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Kapitalrente könnte bis zu 250.000 Jobs gefährden

Allgemein

Startseite Wirtschaft Studie: Kapitalrente kostet 45 Milliarden Euro – und Hunderttausende ihren Arbeitsplatz Von: Marcel Reich Uns auf Google folgen Die geplante Kapitalrente soll die Rente sichern, könnte laut IMK und WSI aber bis zu 250.000 Jobs gefährden und das Wachstum bremsen. München – Die Rente soll sicherer werden – doch der Weg dorthin könnte Hunderttausende ihren Job kosten. Eine neue Studie warnt vor erheblichen wirtschaftlichen Folgen der geplanten Rentenreform. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung haben berechnet, dass die geplante Kapitalrente bis zu 250.000 Arbeitsplätze gefährden könnte. Für deutsche Beschäftigte und Unternehmen bedeutet das: Die Reform, die die Rente langfristig sichern soll, könnte kurzfristig spürbare Einbußen bringen. Kapitalrente könnte bis zu 250.000 Jobs kosten Die Bundesregierung hat angekündigt, die Empfehlungen der Rentenkommission vollständig umzusetzen. Die Kommission war von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) eingesetzt worden. Ob die Vorschläge im parlamentarischen Prozess unverändert übernommen werden, ist jedoch noch offen. Nach den Plänen der Rentenkommission sollen Arbeitnehmer und Arbeitgeber ab 2028 schrittweise zusätzliche Beiträge zahlen. Bis 2031 soll der Beitragssatz um insgesamt zwei Prozentpunkte steigen – je zur Hälfte von Beschäftigten und Unternehmen. Den Haushalten bleibt damit weniger Netto vom Brutto. Gleichzeitig steigen die Lohnnebenkosten für Betriebe. Laut IMK und WSI ist deshalb für die kommenden Jahre mit gedämpftem Konsumwachstum zu rechnen. Dadurch könnten gleichzeitig nach den Berechnungen bis zu 250.000 Arbeitsplätze wegfallen. Besonders problematisch sei das, weil die deutsche Wirtschaft derzeit stärker als früher auf die Binnennachfrage angewiesen sei. Nach Modellrechnungen der beiden Institute könnte die Reform bis Anfang der 2030er-Jahre rund ein Prozent Wirtschaftswachstum kosten. Das entspräche einer Wirtschaftsleistung von rund 45 Milliarden Euro. Eine Folge davon wären auch niedrigere Einnahmen für Staat und Sozialversicherungen. Höhere Beiträge bremsen Konsum und Wachstum Der Kern des Problems liegt in der Konstruktion des neuen Kapitalstocks. Anders als heutige Rentenbeiträge fließen die zusätzlichen Gelder nicht unmittelbar als Rentenzahlungen zurück in den Wirtschaftskreislauf. Stattdessen werden sie über Jahrzehnte an internationalen Kapitalmärkten angelegt. „Ein Fonds am Aktienmarkt muss erst einmal mühsam aufgefüllt werden, bevor man Erträge auszahlen kann“, erklärte IMK-Direktor Sebastian Dullien. „Der jetzt gewählte Weg bedeutet, dass in den kommenden Jahrzehnten Erwerbstätige zunächst doppelt bezahlen müssen – einmal für die Rente der Älteren und einmal zum Aufbau des Kapitalstocks.“ Beschäftigte müssten für zwei Rentensysteme zahlen Nach Berechnungen der Wissenschaftler würde der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung bis 2032 von derzeit 18,6 Prozent auf rund 22 Prozent steigen. Ohne den Aufbau der Kapitalrente läge er nach ihren Berechnungen lediglich bei etwa 20,4 Prozent. „Das ist besonders problematisch, weil die deutsche Wirtschaft derzeit entscheidend auf die Binnennachfrage angewiesen ist“, so Dullien. Auch Mitglieder der Rentenkommission räumen die kurzfristigen Belastungen ein. Die Volkswirtin Camille Logeay sagte dem „Handelsblatt“: „Wenn man die Kapitalrente möchte, ist genau das der Preis.“ Kommissionsmitglied Peter Bofinger ergänzte: „Wenn ich diesen Betrag nicht für die Nachfrage habe, hat das ganz klar dämpfende Effekte.“ Beide verteidigten dennoch den Gesamtkompromiss. Die Reform sei das Ergebnis intensiver Verhandlungen und müsse als Gesamtpaket betrachtet werden. Rentenkommission verteidigt Reform trotz Belastungen Die Rentenkommission erwartet, dass die Kapitalrente langfristig die gesetzliche Rentenversicherung stabilisiert. Die Erträge aus der Kapitalanlage sollen künftig einen Teil der Altersversorgung finanzieren. Dadurch soll sowohl das Rentenniveau steigen als auch der Druck auf Beitragssätze und Steuerzuschüsse sinken. Für Menschen, die kurz vor dem Ruhestand stehen und kaum noch vom Kapitalstock profitieren können, empfiehlt die Kommission einen steuerfinanzierten Niveauzuschlag. Kapitalrente soll Rentenniveau langfristig stabilisieren IMK und WSI begrüßen grundsätzlich das Ziel, die gesetzliche Rentenversicherung langfristig zu stabilisieren. Ihre Kritik richtet sich vor allem gegen die gewählte Finanzierungsform. Als Alternative nennen die Autoren das von der früheren Ampelkoalition geplante Generationenkapital. Dabei hätte der Staat den Kapitalstock zunächst über Kredite aufgebaut. Kurzfristig wären weder die verfügbaren Einkommen der Haushalte noch die Konsumnachfrage so stark belastet worden. Auch ein Generationenfonds, der über eine einmalige Vermögensabgabe finanziert würde, sei eine Option. Ebenso käme eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge für alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Betracht. Da bereits rund die Hälfte der Menschen in Deutschland betrieblich abgesichert sei, wären die negativen Effekte auf Konsum und Nachfrage geringer. Gratis für Sie: Der große Renten-Ratgeber So holen Sie das meiste aus Ihrer Rente. Versteckte Fehler vermeiden. Dies und viele Tipps von Renten-Profis finden Sie in unserem kostenlosen Ratgeber. Laden Sie sich HIER den Ratgeber kostenlos als PDF herunter Forscher schlagen andere Finanzierung der Rente vor Darüber hinaus kritisieren die Wissenschaftler, dass die Kommission ihren Auftrag zu eng verstanden habe. „Die wahren Stellschrauben für die Nachhaltigkeit der Rentenversicherung liegen in einer etwas höheren Zuwanderung und der Erschließung bislang ungenutzter Beschäftigungspotenziale am Arbeitsmarkt, etwa bei Frauen und Langzeitarbeitslosen“, sagte Dullien. Diese Fragen habe die Kommission nicht betrachtet – „was dazu führt, dass sie jetzt auch politisch wohl nicht diskutiert werden“. (Verwendete Quellen: Handelsblatt, WSI)

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