzündung. Wie lassen sich Atemwegsinfekte vorbeugen? Um Atemwegsinfekten vorzubeugen, empfiehlt das AOK Gesundheitsmagazin unter anderem Maßnahmen wie: gründliches Händewaschen, in die Armbeuge niesen, regelmäßig lüften, Maske tragen, Grippeschutzimpfungen und Menschenansammlungen meiden. Einige dieser Maßnahmen sind für Kleinkinder – vor allem die, die sich in der Kinderbetreuung in Gruppen aufhalten – kaum umsetzbar. Aber wie sieht es mit der Vitamin-Einnahme aus? Können Kinder durch zusätzliches Vitamin D – entweder noch in der Schwangerschaft oder im frühen Kindesalter – vor Infektionen geschützt werden? Das hat eine Forschungsgruppe aus Neuseeland untersucht und dafür 107 Studien mit über 31.500 Teilnehmenden analysiert. Kann die Einnahme von Vitamin D Kinder vor Atemwegsinfekten schützen? Die Ergebnisse der Übersichtsarbeit von Marisa van Arragon, Cameron C Grant, Robert Kr Scragg, Vanessa Mb Jordan wurden in der medizinischen Datenbank Cochrane Database of Systematic Reviews im April 2026 veröffentlicht. Ihre Hypothese: Da bei vielen Kindern und Schwangeren ein Vitamin-D-Mangel beziehungsweise niedrige Vitamin-D-Werte vorliegen, könnte eine Vitamin-D-Gabe eine unkomplizierte vorbeugende Maßnahme gegen akute Atemwegsinfektionen bei Kindern unter fünf Jahren sein. Denn die Supplementierung sei sicher, kostengünstig und einfach anzuwenden. Dabei wurde untersucht, ob sich durch die Gabe von Vitamin D die Anzahl der Kinder, die wegen einer akuten Atemwegserkrankung behandelt werden müssen, verringert und ob sich die Häufigkeit der Behandlungen pro Kind im Durchschnitt reduziert. Auch ob eine höhere Dosierung des Vitamin D einen Einfluss auf die Wirkung hat, wurde geprüft. Die analysierten Studien untersuchten, wie sich die Gabe von Vitamin D in der Schwangerschaft, im Säuglings- und Kleinkindalter oder in beiden Phasen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe auswirkt. Doch die Ergebnisse zeigen, dass Vitamin D nur eine geringfügige Wirkung auf die Zahl der Atemwegsinfekte hat: Der Anteil der Kinder, die wegen eines Atemwegsinfekts mindestens einmal eine Arztpraxis oder Klinik aufsuchten, ging leicht zurück. Die durchschnittliche Anzahl der Arztkontakte pro Kind blieb unverändert. Auch höhere Dosierungen reduzierten weder die Zahl der betroffenen Kinder noch die Zahl der Arztbesuche. Zur Einordnung weisen die Autorinnen und Autoren der Übersichtsarbeit darauf hin, dass die Aussagekraft der ausgewerteten Studien zum Teil begrenzt ist, unter anderem weil einige Untersuchungen nur wenige Teilnehmende einschlossen und sich sowohl die Vitamin-D-Dosierungen als auch die Methoden zur Erfassung akuter Atemwegsinfektionen unterschieden. Um den Einfluss von Vitamin D auf akute Atemwegserkrankungen bei Kleinkindern verlässlich beurteilen zu können, seien daher größere und methodisch gut geplante Studien erforderlich. Brauchen Kinder allgemein zusätzliches Vitamin D? Laut der Apotheken-Umschau benötigen Kinder ab einem Jahr etwa 20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag. Etwa 80 bis 90 Prozent dieses Tagesbedarfs werden unter dem Einfluss von Sonnenlicht von der Haut gebildet. Bei Säuglingen und Kleinkindern, die sich noch nicht in der direkten Sonne aufhalten dürfen, kann ein zu niedriger Vitamin-D-Spiegel die Folge sein. Der kann wiederum zu einer Rachitis führen, eine durch Knochenerweichung und Deformitäten gekennzeichnete Erkrankung. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (DGKJ) empfiehlt daher laut kinderaerzte-im-netz.de für Kinder in den ersten zwölf Lebensmonaten die tägliche Gabe von einer Vitamin-D-Tablette von 10–12,5 Mikrogramm. Die Prophylaxe kann im zweiten Lebensjahr in den Wintermonaten fortgeführt werden. Ob ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, kann der Kinderarzt durch eine Blutuntersuchung feststellen.

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