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Karl beim FC Bayern nach Ausfall von Díaz gefordert

Sport

Karl beim FC Bayern nach Ausfall von Díaz gefordert - doch die große Chance kommt im schlechtesten Moment

Von Thomas Gaber

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Der Ausfall von Luis Díaz öffnet Lennart Karl beim FC Bayern plötzlich die Tür. Doch der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein: In der Champions League gegen Arsenal blieb der 18-Jährige nach seiner Einwechslung erneut blass, das Momentum ist weg. Auch Max Eberl räumt ein, Karl sei "noch nicht auf Top-Niveau". Ausgerechnet jetzt muss das Bayern-Juwel zeigen, wie weit es wirklich ist.

Eigentlich ist es genau die Situation, auf die ein junger Spieler beim FC Bayern wartet. Vorne fällt eine wichtige Kraft aus, Einsatzminuten werden frei, die Hierarchie gerät zumindest vorübergehend in Bewegung. Für Lennart Karl könnte sich damit eine Tür öffnen.

Das Problem: Ausgerechnet jetzt läuft der 18-Jährige seiner besten Form hinterher. Das 2:2 gegen Arsenal passte ins Bild. 22 Minuten ließ Vincent Kompany den Youngster auf den Platz, seine Bilanz blieb ernüchternd: neun Ballkontakte, kein gewonnener Zweikampf, kein Torschuss. Vor allem aber fehlte jene Angriffslust, die Karls Spiel normalerweise auszeichnet. Statt Risiko wählte er stets die Sicherheitsvariante.

Kompany sprach anschließend von "viel Logik in den Entscheidungen", sowohl mit Blick auf den angeschlagenen Luis Díaz als auch auf Karl, der noch nicht wieder bei 100 Prozent ist.

Noch deutlicher wurde Max Eberl. "Lennart hat noch nicht sein Top-Niveau", räumte der Sportvorstand ein. Vor dem Arsenal-Ausgleich sei zu erkennen gewesen, dass "Lenny nicht in die Bewegung gekommen ist, eins gegen eins spielen zu können".

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Keine Krise - aber die Erwartung dreht sich

Entscheidend ist dabei weniger, dass Karl Zweikämpfe verliert oder Aktionen misslingen. Für einen Spieler, dessen größte Qualitäten Mut, Unbekümmertheit und das Eins-gegen-eins sind, ist vielmehr auffällig, wie selten er überhaupt in jene Situationen kommt, in denen er seine Stärken ausspielen kann.

Das zeigt nicht nur der Auftritt gegen Arsenal. Dreimal stand Karl in dieser Saison bislang in der Startelf: gegen Schalke, Elversberg und Stavanger. Durchgespielt hat er nie. In Stavanger war sogar bereits nach einer schwachen ersten Halbzeit Schluss.

Von einer Krise zu sprechen, wäre trotzdem überzogen, schließlich hat Karl keinen normalen Sommer hinter sich. Im Juni erlitt er einen Muskelbündelriss im linken vorderen Oberschenkel und verpasste dadurch die Weltmeisterschaft. Erst Ende August stand er den Bayern wieder zur Verfügung.

Bislang waren gute Auftritte des Teenagers vor allem Versprechen für die Zukunft, schwächere Leistungen Teil einer Entwicklung. Nun könnte aus dem Bonus plötzlich eine Erwartung werden. Die Bayern benötigen nach dem längerfristigen Ausfall von Díaz und des noch offenen Comeback-Zeitpunkts von Jamal Musiala in der Offensive Alternativen und damit verändert sich auch Karls Rolle.

Er muss nicht beweisen, dass er mit 18 bereits ein fertiger Bayern-Spieler ist. Aber er muss wieder jene Eigenschaften zeigen, durch die er überhaupt so weit gekommen ist.

Schwieriger Spagat für Kompany

Genau deshalb ist Eberls Beobachtung so interessant. Dass Karl gegen Arsenal keinen Einfluss auf das Spiel nehmen konnte, ist das eine. Dass er kaum in die Position kam, seine Gegenspieler im Eins-gegen-eins herauszufordern, ist für seine weitere Entwicklung entscheidender.

Dadurch entsteht auch für Kompany ein schwieriger Spagat. Karl braucht Minuten, um Rhythmus und Selbstvertrauen aufzubauen. Bayern benötigt gleichzeitig Spieler, die diese Minuten möglichst sofort nutzen. Darin liegt die Herausforderung bei einem europäischen Spitzenklub. Talente sollen behutsam entwickelt werden. Öffnet sich aber eine Lücke, zählt plötzlich die unmittelbare Wirkung.

Und die Gelegenheit könnte für Karl kaum größer sein. Durch den Ausfall von Díaz werden in der Offensive Einsatzzeiten frei. Ausgerechnet jetzt fehlt Karl jedoch jene Selbstverständlichkeit, mit der er sich überhaupt in den Vordergrund gespielt hat.

Karl braucht keine Neuerfindung seines Spiels

Die kommenden Wochen sind deshalb keine Prüfung darüber, ob er grundsätzlich Bayern-Niveau besitzt. Vielmehr könnten sie zeigen, wie weit er schon darin ist, eine sportlich schwierige Phase selbst zu überwinden.

Kann Karl Spiele beeinflussen, wenn das Momentum nicht auf seiner Seite liegt? Traut er sich weiterhin Aktionen zu, wenn vorher zwei oder drei nicht funktioniert haben?

Noch vor wenigen Monaten musste er sich beim FC Bayern Einsatzminuten verdienen. Jetzt könnte die Mannschaft darauf angewiesen sein, dass er sie mit Wirkung füllt. Dafür braucht Karl keine Neuerfindung seines Spiels. Bayern braucht schlicht wieder den Spieler, der mit Ball am Fuß unbekümmert den Weg nach vorne sucht und den Gegenspieler attackiert.

Die Gelegenheit ist da, das Momentum nicht. Für Karl geht es jetzt darum, sich das eine auch ohne das andere zu erarbeiten.

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