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Kanzler Schröder besucht in Moskau Supermarkt von Hyperglobus

Welt

Nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat einer russischen Supermarktkette ist Ex-Kanzler Gerhard Schröder von Beschäftigten einer Moskauer Filiale mit Applaus empfangen worden. Schröder betrat die Hyperglobus-Filiale im Westen der Hauptstadt lächelnd, wie Aufnahmen des Senders RBC zeigten.

Ein Sprecher vor Ort sagte angesichts der klatschenden Mitarbeiter zu Schröder: „Ich glaube, an den Emotionen spüren Sie, was die Leute für Sie empfinden.“ Der Handelskonzern bestätigte den Besuch.

In einer der Aufnahmen ist zu sehen, wie der 82-Jährige neben seiner Ehefrau So-yeon Schröder-Kim, umringt von Reportern, lächelnd durch den Supermarkt geht. Ein Begleiter Schröders weist einige der rückwärts laufenden und fotografierenden Journalisten noch mit einem „Vorsicht!“ zurecht, dass sie aufpassen und Abstand wahren sollen.

Der Altkanzler reagiert daraufhin beschwichtigend mit „Lass sie doch.“ Kurz darauf ist schepperndes Glas zu hören, nachdem einer der Reporter rückwärts in mehrere Champagnerflaschen gelaufen ist. Schröder und seine Entourage laufen lächelnd im Bogen daran vorbei.

Schröder nennt Hyperglobus-Beschäftigte „meine Kollegen“

In einer weiteren Aufnahme des staatlichen Nachrichtenportals Vesti.ru ist zu sehen, wie Schröder und seine Ehefrau an einer Frischetheke vorbeigehen. „Ein schöner Laden“, sagt der Altkanzler dabei. Kurz danach schüttelt er der Leiterin der Bäckereiabteilung vor den Kameras die Hand und probiert ein Stück Lachs sowie „den Zarenfisch Stör“, wie eine Supermarktmitarbeiterin erklärt. „Sehr gut“, kommentiert Schröder und zeigt seinen erhobenen Daumen.

Danach posieren Schröder und seine Frau in der Textilienabteilung mit einem Kissen, auf dem eine sichtlich mürrische Katze abgebildet ist. „Zwei Katzen“, kommentiert eine anwesende Person diese Szene.

„Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen“, zitierte der Sender RBC den 82‑Jährigen. In einem veröffentlichten Videomitschnitt war zu sehen, wie Schröder in seiner Rede an die Belegschaft auf seine Vergangenheit einging: „Hier spricht jemand, der selber nach der Schule Einzelhandelskaufmann gelernt hat.“ Er ergänzte: „Ich bin also ein Kollege.“

Schröder soll „in Gesamtleitung eingebunden“ werden

Schröder war nach RBK-Angaben von den Anteilseignern bereits am 30. September in den Aufsichtsrat aufgenommen worden. Er werde an der allgemeinen Unternehmensführung teilnehmen und die strategische Entwicklung der Firma in Russland leiten, hieß es unter Berufung auf einen Hyperglobus-Sprecher. In dem Rahmen sei der Altkanzler auch „in die Gesamtleitung eingebunden“.

Hyperglobus-Eigentümer Thomas Bruch zufolge sei Schröders neue Aufsichtsratstätigkeit „auf den Bedarf an verstärkter fachlicher Unterstützung zurückzuführen“. Bei der Ernennung habe demnach die langjährige Erfahrung im russischen Politik- und Wirtschaftsleben des Altkanzlers eine Rolle gespielt. Die Besetzung solle es dem Unternehmen ermöglichen, einen dialogorientierten Ansatz zu verfolgen.

Einer Presseerklärung des Hyperglobus-Konzerns zufolge wolle Schröder den Fokus auf die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Beziehungen und Investitionen in Russland setzen. „Gerade in Krisenzeiten sind diese Beziehungen besonders wichtig: Sie ermöglichen es uns, einander zuzuhören und Wege in die Zukunft zu finden“, sagte er der Presseerklärung zufolge.

Schröder steht wegen seiner Putin-Nähe in der Kritik

Schröder steht wegen seiner Verbindungen zur russischen Wirtschaft und zu Präsident Wladimir Putin in der Kritik. Diese Kontakte bestanden auch nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 und den darauffolgenden westlichen Sanktionen fort.

Schröder war bis 2005 Bundeskanzler und baute während seiner Amtszeit eine enge Beziehung zu Putin auf. Später war er zudem für russische Staatskonzerne tätig.

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