DAX +0,70 % 25.589,52 Pkt 09:06:03 MDAX +0,98 % 30.583,54 Pkt 09:06:04 Euro Stoxx 50 +0,10 % 6.170,95 Pkt 09:06:00 Dow Jones +0,31 % 52.377,57 Pkt 21:48:23 S&P 500 +1,30 % 7.722,60 Pkt 21:48:15 Nasdaq +2,01 % 26.477,81 Pkt 22:15:59 Nikkei +1,08 % 63.954,19 Pkt 07:45:03 Gold -0,33 % 4.061,10 USD 09:11:00 Silber -0,42 % 54,07 USD 09:11:00 Brent -2,68 % 110,83 USD 09:11:00 WTI +1,46 % 101,36 USD 09:11:01 Bitcoin +0,36 % 81.093,95 USD 09:21:01 EUR/USD -0,39 % 1,11300 USD 09:20:42 EUR/GBP -0,04 % 0,83700 GBP 09:21:03 EUR/CHF -0,14 % 0,92350 CHF 09:21:03 EUR/JPY -0,33 % 175,434 JPY 09:21:03

Karte zeigt, wo es für Solar- und Windstrom bald eng wird

Technologie

Drohen jetzt „solare Sperrzonen“? Das „Netzpaket“ von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will durchsetzen, dass manche Regionen nur noch unter Auflagen Erneuerbare Energien zubauen dürfen. Eine Auswertung zeigt, welche Gegenden besonders betroffen wären.

Industriebetriebe, Solaranlagen, Windparks, Batteriespeicher – und jetzt auch noch Rechenzentren: In den deutschen Stromnetzen ist es schon längst eng geworden.

Nach einer Analyse des Branchendienstes Montel haben kommerzielle Erzeuger von Strom ihre Anlagen im ersten Halbjahr 2026 so oft abgeschaltet wie nie zuvor, weil sich eine Einspeisung für sie wegen eines Überangebots wirtschaftlich nicht gelohnt hätte oder weil die Netze sonst überlastet gewesen wären.

Zwar helfen dafür Batteriespeicher, aber auch sie leiden unter dem verstopften Netz: Neue Projekte müssen bis in die 2030er-Jahre hinein warten, bis sie mal einen Anschluss bekommen.

Bauen, wo Platz ist

Diesen Knoten will Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) jetzt lösen, und zwar mit dem sogenannten „Netzanschlusspaket“, das am Donnerstag erstmals im Bundestag debattiert wurde.

Das Ziel: Neue Solar- und Windkraftanlagen sollen bevorzugt dort gebaut werden, wo die Netze sie auch aufnehmen können – und nicht dort, wo es ohnehin schon eng ist mit den Kapazitäten.

Kern des Pakets ist die Ausweisung von sogenannten „kapazitätslimitierten Netzgebieten“: Dabei handelt es sich um Gebiete, in denen derzeit mehr als fünf Prozent des verfügbaren Stroms abgeriegelt werden müssen. In diesen Gebieten sollen Anlagenbetreiber zum Beispiel weniger Entschädigung erhalten, wenn ihr Strom aus Systemgründen abgeriegelt werden müsste.

Die Hoffnung: Dass Projektierer von neuen Anlagen diese Gebiete in Zukunft eher meiden – und stattdessen in Regionen gehen, in denen noch Kapazitäten vorhanden sind.

ANZEIGE

ANZEIGE

Kleines Kraftwerk

Angst vor der „Sperrzone“

Nach vielfacher Kritik hatte das Wirtschaftsministerium den Entwurf abgeschwächt: Ursprünglich sollten alle Gebiete als „kapazitätslimitiert“ gelten, in denen schon mehr als drei Prozent des verfügbaren Stroms abgeriegelt werden müssen. Die Netzbetreiber befürworten die Initiative, aber vor allem in der Branche der Erneuerbaren Energien sind die Sorgen weiter groß.

Die Reiche-Pläne könnten „faktisch zu solaren Sperrzonen“ führen, warnt Carsten Körnig, Präsident des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar). Die Befürchtung: dass ein großer Teil des deutschen Netzes als „kapazitätslimitiert“ gelten könnte – und sich der Zubau von neuen Anlagen dann fast nirgendwo mehr lohnt. Generell müsse der Ausbau der Netze beschleunigt werden, statt den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu bremsen, fordert Körnig.

Windige Nordseeküste

Was ist dran an der Befürchtung? Die Bonner Energie-Beratungsfirma E-Bridge hat diese Frage im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht. Das Ergebnis, anhand von 3000 analysierten Umspannwerken in Deutschland: Die Sorge vor „Sperrzonen“ ist unbegründet – aber in manchen Gebieten könnte es tatsächlich eng werden.

Der Untersuchung zufolge seien 94 Prozent aller Umspannwerke auch weiterhin nicht „kapazitätslimitiert“ für Windenergie, und in 95 Prozent aller Regionen ließe sich auch weiterhin noch Solarenergie zubauen. „Der überwiegende Teil des Zubaus bleibt hiervon unberührt“, heißt es in der Analyse.

Es gibt jedoch einige wenige Gebiete, in denen es eng wird:

Bei der Windkraft ist es vor allem die Nordseeküste, die als stark überlastet gilt, wie die Daten von E-Bridge zeigen. Kein Wunder: An der Nordseeküste herrschen hervorragende Bedingungen für Windenergie, außerdem kommt hier auch der Strom aus den großen „Offshore“-Windparks in der Nordsee an.

Aber auch Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und das Landesinnere von Niedersachsen wären jedoch stellenweise betroffen.

Bayerische Platzprobleme

Und bei neuen Photovoltaikanlagen wäre vor allem Bayern leidtragend:

Der Freistaat ist bundesweit Spitze beim Solarausbau, was die Netze aber langsam überfordert. Hier gelten vor allem Teile von Mittelfranken sowie Ober- und Niederbayern als „kapazitätslimitiert“. In einem überwiegenden Teil Bayerns ließe sich aber dennoch weiterhin Solar zubauen.

Insgesamt sei jedoch nur ein kleiner Teil des deutschen Netzgebietes in der ein oder anderen Form „kapazitätslimitiert“, schlussfolgert die Studie. Dieser kleine Teil sei aber für 72 Prozent aller Strom-Abriegelungen in Deutschland verantwortlich, die für das System so teuer sind. Einige wenige Regionen seien also der „zentrale Treiber“ der steigenden Systemkosten in Deutschland, so die Untersuchung.

Das abschließende Fazit der Studie: „Die Ergebnisse sprechen für ein gezieltes Steuerungsinstrument, das zusätzlichen Erzeugungszubau in weniger belastete Netzgebiete lenkt.“

Wichtig auch: In Regionen, die bei der Windkraft „kapazitätslimitiert“ sind, ließe sich weiterhin noch Solar zubauen, weil die beiden Energieformen zu stark unterschiedlichen Zeiten ihren Strom einspeisen. Wer also ein Windrad in Mittelfranken errichten möchte, kann das auch weiterhin tun. Das Wirtschaftsministerium wollte ursprünglich zwar auch diesen Zubau unterbinden – lenkte aber nach einer Welle der Kritik aus den Bundesländern ein.

+++ Keine Klima-News mehr verpassen – abonnieren Sie unseren WhatsApp-Kanal +++

earth

FOCUS online Earth widmet sich der Klimakrise und ihrer Bewältigung.

Faktenzentriert. Fundiert. Konstruktiv. Jeden Freitag als Newsletter.

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren