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"Keine Denkverbote": CSU und FW verteidigen Homöopathie-Studie

Nation

Das Urteil der bayerischen SPD-Gesundheitspolitikerin Ruth Waldmann fällt vernichtend aus: "Außer Spesen nix gewesen." Mehr als 640.000 Euro habe Bayern für eine Homöopathie-Studie "in den Sand gesetzt". Das Ergebnis, dass Homöopathie nicht besser wirke als Placebos, sei erwartbar gewesen: Der Vergleich "physiologisch wirkungsloser Präparate" mit physiologisch wirkungslosen Präparaten ergebe "eine peinliche Nullnummer". Globuli sind für Waldmann "Hokuspokus". Sie verlangt Aufklärung, weshalb im Landtag Forschungsaufträge "mit zweifelhafter Begründung" durchgesetzt werden konnten. Durchgesetzt hatten die Studie 2019 CSU und Freie Wähler, zudem stimmte ein Großteil der Grünen-Fraktion zu. Gesundheitspolitiker von CSU und Freien Wählern wollen Waldmanns Kritik nicht auf sich sitzen lassen und kontern. "Keine Denkverbote" CSU-Gesundheitsexperte Bernhard Seidenath beklagt eine "besserwisserische Attitüde". Die Studie habe herausfinden sollen, wie sich der Antibiotika-Einsatz reduzieren lasse, um gefährliche Resistenzen zu verhindern. "Wir als Politik geben Ziele vor", sagt Seidenath dem BR, "wir geben nicht Ergebnisse vor." Und die Studie habe Ergebnisse gebracht. Die SPD sei aber von Anfang an darauf festgelegt gewesen, dass alles "Schmarrn" sei. Das sei auch "ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die auf Homöopathie schwören". Susann Enders von den Freien Wählern betont: "Wissenschaft muss auch kontroverse Ansätze untersuchen dürfen – ergebnisoffen." Die Kritik greife zu kurz: "Die Studie war Teil eines größeren Maßnahmenpakets im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen." Angesichts multiresistenter Keime dürfe es bei der Suche nach Möglichkeiten, den Antibiotika-Einsatz zu reduzieren, "keine Denkverbote" geben. "Misstrauen Sie der Wissenschaft?" CSU und Freie Wähler hatten 2019 gemeinsam ein Paket mit mehreren Anträgen zum Thema "Todesfälle durch multiresistente Keime vermeiden" vorgelegt. "Wenn wir nichts unternehmen, werden in unserem Land in 30 Jahren mehr Menschen an Infektionen versterben als an Krebs", warnte damals Seidenath im Plenum. In den Anträgen ging es beispielsweise um den möglichst sparsamen Einsatz von Antibiotika bei der Lebensmittelproduktion, die Eindämmung von Resistenzentwicklungen durch Umweltstandards und den Kampf gegen Antibiotika-Lieferengpässe. Dafür gab es im Landtag breite Zustimmung. Umstritten war schon zu Beginn der Antrag, in dem es hieß: "Die Staatsregierung wird aufgefordert, durch eine Studie zu untersuchen bzw. untersuchen zu lassen, wie ein reduzierter Antibiotikaeinsatz im medizinischen Bereich realisiert werden kann." Dabei sollten alternativmedizinische Methoden in den Blick genommen werden, auch eine "mögliche positive Rolle" von ergänzend verabreichten homöopathischen Präparaten. Waldmann betonte in der Debatte, es gebe schon umfangreiche Forschung zur Homöopathie, "die keine Wirksamkeit nachweisen konnte". Wozu die Studie? "Misstrauen Sie der Wissenschaft?" Kritik kam auch von FDP und AfD. Seidenath dagegen mahnte, "nichts unversucht und nichts ununtersucht" zu lassen. Der CSU-Abgeordnete Klaus Holetschek, später Gesundheitsminister und heute CSU-Fraktionschef, betonte, "dass wir gut daran tun, diese Studie zu machen, wenn wir ernstnehmen wollen, was die Menschen draußen diskutieren". Man könne Naturheilverfahren und alternative Medizin nicht ignorieren. 120 Abgeordnete stimmten für die Studie, 47 dagegen, drei enthielten sich. 40 statt 240 Patientinnen Die Untersuchung der Technischen Universität München ging der Frage nach, ob sich bei Patientinnen mit wiederkehrenden Harnwegsinfekten durch Homöopathie der Antibiotika-Bedarf reduzieren lässt. Das Problem: "Von ursprünglich angedachten 240 Patientinnen konnten im Rahmen der Rekrutierungsphase – trotz umfangreicher Werbemaßnahmen – nur 40 Patientinnen in die Studie aufgenommen werden", heißt es im Abschlussbericht von Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU). Von 39 Patientinnen seien Daten ausgewertet worden. Vor dem Hintergrund dieser niedrigen Fallzahl seien die Ergebnisse zu betrachten. Zentrales Ergebnis: Die Studie lieferte keine Belege dafür, dass die prophylaktische Gabe von homöopathischen Arzneimitteln der Verabreichung eines Placebos überlegen war. Zugleich deutet sie laut Gerlach darauf hin, dass eine engmaschige medizinische Betreuung und eine intensive diagnostische Abklärung zu einer Reduktion der Antibiotika-Einnahme beitragen kann. SPD: "Kläglich" gescheitert Auf diese Einsicht hätte man "mit weniger Aufwand und Geld kommen können", kritisiert SPD-Politikerin Waldmann. Die Studie sei gescheitert – "sowohl methodisch als auch mit Blick auf statistische Relevanz ziemlich kläglich". Waldmann beklagt fehlende Bereitschaft, Forschungsergebnisse zur Homöopathie "endlich zu Kenntnis zu nehmen". Noch schärfer fällt die Kritik des Naturheilforschers und Homöopathie-Kritikers Edzard Ernst aus. Die Studie sei skandalös und schlicht bedeutungslos, sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt). Wegen ihrer methodischen Schwächen könne daraus nichts abgeleitet werden. Das bayerische Parlament habe sich damit "weltweit lächerlich gemacht". Seidenath: Zum Kernauftrag beigetragen Zwar sei die Studie "nie richtig zum Laufen gekommen, weil es Schwierigkeiten gab bei der Rekrutierung", räumt Seidenath ein. Und sie habe keinen Hinweis auf eine Überlegenheit von homöopathischen Präparaten geliefert. Aber sie habe Erkenntnisse gebracht, "wie wir Antibiotika-Einsatz und damit Multiresistenzen spürbar reduzieren können". Insofern habe die Studie zum Kernauftrag etwas beigetragen. Die FW-Abgeordnete Enders plädiert für "weniger Starrheit". Es gehe um "Verifizieren und Falsifizieren". Die "Hokuspokus"-Kritik sei "kleingeistig". Die wissenschaftlich fundierte Medizin bleibe die Grundlage der Gesundheitsversorgung. "Gleichzeitig stehen wir Freie Wähler auch komplementärmedizinischen Ansätzen offen gegenüber, wo es sinnvoll und verantwortbar ist."

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