Kernfusion: Google und RWE pumpen 411 Millionen Euro in Proxima Fusion
Das Münchner Start-up sammelt die größte private Fusionsrunde Europas ein und wird mit 2,4 Milliarden Euro bewertet. Deutschland hat den Atomausstieg vollzogen und seine letzten Reaktoren, die auf Kernspaltung setzen, stehen seit 2023 still. Die Atomenergie ist aber nicht abgeschrieben, im Gegenteil: Es fließt frisches Geld in die nächste Generation von Atomenergie. Weiterlesen nach der Anzeige Proxima Fusion, ein erst drei Jahre altes Spin-off des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, hat 411 Millionen Euro von Investoren eingesammelt, unter anderem von Google und dem Energiekonzern RWE. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Die Bewertung des Unternehmens steigt damit auf 2,4 Milliarden Euro. Wie Bloomberg berichtet, führten XTX Ventures und East X Ventures die Runde an. Rund 150 Millionen Euro steuerten die beiden Lead-Investoren bei, bestehende Geldgeber legten einen ähnlichen Betrag nach. Insgesamt hat Proxima in weniger als drei Jahren über 650 Millionen Euro gesichert, davon 95 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln. Mehr als 90 Prozent der Investoren stammen nach Firmenangaben aus Europa. Stellarator statt Tokamak – Gundremmingen als Fusionsstandort Das Geld soll den Bau von "Alpha" vorantreiben, einem Stellarator-Demonstrator mit Nettoenergieertrag. Der Stellarator ist eine verdrehte, donutförmige Magnetkammer, die Plasma bei rund 150 Millionen Grad Celsius einschließt. Proxima baut dabei auf den Erkenntnissen des Wendelstein-7-X-Programms in Greifswald auf. Weiterlesen nach der Anzeige Proxima-Chef Francesco Sciortino bezeichnete den Ansatz gegenüber Bloomberg als "stabiler als Tokamaks oder laserbasierte Konzepte" . Zwei-Milliarden-Projekt mit bayerischer Beteiligung Der Demonstrator "Alpha" soll rund 2 Milliarden Euro kosten und Anfang der 2030er Jahre in Betrieb gehen. Proxima übernimmt ein Fünftel, der Freistaat Bayern hat einen ähnlichen Anteil zugesagt. Den Rest erwartet Sciortino von der Bundesregierung und der EU. Das geplante kommerzielle Kraftwerk "Stellaris" soll auf dem Gelände des stillgelegten RWE-Kernkraftwerks im bayerischen Gundremmingen entstehen. Bereits auf der Start-up-Konferenz Hinterland of Things betonte Proxima-Policy-Chef Armin Reinartz, die wissenschaftlichen Grundlagen seien vorhanden, die Herausforderung liege aber nun in der industriellen Umsetzung. Googles Kalkül: CO₂-freier Strom für KI-Rechenzentren Google stieg als strategischer Investor ein. Konkrete Pläne für Rechenzentren, die mit Strom versorgt werden sollen, gebe es laut Sciortino zwar noch nicht. Der Konzern hat aber bereits einen Stromabnahmevertrag über 200 Megawatt mit dem US-Entwickler Commonwealth Fusion Systems geschlossen. Microsoft hält einen Abnahmevertrag mit Helion Energy. Der Boom bei KI-Anwendungen treibt den Stromhunger der Branche massiv nach oben – und die Kernfusion verspricht grundlastfähige, emissionsfreie Energie rund um die Uhr. Allerdings existiert bislang weltweit kein einziges kommerzielles Fusionskraftwerk. Optimisten rechnen frühestens in den 2030er Jahren mit Netzstrom aus Fusion, Skeptiker erst in 20 bis 30 Jahren.