Katastrophale Krisenstimmung! Nick Woltemade und Juventus Turin am Tiefpunkt angekommen
In Abwesenheit von Cheftrainer Luciano Spalletti, der aufgrund einer Sperre nach einer Auseinandersetzung mit Cagliaris Coach Fabio Pisacane von seinem Co-Trainer Marco Domenichini an der Seitenlinie vertreten wurde, präsentierte sich die Alte Dame erschreckend harmlos. Ein Kopfballtor von Oliver Provstgaard, ein Treffer aus spitzem Winkel durch Gustav Isaksen sowie ein später Konter von Fisayo Dele-Bashiru besiegelten den Triumph der Gäste.
Nach nunmehr nur elf Punkten aus sieben Spielen vergrößerte sich der Rückstand auf das Spitzenduo bestehend aus Inter Mailand und Lazio bereits auf acht Zähler. Zum Vergleich: Unter Vorgänger Igor Tudor standen zum selben Zeitpunkt der vergangenen Saison zwölf Punkte zu Buche, während Thiago Motta in seiner Amtszeit in der vergleichbaren Zeitspanne immerhin 13 Zähler vorweisen konnte. Der Abwärtstrend beim italienischen Rekordmeister nimmt mittlerweile besorgniserregende Formen an.
Der sportliche Offenbarungseid gegen die Römer entfachte nach Abpfiff eine Debatte über die Mentalität des Turiner Kaders. Abwehrchef Gleison Bremer richtete deutliche Worte an das eigene Team. "Wir haben eine schlechte Leistung gezeigt, daher sind wir natürlich nicht glücklich darüber, das Trikot von Juventus auf diese Weise vertreten zu haben, aber wir müssen unsere Fehler analysieren und sofort wieder in die Spur kommen, denn für alles andere bleibt keine Zeit", sagte der Brasilianer bei Sky Sport Italia.
Bremer weiter: "Wir hatten Chancen und haben bis zu ihrem Tor gut gespielt, daher hat die Tatsache, dass sie bei ihrer ersten Chance getroffen haben, bei uns echte Frustration ausgelöst. Das ist etwas, das wir sofort in den Griff bekommen müssen."
Juventus Turin geht Stabilität und Selbstbewusstsein ab
Auf die Frage nach der Verantwortung der Profis redete sich der Innenverteidiger schließlich in Rage: "Es stimmt, der Trainer gibt Anweisungen, aber wir sind es, die diese auf dem Platz umsetzen müssen. Allerdings stehen elf Spieler auf dem Platz, dazu kommen noch die fünf, die von der Bank kommen - ich kann nicht einfach alle mitziehen. Ich versuche, ihnen zu helfen, ich spreche mit ihnen, aber jeder hat seinen eigenen Charakter. Wir können sie bis zu einem gewissen Punkt antreiben, aber das ist auch schon alles - manche haben mehr Charakter als andere.“
Besonders der mentale Druck scheint einigen Spielern offenbar schwer zu schaffen zu machen. "Wenn sie Buhrufe hören, ziehen sie sich zurück und haben Angst. Ich weiß, dass wir viele neue und junge Spieler haben. Das heißt nicht, dass ich mit dem Finger auf die Jungs zeige, aber jeder ist anders. Wenn es schlecht läuft, reagieren manche entschlossen, andere ziehen sich zurück. Das liegt einfach an ihrer Persönlichkeit", sagte Bremer.
Auch Coach Spalletti meldete sich via DAZN Italia zu Wort und zeigte sich erschüttert vom Auftreten seiner Mannschaft, in der Nick Woltemade nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit weiterhin ohne Liga-Treffer für Juve blieb. "Es war sicherlich ein schwächeres Juventus. Eine Mannschaft, die das Spiel weder kontrollierte noch Ideen hatte, wie sie es gestalten sollte", sagte er.
"Es ist selbst für uns schwer zu erklären, denn wir sind am Freitag um vier Uhr morgens aus Vigo zurückgekommen und haben die Spieler dann mit den Fitnesstrainern erholen lassen. Wir haben versucht, ein paar Dinge zu ändern. Es gab sechs neue Spieler, aber wir waren sowohl in den Beinen als auch im Kopf zu langsam. Im Fußball sieht man den Gegner, man sieht den Ball, und wenn man zu langsam reagiert, kein Herz zeigt und keinen Rhythmus findet, werden Taktik und Systeme irrelevant", führte Spalletti aus.
Fans von Juventus Turin verlassen Stadion frühzeitig
Vor allem die Einstellung seiner Spieler kritisierte er deutlich: "Ohne Tempo, ohne Ideen, ohne Laufbereitschaft, ohne den Willen, hart zu arbeiten. Wenn man in Zweikämpfen Schwäche zeigt und den Kopf hängen lässt, wenn es mal nicht läuft - all das sind Dinge, die mir nicht gefallen haben."
Spalletti kündigte Konsequenzen an. "Wir müssen das analysieren. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir diskutieren darüber, wie wir mit der Mannschaft sprechen oder über die Arbeitsweise. Offensichtlich muss etwas geändert werden", sagte er. "Auch ich war von dieser Leistung überrascht, daher muss ich intensiv darüber nachdenken, denn ich habe meine Art, mit den Spielern zu sprechen, nicht geändert. Vielleicht muss ich meine eigene Beziehung zur Mannschaft analysieren, denn sie ist ehrlich und fair. Sie werden selbst erkennen, dass das, was wir heute gezeigt haben, nicht gut genug ist."
Zu allem Übel hinzu kamen die eindeutigen Reaktionen der Juve-Fans. Die meisten Anhänger verließen das ausverkaufte Allianz-Stadion bereits vor Schlusspfiff, die verbliebenen Zuschauer verabschiedeten das Team mit einem gellenden Pfeifkonzert.
Auf der Gegenseite bot sich ein konträres Bild. Die Römer feierten ausgelassen vor einem vollbesetzten Gästeblock. Bemerkenswert: Die Fans von Lazio boykottieren seit Ende der vergangenen Saison die eigenen Heimspiele aus Protest gegen Eigentümer Claudio Lotito, um durch den Einnahmenverlust einen Verkauf des Klubs zu forcieren. Während die Elf von Gennaro Gattuso im eigenen Stadion im Schnitt kaum 9000 Zuschauer anlockt, war der Auswärtsblock bei allen vier Partien in der Fremde komplett ausverkauft.