Kehrtwende bei NS-Vergangenheit
Vor seinem Tod hatte der Speditionsunternehmer Klaus-Michael Kühne stets betont, dass es zu möglichen Verstrickungen von Kühne + Nagel in der NS-Zeit nichts mehr zu sagen gebe, da wichtige Akten im Krieg verbrannt seien.
Doch nun steht eine Kehrtwende bei der Aufarbeitung der Unternehmensgeschichte an, wie Jörg Dräger, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung, dem NDR sagte. Man werde sich nun der Aufklärung der Unternehmensgeschichte widmen. In der Vergangenheit war Kühne wegen seiner Haltung zu möglichen politischen und wirtschaftlichen Verstrickungen des Unternehmens in der NS-Zeit wiederholt kritisiert worden.
Jüdischer Geschäftspartner von Kühnes Vater soll aus dem Unternehmen gedrängt worden sein
Kühnes Vater hatte einen jüdischen Geschäftspartner, der offenbar aus dem Unternehmen gedrängt worden sein soll. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass Kühne + Nagel im Zweiten Weltkrieg Eigentum deportierter Juden transportiert und verkauft haben soll. „Es ist auch gar nicht Herr Kühne selbst betroffen gewesen. Er war zu Kriegszeiten sieben Jahre alt. Es betrifft die Geschichte des Unternehmens, was er groß gemacht hat“, so Stiftungs-Geschäftsführer Dräger.
Klaus-Michael Kühne war am 24. August in seiner schweizerischen Wahlheimat im Alter von 89 Jahren verstorben. Nach einer großen Trauerfeier im Michel wurde er am Dienstag im engsten Familienkreis auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.
Die neue Staatsoper, die von Kühne mit 340 Millionen Euro mitfinanziert wird, soll zwischen 2032 und 2034 fertiggestellt werden.