Kanzler in der Krise: Wie Friedrich Merz seinen Machtverfall stoppen will
Dortmund, Rovaniemi. Auf seiner letzten wichtigen Auslandsreise gab es Worte der Wertschätzung für den scheidenden Regierungschef. Er habe sich um eine „starke Nato“ und ein „einiges Europa“ bemüht, man verabschiede ihn nun mit „einem gewissen Bedauern“.
Mitte Juni war das. Die Spitzen der wichtigsten EU-Staaten trafen sich im Berliner Kanzleramt, um den Nato-Gipfel in Ankara vorzubereiten. Gastgeber Friedrich Merz trat in seiner Paraderolle auf. Als Außenkanzler und De-Facto-Anführer der Europäer dankte er dem glücklosen britischen Premier Keir Starmer, der nach einer innerparteilichen Revolte seinen Posten räumen musste.
Drei Monate später ist es Merz, der um sein Amt kämpft. Nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt, bei dem die in weiten Teilen rechtsextreme AfD die CDU halbierte, schwindet der Rückhalt für den Kanzler in den eigenen Reihen rasant. Geht es so weiter, könnte Merz schon sehr bald wie Starmer enden.
In der bisher schwersten Krise seiner Kanzlerschaft scheint sich Merz entschlossen zu haben, Normalität zu simulieren. Im Freizeit-Jackett eilt er am Sonntagmittag über das Rollfeld des Dortmunder Flughafens. Ein kurzes Wochenende im Sauerland, seiner Heimat, liegt hinter ihm, ein Gipfeltreffen zur europäischen Arktispolitik vor ihm. Ein grauer Airbus der Luftwaffe soll ihn nach Finnland bringen, nach Rovaniemi am Polarkreis.