Karl Lagerfeld: Vertraute enthüllt seinen heimlichen Kampf gegen Krebs
Lagerfelds engste Vertraute
"Er kam im Rollstuhl, konnte kaum noch sprechen"
Von t-online, bwe
02.10.2026 - 09:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Mehr als 30 Jahre lang arbeitete Virginie Viard an der Seite von Karl Lagerfeld. Nun schildert sie in einem Buch, was in den letzten Wochen des Modedesigners geschah.
Virginie Viard war Karl Lagerfelds engste Vertraute und beerbte den Designer bei Chanel. In ihrer Autobiografie "Un regard. Une vie chez Chanel" spricht Viard Details über Lagerfelds heimlichen Kampf gegen Krebs. Die "Vanity Fair" zitiert aus dem Buch, das am 30. September erschienen und bislang nur auf Französisch erhältlich ist.
Die französische Modedesignerin beschreibt, wie Lagerfeld seinen gesundheitlichen Zustand hinter seiner markanten Sonnenbrille und spitzen Bemerkungen verbarg. Bis zuletzt bewahrte Lagerfeld sein öffentliches Image, obwohl sein Körper zunehmend versagte. "Er kam im Rollstuhl, konnte kaum noch sprechen", schreibt Viard laut "Vanity Fair".
Krebsdiagnose im Jahr 2015
Seit 2015 trug Karl Lagerfeld einen stillen Kampf aus – gegen Prostatakrebs. Die 64-Jährige erinnert sich in ihrem Buch, wie er seine Krankheit mit Stil und Ironie überspielte. "Karl machte aus allem eine Inszenierung. Als er einen Gehstock brauchte, sagte er: 'Ist der nicht elegant?'" Doch die Realität ließ sich nicht immer verbergen.
Bei einer Modenschau im Mai 2016 in Havanna musste Lagerfeld sich in einem alten Haus mehrere Stockwerke hochschleppen. "Es sind nur meine Füße, die schmerzen", spielte er die Situation herunter, während seine Kollegin ihm Blasenpflaster reichte. Trotz der Beschwerden ließ er sich nicht unterkriegen: Am nächsten Tag tanzte er mit seiner Muse Vanessa Paradis – und schien die Schmerzen für einen Moment zu vergessen.
"Nicht eingestandene Abhängigkeit"
Viard beschreibt in ihrem Buch die Beziehung zu dem gebürtigen Hamburger als die eines "großartigen kreativen Paares", das auf "gegenseitiger Bewunderung" und einer Form von "nicht eingestandener Abhängigkeit" beruhe. Er habe die Zeichnungen, die Referenzen und die Ideen geliefert, sie habe seine Vorstellungen für die Ateliers übersetzt.
Ein zentrales Kapitel des Buches widmet Viard Lagerfeld in Form eines 13-seitigen Briefes an ihren "lieben Karl". Darin schildert sie Bewunderung, Zuneigung, aber auch Verletzungen und einen Ärger, der ihr zufolge nicht vollständig verschwunden sei. Sie erinnert sich an den Schmerz, den sie empfand, wenn andere die Anerkennung für Arbeit erhielten, zu der sie selbst beigetragen hatte. An Lagerfeld richtet sie die Frage: "Wie kann man erklären, jemandem so viel zu geben, der einem so oft wehtut?"
"Ich hatte niemanden, während Karl mich hatte."
Karl Lagerfeld hatte seinen letzten öffentlichen Auftritt im November 2018 auf den Champs-Élysées in Paris. Damals fiel auf, dass er eine schlecht sitzende Zahnprothese trug. Im Januar 2019 fehlte er erstmals bei einer Chanel-Fashionshow, die Virginie Viard präsentierte.
Video
Zwei Wochen später meldete er sich mit einer zehn Sekunden langen Videobotschaft, in der er Carine Roitfeld, der Gründerin der Zeitschrift "CR Fashion Book", zu einer Million Followern gratulierte. Es war sein letztes öffentliches Lebenszeichen. Am 19. Februar 2019 starb Karl Lagerfeld im Alter von 85 Jahren in Paris.
Lagerfelds Tod habe Viard unvorbereitet und allein zurückgelassen: "Ich hätte wahrscheinlich einen Partner finden sollen, jemanden, mit dem ich reden kann", schreibt sie. "Aber ich hatte niemanden, während Karl mich hatte."