Keine Jäger, kein Feuer: Neue Studie enthüllt überraschende Wahrheit über urzeitliche „Hobbit“-Menschen
Ein Gehirn so groß wie das eines Schimpansen und ein Schädel, so groß wie eine Grapefruit: Der prähistorische Mensch Homo floresiensis gilt nicht gerade als brillant. Dennoch gingen Forscher lange davon aus, dass unsere aufgrund ihrer geringen Körpergröße als „Hobbits“ bezeichneten Vorfahren in der Lage waren, zu jagen und Feuer zu machen. Diese Annahme widerlegen neue Forschungen, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science Advances. Sie gehen davon aus, dass floresiensis ein Aasfresser war.
Komodowaran-Spuren belegen: Menschlicher Vorfahren war ein Aasfresser
„Ich wollte sehen, ob wir wirklich zeigen können, dass H. floresiensis der Jäger ist, als der er jahrzehntelang dargestellt wurde“, erklärt Paläoanthropologin Dr. Elizabeth Grace Veatch in Bezug auf ihre Untersuchungen. Tatsächlich ändern ihre Erkenntnisse die Sichtweise auf den menschlichen Vorfahren grundlegend, insbesondere in Bezug auf die Essgewohnheiten. Um diese zu untersuchen, nutzte ihr Team einen tierischen Zeitgenossen des H. floresiensis: den Komodowaran.
Über Jahre hinweg waren sich Forscher einig, dass die Vorzeitmenschen mit ihren Werkzeugen auf die Jagd nach sogenannten Stegodonten gingen. Veatch widerspricht: Durch das Abgleichen der Biss- und Schnittspuren an den Stegodon-Knochen und der Komodowaran-Zähne zeigte sich, dass es nicht der Mensch war, der die urzeitlichen Pflanzenfresser tötete. Stattdessen geht die Paläoanthropologin davon aus, dass der Mensch sich von den Kadavern der Tiere ernährte, nachdem Warane sie zuvor erlegten. Die Werkzeuge nutzten sie, um das Fleisch vom Knochen zu trennen.
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Kein Mensch? „floresiensis sollte umbenannt werden“
Das Stegodon-Fleisch nahm der H. floresiensis außerdem roh zu sich, auch das belegt Veatch mit ihrer Forschung. Zwar waren in der Vergangenheit entdeckte Höhlen mit Knochen übersäht gewesen, aber kein einziges der 4500 untersuchten Gebeine hätte Anzeichen von Verkohlung gezeigt. Weder Stegodon-Knochen, noch die von anderen Tieren.
Die Forscher schließen daraus, dass die Ernährung von H. floresiensis aus rohem Fleisch (häufig Aas), Pflanzen und Insekten bestand, so Briana Pobiner, Co-Autorin der Studie gegenüber „CNN“. Für Dr. Chris Stinger ein Grund, den Urzeitmenschen anzuzweifeln: „Es bestärkt die Minderheitsansicht, dass floresiensis eigentlich nicht zur Gattung Homo gehört und umbenannt werden sollte.“
Homo floresiensis entfacht Debatte um Merkmale des Menschen
Die neuen Knochen-Analysen könnten tatsächlich für eine handfeste Diskussion dessen sorgen, was in der Biologie als Gattung „Homo“ (also „Mensch“) definiert wird. Bisher galt in der Forschung laut Smithsonian Museum das ungeschriebene Gesetz: Wer zu unserer engeren menschlichen Verwandtschaft gehört, nutzt das Feuer, jagt im Kollektiv und stellt Werkzeuge für die Jagd her.
Fällt all das beim Homo floresiensis weg, könnten die Kriterien für unsere eigene Gattung neu verhandelt werden müssen, so ein Artikel des Londoner Natural History Museum (der Wirkungsstätte von Dr. Chris Stringer). Sollte der Hobbit am Ende tatsächlich aus der Homo-Familie fliegen und eher als eine Art hochentwickelter Australopithecus eingestuft werden, würde das unsere Evolutionsgeschichte umschreiben.