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Karte zeigt erstmals geplante Rechenzentren

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120 neue Rechenzentren in Deutschland (und Hessen): Physikerin deckt unliebsame Projekte auf

Von: Anne-Kathrin Hamilton

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In ganz Deutschland sollen Rechenzentren entstehen. Ausmaß und Folgen blieben bisher im Dunkeln. Eine Physikerin will das ändern und bringt eine Recherche ins Rollen.

Sie brummen, verschlingen Wasser und Energie: In den USA sprießen Rechenzentren wie Pilze aus dem Boden. Sie sollen die KI-Wende tragen und das Land im Wettlauf gegen China wappnen. Anfang 2025 rief US-Präsident Donald Trump dafür das milliardenschwere KI-Projekt „Stargate“ ins Leben. Es folgt ein beispielloser Bauboom gigantischer KI-Rechenzentren durch Tech-Konzerne wie Meta, Amazon und Google. Ihr langfristiger technologischer Nutzen ist umstritten. Klar ist: Sie verbrauchen Unmengen an Energie und Wasser. Sie entstehen oftmals dort, wo es an Wasser mangelt. Zudem klagen Anwohner über ein dauerndes intensives Dröhnen. Ein Szenario, das auch vor deutschen Haustüren zur Realität werden könnte? Rechenzentrums-Bauten sind nicht zuletzt in Hessen ein Thema.

Die Bundesregierung hat im März eine Rechenzentrumstrategie beschlossen. Das Ziel: die Verdopplung der Rechenkapazitäten bis 2030. Für KI sollen sie im gleichen Zeitraum vervierfacht werden. Doch die Standorte neuer Rechenzentren werden in Deutschland nicht zentral erfasst oder publiziert. Das Projekt „Heiße Luft“ will das ändern. Mit einer interaktiven Karte macht es erstmals den massiven Ausbau von Rechenzentren in Deutschland transparent. „Es hat mich schockiert, wie Bürger:innen sich mühselig selbst diese Informationen zusammentragen müssen“, erklärt Mitgründerin Tiziana von Witzleben der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.

Rechenzentren in Deutschland: „Transparenz würde Konflikte sichtbarer machen“

Die Physikerin brachte die investigative Datenrecherche ins Rollen. Sie begann, die Rechenzentrums-Standorte zu sammeln und zu lokalisieren. Schnell wurde ihr klar, dass die Recherche durch „Crowdsourcing“ signifikant an Qualität gewinnen würde. Über ein anonymes Kontaktformular konnten Menschen aus Kommunen Hinweise schicken. Weitere Unterstützung erhielt das Heiße-Luft-Kollektiv von AlgorithmWatch, FragDenStaat und Leitmotiv. „Der Markt für Rechenzentren in Deutschland ist extrem intransparent, die notwendigen Daten sind oft nur mit erheblichem Aufwand zu beschaffen“, sagt der Mitwirkende Joschi Wolf, Klimareferent bei FragDenStaat. Die Recherche könne daher trotz sorgfältiger Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, wie er auf Anfrage unserer Redaktion betont.

Doch warum braucht es erst das Engagement einer Physikerin, um Daten zu geplanten Rechenzentren in Deutschland transparent zu machen? Es ist offensichtlich ein unangenehmes Thema. Beliebt sind die Rechenzentren auch hierzulande nicht, vor allem wenn sie in der eigenen Umgebung entstehen sollen. Womöglich auch daher werden Bauvorhaben wohl vorzugsweise im Dunkeln gehalten. „Transparenz würde Konflikte sichtbarer machen, die Betreiber und Behörden lieber vermeiden würden“, sagt von Witzleben.

Aber ohne verlässliche Datengrundlage können weder Kommunen noch Bürger und Bürgerinnen fundiert mitreden oder rechtzeitig reagieren. Die Karte zeigt immerhin bereits 120 geplante Projekte. Big-Tech-Unternehmen planen den Bau zahlreicher Hyperscaler in Deutschland, also großer Cloud-Dienste, die so viel Strom und Wasser verbrauchen wie ganze Städte. Auf der Karte ist zusätzlich einsehbar, ob die Zentren in Landkreisen mit Grundwasserstress entstehen.

Der tatsächliche Wasserverbrauch hängt stark von der verwendeten Kühltechnologie ab. Hier stößt das Recherche-Team aber auf deutlichen Mangel an Informationen und Transparenz seitens der Betreiber. Um den Strombedarf zu decken, sind zudem teils neue Gaskraftwerke und Umspannwerke geplant, doch auch hier seien die tatsächlichen Auswirkungen schwer einschätzbar. Es gibt durchaus Zweifel an der Umsetzbarkei wie unsere Redaktion vor einiger Zeit erfuhr. Von Witzleben befürchtet einen möglichen Rückfall in fossile Energieerzeugung, sollte es durch den steigenden Bedarf zu Stromknappheit kommen..

KI-Ausbau mit US-Techkonzernen: „Sollte uns Sorgen um unsere Datensicherheit machen“

Zur Einordnung: Bereits 2022 verbrauchten Rechenzentren in Deutschland rund 18 Milliarden Kilowattstunden. Der Stromverbrauch von Berlin liegt bei etwa 12 Milliarden. Was ebenfalls kritisch gesehen wird: Die Hälfte der IT-Kapazitäten sollen US-amerikanische Big-Tech-Unternehmen nutzen. „Das sollte uns Sorgen um unsere Datensicherheit machen – seien es persönliche, unternehmensbezogene oder staatliche Daten“, mahnt Wolf. Sobald US-Unternehmen die Kontrolle über Infrastruktur oder Daten haben, greift laut ihm potenziell der US-Cloud-Act, auch dann, wenn die Server physisch in Deutschland oder der EU stehen. Das bedeutet, dass US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten verlangen können, unabhängig vom Standort der Rechenzentren.

Wolf hält das für hochproblematisch mit Blick auf digitale Souveränität. Für persönliche Daten von Bürgern und Bürgerinnen – und für unternehmensbezogene sowie potenziell staatliche Daten. Er spricht von einem „strukturellen Transparenzproblem“ und wirft der Bundesregierung vor, dass ihr bislang eine belastbare Gesamtübersicht über die tatsächliche Entwicklung fehle. „Unsere eigenen Ergebnisse übertreffen die vorhandenen offiziellen Planungsdaten teilweise deutlich“, sagt er.

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