KI-Agent Biomni soll biomedizinische Forschung beschleunigen
Ein KI-Agent soll in der Biomedizin das Auswerten riesiger Datenmengen übernehmen. Damit könnten sich Forschende auf das Wesentliche konzentrieren. Das soll Innovationen deutlich beschleunigen. Neue Wirkstoffe finden, Wechselwirkungen zwischen Arzneien entdecken, die Stabilität von Proteinen prüfen oder bislang unbekannte Ursachen von Krankheiten ermitteln: Ein eigens entwickelter biomedizinischer KI-Agent soll Wissenschaftlern das aufwendige und zeitraubende Sichten von Studien und Datensätzen abnehmen und so die Forschung deutlich beschleunigen. Ein US-Forschungsteam stellt im Fachjournal "Science" die KI Biomni vor, die eigenständig Anweisungen umsetzen und so Forschenden zuarbeiten soll. Denn bislang ist Wissenschaft angesichts der rapide wachsenden Datenmengen vielfach auf langwierige Fleißarbeit angewiesen. Diese Analysen des Datenwusts bremsten das Gewinnen neuer Erkenntnisse, schreibt das Team. Gerade im schnellen Auswerten großer Datensätze sei KI Menschen überlegen. "Biomni kann eine einfache Frage verstehen wie etwa "Warum reagieren diese Patienten anders auf das Medikament?", erläutert Erstautor Kexin Huang von der Stanford University in Kalifornien. "Dann legt sie los und übernimmt viel wissenschaftliche Zuarbeit." 40 Minuten statt 60 Stunden Tatsächlich hat die auf Biomedizin spezialisierte KI Zugang zu Hunderten analytischen Werkzeugen und Programmen - etwa zu Erbgut-Sequenzanalysen oder zur Genschere Crispr -, zu Dutzenden Datenbanken und sogar zu unveröffentlichten Studien, die auf Datenservern liegen. Und sie deckt 25 medizinische Teilbereiche ab, von Biochemie über Genetik und Neurologie bis hin zu Zellbiologie. Für die Zeitersparnis nennt das Team in einer Pressemitteilung ein konkretes Beispiel: So sollte Biomni aus 450 hochgeladenen Dateien Hypothesen über die Zusammenhänge von Glukosewerten, Ernährung und körperlichen Aktivitäten formulieren. Die Aufgabe bewerkstelligte die KI - samt Grafiken - in 40 Minuten. Ein Mensch hätte dafür mindestens 60 Stunden gebraucht, schätzt Studienleiter Jure Leskovec, ebenfalls aus Stanford. "Dieser mühsame Aufwand bremst Innovationen" Mehrere Analysen zu verschiedenen Themenbereichen belegten, dass sich die Einschätzung des Agenten durchaus mit der von ausgewiesenen Fachexperten messen könne, schreibt das Team. Hemmschuh für die biomedizinische Forschung seien weder fehlende Ideen noch Intelligenz, sondern vielmehr der Aufwand für das handwerkliche Vorgehen. "Dieser mühsame Aufwand bremst Innovationen", betont Leskovec. "Biomni schafft diese Arbeit in Minuten." Empfehlungen der Redaktion Humanoide Roboter laufen mit Models bei Modenschau Bilder, die den Atem stocken lassen Diese guten Nachrichten machen Hoffnung Damit könnten sich Forschende künftig auf das eigentlich Wichtige konzentrieren - also Beurteilung, Ideenbildung und Kreativität. "Perspektivisch könnten Biomni und seine Nachfolger eine grundlegende Infrastruktur in einem KI-angetriebenen biomedizinischen Ökosystem werden und nahtlos mit menschlichen Experten zusammenarbeiten, um Einsichten in Gesundheit und Krankheit zu entschlüsseln", schreibt das Team. "Diese hybride Partnerschaft kann die biomedizinische Forschung umgestalten - indem sie Hypothesen erstellt, Entdeckungs-Pipelines anpasst und es medizinischen Innovationen ermöglicht, schneller als je zuvor fortzuschreiten." Ein Prototyp des KI-Agenten ist der Universität zufolge schon in etwa 1.000 Laboren von Industrie und Forschungseinrichtungen im Einsatz. (dpa/bearbeitet von tar)