Kasseler Lokbau vor dem Aus
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Panzer statt Loks? Rheinmetall und Alstom einigen sich über Werk Kassel
Von: Daniel Seeger
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Rheinmetall will das Alstom-Werk übernehmen. Die Konzerne haben sich über wesentliche Eckpunkte verständigt – doch für die Beschäftigten bleiben Fragen offen.
Kassel – Rheinmetall und Alstom haben sich grundsätzlich auf die Übernahme des Kasseler Lokomotivwerks verständigt. Das bestätigten beide Konzerne auf Anfrage der HNA am späten Montagnachmittag. Damit dürfte der traditionsreiche Lokbau in Kassel vor dem Aus stehen. Alstom hatte im Frühjahr Gespräche über einen möglichen Verkauf bekannt gemacht, den Interessenten zunächst aber nicht genannt. Ende August hatte Rheinmetall-Chef Armin Papperger erstmals bestätigt, dass es Verhandlungen zwischen den beiden Unternehmen gibt. Fragen und Antworten:
Was wurde vereinbart?
Es gibt eine grundsätzliche Einigung zu wesentlichen Eckpunkten zwischen den Vorständen des französischen Alstom-Konzerns und dem Rüstungskonzern Rheinmetall über die Übernahme des Kasseler Alstom-Werks. Rheinmetall und Alstom bestätigten das auf Anfrage der HNA. Inhaltliche Bausteine sind bisher nicht bekannt. Die Unternehmen verhandeln noch über Details und müssen die Vereinbarung anschließend vertraglich festhalten, so ein Rheinmetall-Sprecher. Zunächst sollen Beschäftigte und Arbeitnehmervertretungen informiert werden, anschließend die Öffentlichkeit.
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Wie geht es weiter mit dem Lokbau in Kassel?
Der traditionsreiche Lokbau in Kassel geht seinem Ende entgegen. Alstom betont, dass der Konzern auch künftig noch Loks bauen und Kunden vertragskonform beliefern werde. Doch diese Loks werden wohl nicht mehr aus Kassel kommen. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Lokomotivbau in Kassel, der den Löwenanteil im Werk ausmacht, aufgegeben werden. Die Kasseler Linken-Bundestagsabgeordnete Violetta Bock kritisierte das Vorhaben bereits in einer Mitteilung. Die Antwort auf Arbeitsplatzunsicherheit dürfe nicht mehr Waffenproduktion sein. In der Vergangenheit hatte sich auch der Betriebsrat des Kasseler Alstom-Standortes für den Erhalt des Lokbaus stark gemacht.
Was bedeutet das für die Mitarbeiter?
In der aktuellen Einigung haben sich die Konzerne laut einem Rheinmetall-Sprecher auf das gemeinsame Ziel verständigt, dass Alstom-Mitarbeiter des Standorts Kassel zukünftig bei Rheinmetall Landsysteme am Standort Kassel eine Beschäftigung finden können. Wie viele das sein werden und zu welchen Konditionen der Wechsel stattfindet, ist Teil der nun anstehenden Verhandlungen. Der Kasseler Alstom-Betriebsratsvorsitzende Markus Hohmann betonte, dass es nun darum gehe, den Übergang gut hinzubekommen und die Menschen zu guten Konditionen in Arbeit zu halten.
Was wird künftig im Werk gebaut?
Was genau auf dem bisherigen Alstom-Gelände passieren soll, ist noch nicht bekannt. Rheinmetall baut in Kassel vor allem Radpanzer. Unter anderem soll die Produktion des Boxer ausgebaut werden. Der Panzer soll dort künftig in Serie vom Band laufen. Das Modell wird von der Bundeswehr und anderen Armeen genutzt. Aktuell steht eine weitere Großbestellung der Bundeswehr bevor.
Verschwindet Alstom damit aus Kassel?
Nein, das steht noch nicht fest. Während es für den Lokomotivbau schlecht aussieht, soll Alstom laut dem Kasseler Alstom-Betriebsratsvorsitzenden Markus Hohmann auf der Suche nach Flächen in Kassel sein, um dort andere Teile seines Geschäfts, etwa den Bereich Service, unterzubringen.
Sitzt die Arbeitnehmerseite am Verhandlungstisch?
Ja, das bestätigte Hohmann auf Anfrage der HNA. IG Metall und Betriebsrat seien beteiligt, es gebe noch einige Themen, bei denen man sich nicht einig sei und wo entsprechender Diskussionsbedarf bestehe. Die IG Metall war für eine Stellungnahme am späten Montagnachmittag nicht mehr zu erreichen.
Wann ist der Verhandlungsprozess abgeschlossen?
Das ist noch offen. Beobachter gehen davon aus, dass sich die Gespräche noch einige Wochen hinziehen könnten. Wann Rheinmetall das Werk übernimmt, ist noch offen.
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Verhandlungen scheitern?
Da die Details der aktuellen Vereinbarung unklar sind, lässt sich das nicht seriös beantworten. Zumindest in wesentlichen und wichtigen Fragen scheinen sich die beiden Unternehmen einig zu sein. Beide Unternehmen betonen, dass noch Details ausgehandelt und Verträge geschlossen werden müssen. Beide Konzerne dürften ein sehr hohes Interesse daran haben, dass das Geschäft zum Abschluss kommt. Rheinmetall benötigt zusätzliche Flächen und Arbeitskräfte, Alstom will Beobachtern zufolge gern seinen Fußabdruck in Deutschland reduzieren.