DAX +0,35 % 26.484,03 Pkt 12:27:51 MDAX +0,37 % 32.342,66 Pkt 12:27:56 Euro Stoxx 50 +0,58 % 6.572,01 Pkt 12:27:45 Dow Jones -0,38 % 53.770,27 Pkt 22:43:59 S&P 500 -0,06 % 7.748,50 Pkt 22:36:53 Nasdaq -0,06 % 26.588,49 Pkt 23:15:59 Nikkei +1,16 % 68.308,59 Pkt 08:45:03 Gold +0,79 % 4.443,80 USD 12:32:48 Silber -0,81 % 65,03 USD 12:32:39 Brent -2,01 % 87,19 USD 12:32:42 WTI -2,20 % 81,44 USD 12:32:53 Bitcoin +0,24 % 63.554,88 USD 12:42:51 EUR/USD -0,03 % 1,15410 USD 12:42:21 EUR/GBP +0,04 % 0,85470 GBP 12:42:55 EUR/CHF +0,02 % 0,93640 CHF 12:42:55 EUR/JPY -0,02 % 183,817 JPY 12:42:56

KAS-Studie: Deutschlands Ruf ist im Nahen Osten besser als erwartet

Welt

Deutschland hat einen überwiegend guten Ruf in arabischen Ländern. Es wird mit Zustimmungswerten von 73 Prozent vor allem in Syrien positiv wahrgenommen, gefolgt von Tunesien mit 70 Prozent; zudem hält eine relative Mehrheit in Syrien (27 Prozent) Bundeskanzler Friedrich Merz für den europäischen Regierungschef mit der besten Nahostpolitik. Israel wird als größte Gefahr für die Region wahrgenommen. Das sind die Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), die der F.A.Z. exklusiv vorliegt. Vom 8. Mai bis 3. Juli 2026 wurde die Umfrage für die Studie in sieben Ländern der arabischen Welt durchgeführt. Dazu zählten Marokko, Tunesien, Ägypten, die palästinensischen Gebiete, Jordanien, Libanon und Syrien. In diesem Zeitraum wurden 8475 Personen (rund 1200 Personen pro Land) telefonisch zu politischen Haltungen, wirtschaftlichen Erwartungen und regionalen sowie internationalen Themen befragt. „Es handelt sich um die erste repräsentative Umfrage, die die KAS seit dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 in Syrien durchführte“, sagte der Leiter der Abteilung Naher Osten und Nordafrika, Thomas Volk, der F.A.Z. F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen F.A.Z. bei Google bevorzugen Laut der Umfrage klaffen in vielen Ländern jedoch Zustimmung und wahrgenommener Einfluss Deutschlands auseinander: Deutschland sei beliebt, aber verfüge nur über einen „begrenzten Einfluss“ in der Region. In Jordanien, Marokko, Tunesien und Syrien haben mindestens zwei Drittel der Befragten eine positive Einstellung gegenüber Deutschland. In Ägypten (52 Prozent), Libanon (44 Prozent) und den palästinensischen Gebieten (38 Prozent) hingegen fällt dieser Anteil niedriger aus. Allerdings betrachtet nur ein kleiner Teil der syrischen (1,3 Prozent) und tunesischen (2,2 Prozent) Befragten Berlin als einflussreichen staatlichen Akteur in ihrem Land. Im europäischen Vergleich werden Italien und Frankreich als einflussreicher betrachtet, vor allem in Libanon (wo neun Prozent Paris als den einflussreichsten Akteur betrachten) und in Tunesien (26 Prozent sehen hier Frankreich und vier Prozent Italien als einflussreicher an). Zwar weise Deutschland in Jordanien, Tunesien, Syrien und Marokko höhere Beliebtheitswerte auf als seine europäischen Nachbarn, schreiben die Autoren der Studie. „Allerdings lassen sie sich lediglich in Syrien in höheren wahrgenommenen Einfluss ummünzen. Die Tatsache, dass allein in Syrien eine relative Mehrheit (27 Prozent) Bundeskanzler Friedrich Merz für den europäischen Staats- oder Regierungschef mit der besten Politik für die arabische Welt hält, bekräftigt diesen Befund.“ Eine relative Mehrheit der Befragten hält wirtschaftliche Interessen für die „primäre Motivation“ hinter der deutschen Nahostpolitik: Ägypten (21 Prozent), Jordanien (35 Prozent), Syrien (25 Prozent), Tunesien (34 Prozent) und Marokko (24 Prozent). Die besondere Beziehung Deutschlands zu Israel hat bei den Antworten eine geringe Rolle gespielt. Allerdings wurde im Westjordanland (22 Prozent) und im Gazastreifen (15 Prozent) das deutsch-israelische Verhältnis als „Motivationsfaktor“ hervorgehoben. „Deutschland wird in der Region nicht als eindimensionaler Verbündeter Israels wahrgenommen, sondern als Akteur mit vielseitigen Interessen“, stellt die Studie fest. Deutschland werde als starke Wirtschaftsnation gesehen, fügt der Nahostwissenschaftler Volk hinzu. Das Leitmotiv der deutschen Nahostpolitik seien Wirtschaftsinteressen und nicht die Nähe zu Israel, so fasst er das Meinungsbild der Befragten zusammen. „Deutschland wird eine interessens- und keine wertegeleitete Außenpolitik im Nahen Osten nachgesagt.“ Iran wird kritisch beäugt, Israel als „Bedrohung“ wahrgenommen Der Studie zufolge werden Länder der Europäischen Union allgemein positiv bewertet, „jedoch mit wenig regionalem Einfluss verbunden“. China erhält mit 86 Prozent in Jordanien und 81 Prozent in Tunesien sehr hohe Zustimmungswerte in der Region. Russlands Bild hingegen sei deutlich ambivalenter und reiche von einer positiven Wahrnehmung von 61 Prozent in Marokko bis zu nur 29 Prozent in Syrien. Das Bild der USA sei in Marokko mit 64 Prozent, Syrien mit 60 Prozent und Jordanien mit 51 Prozent mehrheitlich positiv. In allen anderen befragten Ländern liegt die Zustimmung unter 50 Prozent. Das nahöstliche Machtgefüge werde von einflussreichen, jedoch umstrittenen Akteuren bestimmt. Die Regionalmächte Saudi-Arabien, Qatar und die Türkei werden in allen befragten Ländern mehrheitlich positiv wahrgenommen. Gleichwohl wird Iran mit Ausnahme Tunesiens nur von Minderheiten der Befragten positiv wahrgenommen. Die Islamische Republik werde in der Region zwar nicht als Hauptaggressor gesehen, jedoch kritisch beäugt. Weniger als die Hälfte der Befragten hat ein positives Bild von dem Land. „Während iranische Angriffe auf Israel mehrheitlich unterstützt werden, werden iranische Angriffe auf arabische Staaten deutlich abgelehnt“, so die Autoren weiter. Das Nuklearprogramm Teherans wird sorgenvoll betrachtet, wie etwa 59 Prozent in Syrien belegen. Unterstützung für Zweistaatenlösung lässt nach Israel wird von relativen Mehrheiten in allen Ländern – bis auf Marokko – als „größte Bedrohung zur Sicherheit im Nahen Osten und Nordafrika bezeichnet“. Auf die Frage nach dem Land, das die größte Bedrohung für die Region darstellt, wurde Israel in den befragten Ländern am häufigsten genannt, darunter von 67 Prozent in Libanon, 62 Prozent in Jordanien, 57 Prozent in Syrien, 45 Prozent in Tunesien, 40 Prozent in Ägypten und 41 Prozent in den palästinensischen Gebieten. Die im Jahr 2020 unterzeichneten Abraham-Abkommen, die eine Normalisierung der Beziehungen zu Israel anstreben, erhalten nur geringe Zustimmung. Hierbei bildet Libanon eine Ausnahme: 41 Prozent befürworten eine Normalisierung, weil dies dem krisengeplagten Land eine realistischere Chance auf Stabilität bieten würde. Derweil lässt die Unterstützung für eine Zweistaatenlösung im Nahostkonflikt insbesondere in der jungen Bevölkerung nach. In den palästinensischen Gebieten unterstützt rund ein Drittel der Befragten unter 30 Jahren ein solches Modell im Vergleich zu 62 Prozent über dieser Altersgrenze. Das Stimmungsbild deute auf eine Region im Wandel hin, heißt es in der Studie. Eine zukünftige Regionalordnung sei noch nicht erkennbar. Nach dem Terroranschlag der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und dem Gazakrieg sowie dem Ausbruch des Irankrieges im Februar 2026 spricht KAS-Fachmann Thomas Volk daher von „neuen geostrategischen Dynamiken“. Hinzu komme: „Fünfzehn Jahre nach Beginn des Arabischen Frühlings dominiert in der Region noch immer der Ruf nach verbesserten Lebensbedingungen des Alltags der Menschen“, sagt er. „Dies lässt auch den Druck auf die Herrschenden der Region weiter ansteigen.“

← Zurück zu News

Bereit für Ihre kostenlose E-Mail?

512 MB Speicher, modernes Webmail und ein News-Portal — kostenlos starten.

Jetzt kostenlos registrieren