Kapitalrente: Investiert die Bundesbank bald die Renten-Milliarden?
Reform der Regierung Wohin mit den Rentenmilliarden? 09.07.2026 - 13:29 UhrLesedauer: 4 Min. Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00 Jetzt neu bei t-online: Schriftgröße anpassen! Wer investiert die neuen Rentenmilliarden? Mit der Bundesbank wagt sich jetzt ein weiterer Interessent für die Verwaltung der neuen Kapitalrente aus der Deckung. Es war wohl die weitreichendste Idee der Rentenkommission, nichts weniger als eine rentenpolitische Revolution: Ein Teil der gesetzlichen Rente der Deutschen soll künftig am Kapitalmarkt angelegt werden, damit das System den demografischen Wandel übersteht und die Rente perspektivisch möglichst stärker steigt als bisher. Die Bundesregierung will die Ideen der Kommission nach der Sommerpause in Gesetze umwandeln. Die sogenannte Kapitalrente soll dann zur Pflicht für alle werden. Das Geld dafür soll aus einem zusätzlichen Beitrag von zwei Prozent des Bruttolohns stammen, den sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen. Eine wichtige Frage ist bislang allerdings ungeklärt: Wer legt das Geld der Deutschen am Kapitalmarkt an? Mit der Bundesbank signalisiert jetzt eine weitere deutsche Institution ihre Bereitschaft dazu. Der SPD gefällt das. Bundesbank führt die eigene Erfahrung an Die Vizepräsidentin der Bundesbank, Sabine Mauderer, verwies im "Tagesspiegel" auf die Erfahrung der Bundesbank. "Aktuell haben wir am Kapitalmarkt rund 140 Milliarden Euro für die öffentlichen Kunden angelegt", sagte Mauderer. "Wir sind so aufgestellt, dass wir aus dem Stand weitere Gelder für den Staat investieren können." Die deutsche Zentralbank legt seit 30 Jahren für den Bund und die Bundesländer Geld an, sie verwaltet demnach etwa die Pensionsvermögen mehrerer Bundesländer sowie den Pflegevorsorgefonds. Die Bundesbank beschäftigt für alle ihre Aufgaben mehr als 10.000 Mitarbeiter. Im Video | Geld im Alter reicht nicht aus: "Wir gehen beide noch arbeiten" Player wird geladen Mauderer lobte die Idee der Aktienrente. "So wird die Rente auf breitere Füße gestellt", sagte sie dem "Tagesspiegel". Sie erwartet, dass den Rentnern durch die Rendite der Anlagen am Ende mehr Rente bleibt. Wie viel Rendite sie anstrebt, sagte sie jedoch nicht. "Ob Aktien, Staats- oder Unternehmensanleihen, wir legen nach den jeweiligen Bedürfnissen unserer Kunden an." Bei der Rente müsse es darum gehen, eine "solide Rendite mit angemessenem Risiko zu erzielen". Das Depot der Bundesbank würde jedenfalls noch einmal erheblich anwachsen. Die Beiträge für die Kapitalrente sollen den Plänen zufolge mehr als 30 Milliarden Euro betragen – und zwar jedes Jahr. Der Kenfo hat auch Interesse Für die Verwaltung dieser Milliarden hatte sich in den vergangenen Wochen schon ein weiterer Interessent in Stellung gebracht: der ebenfalls staatliche "Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung", kurz: Kenfo. Rund 50 Mitarbeiter verwalten dort gerade rund 26,5 Milliarden Euro, die die Energiekonzerne eingezahlt haben, um die Kosten für die Atommülllagerung zu tragen. Kenfo-Chefin Anja Mikus sagte erst kürzlich dem "Spiegel": "Wir würden gern am Erfolg der Kapitalrente mitarbeiten." Als Argument in eigener Sache darf man die Rendite des Staatsfonds werten, die seit Gründung 2017 bei im Schnitt 5,6 Prozent pro Jahr liegt. Der Kenfo war auch schon von der Rentenkommission als ein Beispiel für einen "öffentlichen, international wettbewerbsfähigen Fonds" genannt worden, der für die Verwaltung der Kapitalrente etabliert werden solle. Im politischen Berlin waren aber immer auch Alternativen wie die Bundesbank genannt worden. SPD: Bundesbank genau der richtige Partner Wer das Rentenvermögen am Ende für die Deutschen verwaltet, wird erst im Gesetzgebungsverfahren festgelegt. Die Bundesregierung hat sich vorgenommen, dies im Herbst zügig anzugehen und abzuschließen. Die finanzpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Frauke Heiligenstadt, begrüßt den Vorstoß der Bundesbank und lässt schon jetzt eine Vorliebe erkennen. Heiligenstadt sagte t-online, mit der Kapitalrente, der reformierten privaten Altersvorsorge und der Frühstartrente stelle die Koalition die Altersvorsorge breit auf und ermögliche allen Menschen "eine Teilhabe an den positiven Entwicklungen des Kapitalmarkts". Die SPD-Finanzpolitikerin betonte: "Die Bundesbank ist genau der richtige Partner für die Umsetzung. Sie ist erfahren, hat das Vertrauen der Regierung und der Bevölkerung und bringt die Infrastruktur mit, um schnell an den Start zu gehen." FDP-Idee feiert Comeback Die Kapitalrente erinnert stark an das Modell, das Schweden bereits Ende der 1990er-Jahre eingeführt hat, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Dort ergänzt die kapitalgedeckte Prämienrente das umlagefinanzierte System. Insgesamt fließen 18,5 Prozent des Einkommens der Schweden in die gesetzliche Altersvorsorge, 2,5 Prozent davon werden direkt am Kapitalmarkt angelegt. So ähnlich hatte es einst auch die FDP für ihre Idee der "Aktienrente" geplant, bevor das Vorhaben erst zum schuldenfinanzierten "Generationenkapital" verwässerte und schließlich gemeinsam mit der Ampelkoalition scheiterte. Für die Verwaltung des Generationenkapitals war damals der Kenfo vorgesehen. Mit der Kapitalrente erlebt die ursprüngliche FDP-Idee nun ein Comeback. Schwedenrente bisher sehr erfolgreich Neben dem regulären Rentenbeitrag von derzeit 16,8 Prozent sollen künftig zusätzlich zwei Prozent des Bruttolohns gezahlt werden. Die Einführung soll idealerweise ab 2028 in jährlichen Schritten von 0,5 Prozentpunkten erfolgen, um einen sprunghaften Anstieg der Beiträge zu vermeiden. Wie viel weniger Netto das zunächst bringt, lesen Sie hier. Loading... Loading... Loading... Wer nicht in den öffentlichen Fonds einzahlen will, soll aus Sicht der Rentenkommission alternativ auch aus einer "möglichst begrenzten Anzahl zertifizierter Anlagefonds weiterer Anbieter auswählen können, die denselben strengen Kriterien unterliegen müssen". So praktizieren es auch die Schweden, wobei die große Mehrheit dort trotzdem auf den staatlichen Standardfonds AP7 Såfa setzt. "Såfa" bedeutet auf Deutsch übrigens genau das, wonach es aussieht: Sofa. Der Name soll signalisieren, dass man sich entspannt zurücklehnen kann. Und diesem Versprechen wird der Schwedenfonds durchaus gerecht: In den vergangenen 25 Jahren erzielte der AP7 Såfa eine jährliche Rendite von rund 11 Prozent. Kapitalrente bringt Hunderte Euro extra pro Monat Wie viel mehr Rente selbst mit einer geringeren Rendite möglich ist, zeigen Berechnungen der Geldanlageplattform Growney: Nimmt man an, dass die neue Kapitalrente eine durchschnittliche Rendite von 6,5 Prozent pro Jahr nach Kosten erzielt, könnte ein heute 35-Jähriger mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 4.500 Euro im Ruhestand auf rund 265 Euro zusätzliche Rente kommen. Ein heute 25-Jähriger mit demselben Gehalt hätte rund 525 Euro zusätzlich. Die Kapitalrente ist übrigens nicht zu verwechseln mit dem staatlich organisierten Standarddepot, das die Bundesregierung als Teil der neuen privaten Altersvorsorge ab 2027 einführen will. Wie diese freiwillige Vorsorge funktioniert und wie hoch die staatliche Förderung dafür ausfällt, lesen Sie hier. Auch dort ist man noch auf der Suche nach einem öffentlich-rechtlichen Träger, der die Beiträge der Sparer verwaltet. Die heißesten Kandidaten: Bundesbank und Kenfo.