Kanzler im Nahverkehr: Merz: Ich fahre manchmal noch S-Bahn in Berlin
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Berlin – Überraschende Aussage des Bundeskanzlers beim großen Wahlkampf-Abschluss mit den Berliner Parteifreunden um CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers (46) im Adenauer-Haus. Als Evers ihn am Ende der kleinen Kundgebung fragte, was er persönlich an Berlin liebe, sagte Friedrich Merz (70), er habe in Berlin einige private Freunde, die er wegen seines Regierungsamtes leider nur noch selten sehe. Sein Radius sei auf den Bezirk Mitte begrenzt.
Aber: „Ich fahre nach wie vor hin und wieder mit der S-Bahn.“ Denn: „S1, S2, S25 führen mich zum Ziel.“
Er genieße den „historischen Ort“, wenn er – nach Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel – an der Station am Pariser Platz mit Blick aufs Brandenburger Tor aussteige. Zwar gebe es „viele Menschen in meinem Umfeld, die das nicht so gerne mögen, aber ich mag das hin und wieder“. Er steige dann aus der S-Bahn am Pariser Platz aus, gehe durch das Brandenburger Tor , nehme bewusst einen kleinen Umweg in den Bundestag. Und wenn er „ein bisschen Zeit“ habe, dann gehe er „noch an dieser kleinen Plakette vorbei, die zu Ehren von Ronald Reagan auf der Westseite des Brandenburger Tors neu installiert worden ist.“
Wenn es noch früh am Morgen sei und noch wenig Verkehr da sei, dann „genieße“ er „einfach diesen historischen Ort“. Dann sei er auch „persönlich wirklich voller Dankbarkeit, dass ich heute durch dieses Brandenburger Tor gehen kann und darf“.
Nicht überall ist es so sicher für den Kanzler wie im öffentlichen Nahverkehr von Berlin: Bei zwei Auftritten im Sachsen-Anhalt-Wahlkampf in Leuna musste der Regierungschef von Scharfschützen bewacht werden . Schwerbewaffnete Personenschützer sind immer in seiner Nähe. In der Regel nutzt Merz die Dienstlimousine.
Als Merz noch nicht Kanzler, sondern Kanzlerkandidat war, hatte er schon einmal vom Bahnfahren erzählt: „Ich fahre hier in Berlin relativ häufig S-Bahn und U-Bahn, meine Sicherheitsleute mögen das mittlerweile nicht mehr, aber ich fahre hier sehr viel“, sagte Merz in der ARD-Sendung ‚Wahlarena’ am 17. Februar 2025.
Auch sonst war viel Berlin-Pathos beim großen Wahlkampf-Abschluss. Merz sagte über Spitzenkandidat Evers: „Mit einem solchen Regierenden können wir alle weiter stolz sein auf unsere Hauptstadt.“ Und: „Manchmal machen wir uns ein bisschen kleiner, als wir wirklich sind.“ Die Verwaltungsreform in Berlin habe erreicht, dass Bürger ihren Führerschein innerhalb weniger Stunden beantragen könnten. „Das möchte ich für unser ganzes Land erreichen, was Ihr hier in Berlin geschafft habt.“
Evers revanchierte sich mit einem Dank an Merz für die „Umsetzung der Migrationswende“. Der jahrelang „ungebrochene Flüchtlingsstrom hat Berlin herausgefordert“. Hunderttausende Menschen seien nach 2015 neu hinzugekommen. „Dass Ihr hier endlich Entlastung geschafft habt, dafür ist Berlin Euch dankbar.“
Auffällig: Merz und Evers markierten die Linkspartei, die in Berlin in Umfragen gleichauf mit der CDU liegt und die Bürgermeisterin stellen könnte, als neuen Hauptgegner. Die von der Linken geplanten Zwangsenteignungen von Wohnkonzernen könnten nicht das Ziel sein, so Evers. Der Plan bedeute nichts als „steigende Mieten“ und zeige, „wie die Linke tickt“. Sie sei eine „Partei, die Not schafft und verschärft und anschließend populistisch ausschlachtet“. Auch Judenfeindlichkeit habe in Berlin nichts zu suchen. Eine Anspielung auf den Antisemitismus-Skandal in der Berliner Linkspartei. Auch Merz war hier glasklar: „Wir dürfen das nicht dulden.“
Als Gast war u.a. der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck (Grüne), zur CDU gekommen. Er sagte in eindringlichen Worten, er „fürchte sich“ vor einer Regierungsbeteiligung der Linken in Berlin. Denn: Die Partei schaffe es nicht, bei der Judenfeindlichkeit „klare Kante“ zu ziehen.