Kelkheim trauert: Ehefrau mit Machete getötet - Tatverdächtiger verweigert Aussage
In Kelkheim (Main-Taunus) herrscht am Mittwoch noch immer tiefe Betroffenheit. Menschen stehen ratlos an der Stelle nahe dem Marktplatz, an der eine 58 Jahre alte Frau am Abend zuvor ihr Leben durch eine Bluttat verlor. Manche legen Blumen nieder, einige haben Tränen in den Augen, schildert unser hessenschau-Reporter die Situation vor Ort. Gegen 21 Uhr hatte am Dienstagabend mutmaßlich ihr Ehemann die Frau angegriffen und mit einem großen Messer so schwer verletzt, dass sie noch vor Ort starb. Wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Mittwoch mitteilte, stach der 60-Jährige mit einer Machete mindestens 30 Mal auf sein Opfer ein. Laut Polizei überwältigten Augenzeugen den Angreifer und hielten ihn bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte fest. Beamte nahmen den Mann fest. Bei seiner Festnahme wurde auch er verletzt. Der mutmaßliche Täter sitzt mittlerweile wegen des Verdachts des Mordes aus niedrigen Beweggründen in Untersuchungshaft. Tatverdächtiger schweigt Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft am Donnerstag sagte, macht der 60-Jährige bei den Vernehmungen von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Die Stadt kündigte eine Pressekonferenz für Freitagvormittag an. Dort wolle man "nach der schrecklichen Gewalttat, die unsere Stadt tief erschüttert hat" über den aktuellen Kenntnisstand informieren, hieß es. Die Tat ereignete sich vor einer Vielzahl von Zeugen. Der Mann habe "aus übersteigertem Besitzdenken und Eifersucht, in der Annahme, sie gehe ihm fremd", gehandelt, so die Staatsanwaltschaft. Augenzeuge: "Bin um mein Leben gerannt" Ein Passant berichtet, er sei nur etwa fünf Meter von der Attacke entfernt gewesen. Er beschreibt den Angreifer als betrunken wirkend. "Ich bin um mein Leben gerannt." Die Frau sei in dieselbe Richtung geflohen und dann anscheinend kollabiert, sagt der Zeuge, der nur seinen Vornamen Peter nennen will. Laut Polizei wurden Augenzeugen des Geschehens vor Ort seelsorgerisch betreut. "Das ist psychisch eine entsprechende Belastung, wenn man so etwas miterleben musste", sagt ein Sprecher. Die Polizei sicherte intensiv Spuren. Dass sich die Tat auf offener Straße abspielte, könnte zudem die Ermittlungen erleichtern. "Dort gibt es verschiedene Lokalitäten. Entsprechend hatten wir dann auch den Publikumsverkehr", so der Sprecher. Mann drohte, Ehefrau zu töten Nach Angaben der Staatsanwaltschaft waren der Tatverdächtige und das Opfer seit 1991 verheiratet, lebten aber seit mehreren Jahren in Trennung. "Den bereits im August 2025 geäußerten Wunsch der Ehefrau, sich scheiden zu lassen, wollte der Beschuldigte in der Folgezeit nicht akzeptieren und drohte wiederholt, seine Ehefrau im Falle der Scheidung umzubringen", hieß es von der Anklagebehörde. Hilfsangebote der Polizei habe die 58-Jährige abgelehnt. Die Frau habe den Mann zwischenzeitlich wieder in der ehelichen Wohnung aufgenommen. Blutspuren am Tag danach Am Tag danach sind auf der Straße noch immer Blutspuren zu erkennen. Das Opfer muss sich noch einige Meter weit geschleppt haben. Blaue Kreise markieren die Spuren auf dem Boden. Anwohnerin Heike Koch hat aus den Nachrichten von der Tat erfahren und das Bedürfnis verspürt, Blumen am Tatort zu hinterlegen. "Ich wohne seit 40 Jahren in Kelkheim", erzählt sie. Verbrechen habe es immer wieder mal gegeben, aber so etwas habe sie bislang nicht erlebt. "Ich war gestern drei Stunden vorher auch hier", erzählt Koch. "Man kriegt schon ein bisschen Angst, wenn man hier mal irgendwo entlang läuft." Sie stelle fest, dass die Menschen untereinander immer aggressiver würden. "Das nimmt immer mehr zu, das finde ich ganz schlimm." "Man merkt, dass die Stadt trauert" Holger Winter ist Leiter der nahegelegenen Stadtbücherei. Er und sein Team seien sehr bedrückt gewesen. "Man kann es nicht in Worte fassen", sagt er. "Man malt sich dann aus, dass so jemand vielleicht zu uns nach oben kommt in die Bücherei und dass es dort passiert." In der Bücherei sei am Mittwoch denn auch weniger Betrieb gewesen. "Man hat schon gemerkt, dass die Stadt irgendwie trauert." Er selbst und seine Kollegen hätten sich auch zunächst nicht wie sonst auf die Arbeit konzentrieren können. "Man ist irgendwie in einer traurigen Stimmung gefangen."