Kasparow sicher: Diese Kräfte stecken hinter dem überraschenden Druck auf Putin
Startseite Politik Kasparow sicher: Diese Kräfte stecken hinter dem überraschenden Druck auf Putin Von: Lukas Richter Uns auf Google folgen Kasparow vermutet westliche Regierungen hinter Tokajews Forderung an Putin. Vor wenigen Tagen überraschte Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew seinen Verbündeten Wladimir Putin mit einer öffentlichen Forderung: Russland und die Ukraine sollten die Kämpfe einfrieren. Der russische Oppositionspolitiker Garri Kasparow ist überzeugt, dass Tokajew dabei nicht allein handelte. Hinter dem Vorstoß vermutet er Regierungen in Europa und den USA. Content-Partnerschaft Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsinfive.de. Ein kasachischer Präsident könne sich wegen der engen Beziehungen zu Moskau kaum aus eigener Initiative mit einer solchen Botschaft an Putin wenden, argumentierte Kasparow. In den politischen Beziehungen der Region herrsche eine klare Rangordnung. „Tokajew kann mit solchen eigenen Initiativen nicht an Putin herantreten“, sagte Kasparow in einer Online-Sendung des Exilmediums Forum Freies Russland. Kasparow vermutet westliche Botschaft Nach seiner Einschätzung sprach Tokajew im Namen amerikanischer und europäischer Regierungen. Diese wollten Putin signalisieren, dass er den Krieg beenden müsse. Kasparow stellte zudem einen Zusammenhang mit Berichten über westlichen Druck auf die Regierung von US-Präsident Donald Trump her. Washington solle demnach verhindern, dass die Ukraine Anlagen des Kaspischen Pipeline-Konsortiums angreift. Durch diese Pipeline fließt ein großer Teil der kasachischen Ölexporte. Kasparow sprach deshalb von erheblichen wirtschaftlichen Interessen. Belege für eine konkrete Abstimmung zwischen Tokajew und westlichen Regierungen nannte er nicht. Auch China könnte den kasachischen Vorstoß nach seiner Vermutung gebilligt haben. Kasachstan grenzt sowohl an Russland als auch an China und pflegt enge Beziehungen zu beiden Staaten. Kasparow bezeichnete Tokajew deshalb als geeigneten Überbringer einer Botschaft, die Putin nicht einfach ignorieren könne. Kreml schließt Einfrieren des Krieges aus Tokajew hatte Putin am 25. Juli bei einem Treffen im sibirischen Omsk direkt angesprochen. Der Krieg solle eingefroren werden, anschließend müssten beide Seiten zur sogenannten Istanbul-Formel zurückkehren. Zugleich erklärte Tokajew, er wolle trotz mehrerer Vorschläge nicht als Vermittler auftreten, wie die russische Nachrichtenagentur TASS meldet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies den Vorschlag zurück. Wegen der Haltung der Regierung in Kiew sei ein Einfrieren des Konflikts „als solches unmöglich“, sagte er laut TASS. Russland habe eine zentrale Voraussetzung: „Wir müssen unsere Ziele erreichen.“ Tokajew hatte zuvor erklärt, niemand wisse angesichts der gegensätzlichen Positionen, wie sich der Konflikt lösen lasse. Es gebe jedoch „einen Moment und die Möglichkeit, das alles einzufrieren“, sagte der kasachische Präsident. Es sei eine Schande, dass junge Menschen sterben müssten. „All das muss gestoppt werden.“ Kasparow: Putin wird weiterkämpfen Kasparow wertete die russische Reaktion als erneute Absage an ein schnelles Ende der Kämpfe. Putin habe damit sinngemäß klargemacht, dass Russland erst aufhören werde, wenn die Ukraine seine Forderungen erfülle. Das bedeute nach Kasparows Darstellung eine Kapitulation Kiews und die Abgabe von Gebieten, die Moskau bislang nicht vollständig erobern konnte. „Putin wird kämpfen, solange er noch irgendwelche Ressourcen hat“, sagte Kasparow. Der russische Präsident hoffe weiterhin, spätestens im kommenden Jahr ein Ergebnis zu erzielen. Sollte dies auf dem Schlachtfeld nicht gelingen, setze er nach Kasparows Einschätzung auf politische Veränderungen durch Wahlen in europäischen Staaten. Vom Schachweltmeister zum Aktivisten Garri Kasparow, ehemaliger Schachweltmeister, gehört zu den bekanntesten Kritikern des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der 1963 in Baku geborene Großmeister prägte jahrelang die internationale Schachszene und gilt als einer der besten Spieler aller Zeiten. Nach dem Ende seiner Profikarriere wurde er politisch aktiv und setzte sich als Oppositionsaktivist gegen die russische Führung ein. Seit mehreren Jahren lebt Kasparow im Exil und kommentiert regelmäßig politische Entwicklungen in Russland sowie den Krieg gegen die Ukraine.