Kaum CO2: So funktioniert die neue Zement
Die Herstellung von Zement ist eine der größten CO2-Schleudern. Wie lässt sich das nach wie vor viel genutzte Baumaterial klimafreundlicher produzieren? Das wollen vier Hersteller herausfinden - und haben sich zusammengetan: Buzzi-Dyckerhoff, Heidelberg Materials, der Ulmer Konzern Schwenk und Vicat haben in Heidenheim gemeinsam eine Forschungs- und Entwicklungsanlage gebaut. Am 8. Juli wurde sie eingeweiht. Sie ist die weltweit erste ihrer Art, sagen die Unternehmen. Kaum CO2-Ausstoß bei der Zementherstellung Bei Heidenheim-Mergelstetten ist in den vergangenen vier Jahren eine bereits von außen eindrucksvolle Anlage entstanden: Mit silberfarben-glänzenden Rohren und Zylindern. Die neue Anlage hat im Kern einen Drehofen, der täglich bis zu 450 Tonnen Klinker produziert. Aus Klinker wird dann Zement hergestellt. In dieser neuen Forschungsanlage auf dem Schwenk-Areal bei Heidenheim testen die vier Konzerne ein neues, klimafreundliches Verfahren zur Zementherstellung: Das Pure-Oxyfuel-Verfahren vermeidet den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid fast vollständig. Und das laut den Herstellern ohne großen zusätzlichen Energieeinsatz und ohne hohe Mehrkosten gegenüber dem herkömmlichen Vorgehen. Bisher werden im Steinbruch abgebaute Kalksteine in einem Drehofen auf 1.450 Grad erhitzt. Dabei wird den Steinen Luft zugeführt. Als Ergebnis entsteht einerseits der gewünschte Branntkalk - auch Klinker genannt. Andererseits entstehen auch Stickstoff und Kohlendioxid. Bei dem neuen Verfahren wird den Kalksteinen statt Luft reiner Sauerstoff beigefügt. Dadurch bleibt neben dem Branntkalk nur Kohlendioxid übrig. Das kann man entweder weiterverarbeiten - etwa in der Getränkeindustrie oder für Feuerlöscher - oder einlagern. Überlegungen für Lagerstätten unter der Nordsee gibt es. Konkrete Pläne für die Verwendung des Kohlendioxids aus der Mergelstetter Pilotanlage dagegen bisher nicht. Heidenheim Versuchsanlage wird derzeit aufgebaut In Heidenheim wird bald für klimafreundlichen Zement geforscht Bei der Produktion von Zement wird jede Menge klimaschädliches CO2 frei gesetzt. Wie sich dies ändern lässt, wollen vier Zementhersteller ab Sommer in Mergelstetten untersuchen. Spezielle Brennöfen gebaut Mit der neuen Versuchsanlage testen die vier beteiligten Hersteller zweierlei: Zum einen, wie sie den Ausstoß von Kohlendioxid im Zementwerk so kostengünstig und energiesparend wie möglich reduzieren können. Und zum anderen, wie sich das Kohlendioxid auffangen lässt. Die dafür notwendige Technik ist noch neu. Rund 120 Millionen Euro haben die vier Unternehmen dafür bezahlt. Wann sich die Anlage ihrerseits bezahlt macht, dazu äußern sie sich derzeit nicht. Erste Tests der Pilotanlage zufriedenstellend verlaufen Offiziell eingeweiht wurde die Pilotanlage am 8. Juli. Ihren Betrieb hat sie aber bereits an Pfingsten aufgenommen - mit Erfolg, sagte der technische Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens, Jürgen Thormann, dem SWR am Rand der Eröffnungsveranstaltung. In den vergangenen Wochen habe man alle Funktionen der Anlage im Betrieb überprüft, ob beispielsweise die Dichtungen tatsächlich dicht sind. "Das hat wirklich alles sehr ordentlich und auch sehr schnell funktioniert", so Thormann. Daher steht bereits die nächste Teststufe kurz vor dem Anlauf. Bei der wollen die Verantwortlichen die Technik stärker strapazieren und unter anderem mehr Sauerstoff zuführen.