Kanzler lachte sie aus
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Merz und sein Umgang mit der Kinderärztin zeigen, warum der Kanzler so unbeliebt ist
Von: Katja Thorwarth
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Am Donnerstag lieferte sich Kanzler Merz im TV einen Schlagabtausch mit einer Kinderärztin. Der soll hinter den Kulissen weitergegangen sein.
Berlin – Friedrich Merz (CDU) ist Umfragen verschiedener Institute zufolge der unbeliebteste Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik. Das dürfte nicht nur an seiner Politik liegen, die sich in erster Linie darauf konzentriert, den Rotstift bei Familien, Sozialleistungen und Normalverdienern anzusetzen: Merz gilt als überheblich gegenüber den Wählenden und seinen Parteifreunden, als kritikresistent und wenig volksnah. Letzteres hat er kürzlich wieder unter Beweis gestellt.
Am Donnerstagabend meldete er sich nach seinem Sommerurlaub in der Sendung RTL Aktuell Spezial: Ein Tisch mit Friedrich Merz zurück – und demonstrierte einmal mehr fehlendes Fingerspitzengefühl. Zunächst hatte die Kinderärztin Bea Merscher aus Niedersachsen ihrem Ärger über die schwarz-rote Gesundheitsreform Luft gemacht. Warum er seinen Amtseid breche und „menschenverachtende und zerstörerische Gesetze“ wie das Sparpaket bei den Gesundheitsausgaben erlasse, fragte sie.
„Er lachte mich aus!“: Kanzler Merz lehnt Angebot von Kinderärztin Merscher ab
Merz reagierte sichtlich erregt: „Das geht jetzt ein bisschen über das normale Maß der Kritik hinaus ... Das ist eine persönliche Herabsetzung, die geht zu weit.“ Er sei bereit, Kritik hinzunehmen: „Dass wir Probleme haben und dass wir die lösen müssen, einverstanden. Aber das geht zu weit.“ Merscher, die am 5. September in Berlin eine Demonstration gegen die Kürzungen im Gesundheitswesen organisiert, konterte: „Das, was Sie im Gesundheitssystem machen, Herr Merz, geht auch zu weit.“
Gegenüber der Bild-Zeitung äußerte sich die Ärztin dazu, was hinter den Kulissen nach der Sendung noch vorgefallen ist. So seien alle Gäste zu einem Fototermin zusammengekommen, Merz offenbar immer noch auf 180 gewesen. Der habe zu Merscher gesagt, dass ihre Aussagen in der Sendung „straffällig“ gewesen seien – woraufhin sie nach eigenen Angaben ein erneutes Treffen mit dem Kanzler vorgeschlagen habe. Und Merz? Merscher: „Er lachte mich aus!“
In einem Video-Clip auf Instagram wird sie konkreter und sagt, dass sie ihn zu ihrer Demo am 5. September eingeladen habe: „Er war noch sichtlich pikiert von meiner Aussage, dass er menschenverachtende Gesetze erlässt und seinen Amtseid bricht. Und ich habe dann gesagt: ‚Kommen Sie doch, zeigen Sie Volksnähe. Kommen Sie zu unserer Demo.“ Merz soll mit einem höhnischen Kichern reagiert und einen Satz gesagt haben: „Ganz sicher nicht.“
Merk wirft Kinderärztin „Straffälligkeit“ vor – Juristin kontert
„Das ist unser Bundeskanzler. Ich lasse das so stehen“, kommentiert die Kinderärztin und liefert noch einen Zeugen – den Sendungsfotografen Oliver Bernd. Der erzählt: „Er war sehr von oben herab, auch dieses Lachen. War nicht schön.“ Damit hat der Kanzler abermals eine Chance vertan, sich mit Kritikern auf Augenhöhe auszutauschen und seine Politik auch denen zu vermitteln, die sie ablehnen.
Rechtsanwältin Julia Dokara hat seine Aussage der Straffälligkeit noch geprüft: „Hat Dr. Bea mit ihrer Kritik an Friedrich Merz eine strafbare Grenze überschritten?“, fragt sie in einem Video und gibt die Antwort gleich mit: „Meiner Einschätzung nach: sehr wahrscheinlich nicht.“ Denn politische Kritik sei „nicht automatisch Beleidigung oder Verleumdung. Gerade wenn es um politische Entscheidungen, deren Folgen und den Amtseid geht, schützt Art. 5 GG auch zugespitzte und unbequeme Wertungen.“ Außerdem: „Meinungsfreiheit ist nicht nur für angenehme Aussagen da.“ (Quellen: eigene Recherche, dpa, Der Westen, Bild) (ktho)